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Terence Hill zum 80.Geburtstag : Blauäugiger Held

Legende des Spaghetti-Westerns: Terence Hill, hier im Film „Mein Name ist Nobody“ (1973), wird 80 Jahre alt. Bild: obs

Als Kind erlebte er die Bombenangriffe auf Dresden, in seinen Filmen gab er später den charmanten Komiker: Italo-Western-Legende Terence Hill wird 80 Jahre alt.

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          Wenn man an Schicksal glaubt, dann traf Terence Hill, der damals noch Mario Girotti hieß, sein eigenes im Jahr 1967 in der Wüste von Almería. Der italienische Regisseur Giuseppe Colizzi drehte dort den Italo-Western „Gott vergibt... Django nie!“ und suchte verzweifelt einen Schauspieler für die zweite Hauptrolle. Die Ursprungsbesetzung hatte sich beim Streit mit der Verlobten den Fuß gebrochen. Girotti hatte davon erfahren und fuhr die ganze Nacht durch, um die Rolle zu bekommen. Kaum am Drehort angelangt, drückte man dem jungen Mann mit den himmelblauen Augen einen Colt in die Hand und stellte ihm seinen Filmpartner Carlo Pedersoli vor. Gleich die erste gemeinsame Szene war eine Prügelei. Danach waren die beiden Männer Freunde für den Rest ihres Lebens. Und da ein Italo-Western echt amerikanisch wirken sollte, bekamen die zwei eine Liste mit englischen Namensvorschlägen vorgelegt. Aus Carlo Pedersoli wurde Bud Spencer und Mario Girotti suchte sich aus zwanzig Möglichkeiten den Namen Terence Hill aus, den er bis heute trägt.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Er soll sich dafür entschieden haben, weil er zu den Initialen seiner Mutter passte. Die hieß Hildegard Thieme und stammte ursprünglich aus Lommatzsch bei Dresden. Der Sohn kam 1939 in Venedig zur Welt. Zwei Jahre später fand der Vater eine Anstellung in einem Chemiekonzern bei Dresden. Von 1942 bis 1947 lebte die Familie in Lommatzsch, bevor sie nach Italien zurückkehrte. Noch heute kündet eine Ehrentafel am Haus der Großeltern von dieser Zeit. Im Alter von sechs Jahren erlebte Hill die Bombenangriffe der Alliierten. Noch als Erwachsener hatte er davon Albträume.

          In den Filmen, die ihn ab den siebziger Jahren in Deutschland berühmt machten, gab er meist den Komiker mit charmantem Lächeln. Doch bis dahin war es ein langer Weg: Der italienische Regisseur Dino Risi entdeckte den blonden Jungen im Alter von zwölf Jahren im Schwimmbad und castete ihn für „Das große Ferienabenteuer“ (1951). Es folgten Nebenrollen in Karl-May-Verfilmungen und in Luchino Viscontis legendärem Kostümfilm „Der Leopard“ (1962). Während der Hochzeit des italienischen Kinos drehte man oft mit europäischen Darstellern, die keine gemeinsame Sprache sprachen. Die Filme wurden später im Studio nachsynchronisiert. Hills Schauspiel kommt ohne Sprache aus. Er lässt stattdessen sein Gesicht sprechen, arbeitet mit dem gesamten Körper.

          Zusammen mit seinem Kollegen Bud Spencer drehte er zahlreiche Western mit Witz. Bereits als Zwölfjähriger stand er vor der Kamera, auch im Alter produziert der gebürtige Italiener noch Filme. Heute feiert Hill seinen 80. Geburtstag. Bilderstrecke

          Bud Spencer war fürs grobe Prügeln zuständig, Hill turnte wie ein Akrobat durch die Kulisse. Statt Schläge auszuteilen, duckte er sich grazil unter Fäusten hinweg, warf mit Gläsern, hantierte mit Billardqueues. Seine Komik erinnerte an Chaplin, er machte die Massenprügeleien zu choreografiertem Slapstick. Das Publikum liebte das Duo Hill und Spencer. Den Spaghetti-Western „Vier Fäuste für ein Halleluja“ sahen 1971 zwölf Millionen Zuschauer allein in den deutschen Kinos. Zwei Jahre später drehte Hill unter der Regie von Western-Legende Sergio Leone „Mein Name ist Nobody“. Auch an der Seite von Henry Fonda, der in diesem Film zum letzten Mal einen Colt in die Hand nahm, blieb er der Rolle des verschmitzten Spitzbuben treu, der die Gegner lieber durch flinke Bewegung, als durch gezielte Kugeln ausschaltete.

          Die Beliebtheit der Filme in Deutschland mag auch an den Synchronfassungen liegen, die Hills Slapstick mit flapsigen Sprüchen unterstreichen. Dabei wäre eine Synchronisation gar nicht nötig gewesen. Hill spricht deutsch und ist seit 52 Jahren mit Lori Zwicklbauer, einer Amerikanerin mit bayrischen Wurzeln, verheiratet. Kennengelernt haben sie sich – wieder Schicksal? – bei jenem Dreh in Almería 1967, für den sie seine englische Aussprache verbessern sollte. Das Paar lebt seit den siebziger Jahren auf einer Farm in Massachusetts. Nach Dresden kehrte Hill 2018 noch einmal zurück und zeigte seinen neuen Film „Mein Name ist Somebody“, ein Roadmovie, das er seinem 2016 verstorbenen Freund Bud Spencer widmete. Die Vorstellungen waren Monate im Voraus ausverkauft, Tausende Fans pilgerten zu ihrem Jugendhelden ans Elbufer. An diesem Freitag wird er 80 Jahre alt.

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