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Schauspiellegende Terence Hill : Sein Name ist Somebody

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Sammlungen werden akribisch gepflegt

Die Zwillinge schätzen, dass sie zu Hause über 1300 DVDs mit den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill haben. 50 bis 60 Soundtracks auf Schallplatte. Ebenso viele Singles. Außerdem: ungezählte Pappaufsteller, Poster, Kunstdrucke. Eine gigantische Sammlung. Im Herbst 2006 haben sich die Zwillinge 14 Tage Urlaub genommen, um eine Online-Datenbank aufzubauen. „Wir wollten wissen, was wir haben“, sagt Eric. Dennis sagt: „Es ist vorgekommen, dass wir keine Ahnung hatten, ob wir die DVD schon besitzen, die wir gerade kaufen.“ Mittlerweile ist www.spencerhilldb.de öffentlich zugänglich. Es ist die größte Datenbank über Bud Spencer und Terence Hill. Weltweit. Alles, was mit den beiden zu tun hat, wird kategorisiert, archiviert, verlinkt. Es gibt 4134 Darstellerporträts, 18.081 hochgeladene Bilder und 3285 Aushangfotos. Fast jeder, der in einem Spencer-Hill-Film mitgespielt hat, ist mit Namen, Foto und Kurzbiographie aufgelistet. Auch die Statisten.

Am Bierstand ist die erste Runde geleert. Das Einzige, was die Heyse-Zwillinge voneinander trennt, ist ihr Arbeitsplatz. Beide tragen ein schwarzes T-Shirt, auf dem Terence Hill abgedruckt ist. Konfektionsgröße: Bud Spencer. Beide sind 40 Jahre alt. Beide leben in Bremen. Im Haus ihrer Mutter. Obergeschoss. Und beide sind bei mittelständischen Unternehmen als Informatiker angestellt. „Wenn man uns getrennt sehen will“, sagt Dennis, „muss man uns auf der Arbeit besuchen.“ Oder zumindest warten, bis einer der beiden neues Bier holt. Eric steht auf. Noch eine Runde.

Jorgo Papasoglou, der die Bierrunde ausgegeben hat, die Eric gerade holt, spricht ruhiger als die Heyse-Zwillinge. Die drei kennen sich über die Datenbank. Vor Jahren hat Jorgo die Zwillinge angeschrieben, weil ihm aufgefallen war, dass sie einen Song beim Soundtrack von „Plattfuß in Afrika“ aufgelistet hatten, der im Film nicht gespielt wird. Die Komödie von 1978 war der erste Bud-Spencer-Film, den Jorgo in seinem Leben gesehen hat. Oder besser: gehört hat. Jorgo ist von Geburt an blind. Seine private Sammlung nimmt deshalb weniger Platz ein als die der Heyse-Zwillinge. Sie ist auf Festplatten gespeichert. „Ich brauch’ ja nur die Tondateien“, sagt Jorgo. Aber die sucht er genauso akribisch zusammen wie Eric und Dennis Heyse ihre DVDs. „Auf der VHS-Kassette von ,Plattfuß in Hong Kong‘ spricht Bud Spencer einen Satz mehr als auf der DVD“, sagt Jorgo. „Ich habe also die VHS gekauft, den Satz ausgeschnitten und in meine MP3-Datei eingefügt.“ Dennis und Eric kennen die Geschichte schon. In ihrer Welt ist nichts Ungewöhnliches daran, dass jemand eine VHS-Kassette kauft, weil Bud Spencer auf ihr ein paar Wörter mehr sagt.

Es gab nicht nur Höhen in der Filmografie

Tatsächlich ist die deutsche Synchronisation der Spaghetti-Western mit Spencer und Hill wohl einer der Gründe für ihren Erfolg. Während die beiden in den Filmen Bohnen aus Pfannen essen, durch die Wüste reiten, Weinflaschen leeren und sich mit Banditen prügeln, reden sie eigentlich pausenlos miteinander. In einer Sprache, die eine Mischung aus Berliner Eckkneipenjargon und BRD-Schulhofdeutsch aus den 1960er Jahren ist. Anstatt „Ohr“ sagen sie „Hörlappen“, aus „Kopf“ wird „Denkmurmel“. Und „Beine“ sind „Kackstelzen“.

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