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Streit um Rechte : Taylor Swift und ihr Master-Plan

  • -Aktualisiert am

Taylor Swift möchte ihre ersten sechs Alben eventuell nochmal einspielen. Bild: AFP

Taylor Swift kämpft zurzeit mit dem Musikmanager Scooter Braun – denn er hat die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Nun überlegt die Sängerin, die Lieder einfach nochmal einzuspielen.

          Taylor Swift ist eine der kämpferischsten Persönlichkeiten der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Vor zwei Jahren erstritt die Sängerin vor einem Gericht im Bundesstaat Colorado einen symbolischen Dollar, weil ein Radiomoderator ihr bei einem Meet-and-Greet unter den Rock gegriffen hatte. Vor einigen Wochen zog sie wieder vor Gericht, dieses Mal gegen den Inhaber eines New Yorker Computerladens. „Swiftlife“, der Name des Geschäfts, erinnerte sie zu sehr an ihre inzwischen eingestellte App „The Swift Life“. En passant stritt sich die Grammy-Preisträgerin mit Kanye West, vertrug sich mit Katy Perry und zog öffentlich gegen Marsha Blackburn, die republikanische Kongress-Abgeordnete ihrer Wahlheimat Tennessee, zu Felde.

          Jetzt sagt Taylor Swift auch Scooter Braun den Kampf an. Der Musikmanager, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Justin Bieber, Demi Lovato und Ariana Grande, hatte Ende Juni das Label Big Machine Records gekauft und mit ihm auch die sogenannten Masters von Swifts ersten sechs Alben. Als Fünfzehnjährige hatte die Sängerin einen Vertrag mit dem Label geschlossen. Die Originalaufnahmen von Alben wie „Speak Now“, „Red“ und „1989“ überließ sie damals wie üblich Big Machine Records. Als Swift 2018 nach zehn Jahren zu Republic Records wechselte, behielt das Label diese Aufnahmen.

          Für jedes neue Album, sollte sie eines der alten bekommen

          Kurz nach dem 300-Millionen-Dollar-Geschäft zwischen Braun und Scott Borchetta, bislang Eigentümer von Big Machine Records, wandte sich Swift an die Fans. „Ich habe jahrelang darum gebettelt, meine eigene Arbeit zu besitzen. Stattdessen gab man mir die Gelegenheit, wieder bei Big Machine Records zu unterschreiben und mir meine Alben ,zurückzuverdienen‘. Für jedes neue Album, das ich fertigstellte, sollte ich eines der alten bekommen. Ich bin nicht darauf eingegangen, weil ich wusste, dass Scott Borchetta das Label verkaufen würde, sobald ich unterzeichnet hätte. Damit hätte er mich und meine Zukunft verkauft“, schrieb die Neunundzwanzigjährige bei Tumblr – und holte zum Schlag gegen Braun aus.

          „Auch ich habe erst erfahren, dass Scooter Braun meine Masters gekauft hat, als es der ganzen Welt verkündet wurde. Ich konnte dabei nur an das unaufhörliche, manipulierende Mobbing denken, das ich jahrelang durch ihn erlitten habe.“ Swift wirft dem Musikmanager unter anderem vor, mit seinem damaligen „Klienten“ Kanye West das Musikvideo „Famous“ aufgenommen zu haben, das den Rapper mit einem nackten Swift-Verschnitt im Bett zeigte. Die Sängerin macht Braun zudem für den heimlichen Mitschnitt eines Telefongesprächs mit Kanye West verantwortlich, das von dessen Ehefrau Kim Kardashian vor einigen Jahren online gestellt wurde. In der Aufnahme zeigt sich Swift angeblich geschmeichelt, von West „Bitch“ genannt zu werden.

          Swifts Trauer über den Verkauf ihrer Masters an den Musikmanager währte aber nur kurz. In einem Interview mit dem Sender CBS kündigte sie vor einigen Tagen an, die Titel der ersten sechs Alben ein weiteres Mal aufzunehmen. „Das ist der Plan?“, fragte die Moderatorin Tracy Smith ungläubig. „Ja, allerdings“, antwortete Swift. Die Originaleinspielungen sind viel mehr als nur Erinnerungen an selbstgeschriebene Titel und die Anfänge als Sängerin. Die Masters zählen zu den wichtigsten Einnahmequellen der Musikindustrie. Vor der Verbreitung einzelner Titel oder Alben via Streamingdienst oder Platte muss bei den Musikverlagen für viel Geld eine Lizenz zur Nutzung der Originalaufnahmen eingeholt werden. In der Regel leitet das Label dann einen vertraglich vereinbarten Prozentsatz an den Sänger weiter – nachdem der Titel oder das Album eventuelle Vorauszahlungen wieder eingespielt hat.

          Auch nach dem Abschied von Big Machine Records hat Swift weiter einen Anspruch auf die Prozente. Da viele Labels aber für eher schwammige Buchhaltung bekannt sind, drohen ihre Einnahmen nach dem Bruch mit Braun zu schwinden. Swifts Plan, die ersten sechs Alben im kommenden Jahr abermals einzuspielen und auf diese Art eigene Masters anzubieten, könnte sich als lukrativ erweisen. Der Musikerin, deren Vermögen auf mehr als 320 Millionen Dollar geschätzt wird, blieben so nicht nur schwer kontrollierbare Prozente an ihren Titeln, sondern auch weitere Lizenzgebühren.

          Braun übt sich derweil in Großmut. Nach Swifts siebtem Album „Lover“, das am Freitag erschienen war, gratulierte er via Twitter: „Egal, was vorgefallen ist. Die Wahrheit ist, dass man keine hohen Einsätze macht, wenn man kein Vertrauen hat. Brillantes Album. Herzlichen Glückwunsch, Taylor Swift!“

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