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Schauspieler Martin Brambach : Wer is’ denn det?

Große Städte reizen ihn schon lange nicht mehr: Martin Brambach beim Gespräch in einem Lokal in Recklinghausen. Bild: Edgar Schoepal

Martin Brambach war lange Jahre ein Mann der zweiten Reihe, der jeden noch so banalen Fernsehfilm mit seinen Nebenfiguren vergoldete. Seit er „Tatort“-Kommissar ist, hat sich alles geändert. Oder?

          Wen triffst du?“
          „Martin Brambach.“
          „Wen?“
          „Na, den Schauspieler.“
          „Kenne ich nicht.“
          „Doch, den kennst du, garantiert.“
          „Nee, noch nie gehört.“

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fotoprobe auf dem Smartphone: Martin Brambach in Anzug und Krawatte, im Trenchcoat, in Wehrmachtsuniform, Brambach mit wenig Haaren, mit langen Haaren, mit Lockenperücke. Brambach spöttisch lächelnd, wütend, weinend. Brambach nackt. Brambach, der Spießer, der Soldat, der Kommissar, der FKKler, der Richter, der Vater.

          „Ach der, ja klar kenne ich den!“

          Recklinghausen, ein verregneter Vormittag. Martin Brambach erscheint mit leicht zerknittertem Baumwollhemd im Café in der Innenstadt. Der Schauspieler wohnt mit seiner Patchworkfamilie in der Arbeiterstadt mitten im Pott. Schon das unterscheidet ihn von vielen Kollegen, die in Berlin leben, in Berliner Szenekneipen rumhängen, auf Berliner Partys gehen, mit ihren Kindern in Berliner Parks spielen, ihren Kaffee in Berliner Szenecafés trinken und Interviews in Berliner Hotelsuiten geben. Brambach reichen 111 000 Einwohner, ein schmuckes Rathaus, eine Altstadt und kleine Geschäfte, um glücklich zu sein. „Ick merke, dass es mich nicht mehr in Großstädte zieht“, sagt er fröhlich. Er weiß, wovon er spricht, denn er lebte schon in Berlin, als viele der Berliner Schauspieler von heute noch nicht mal geboren waren.

          Der heimliche Star des deutschen Fernsehens

          Brambach, der Mann aus der zweiten Reihe. Zu seiner Filmographie der vergangenen 15 Jahre gehören sechs „Tatorte“, drei „Polizeirufe“, vier „Alarm für Cobra 11“, dazu zahlreiche Auftritte in Vorabendserien wie „SK Kölsch“, „Soko Wismar“ oder „Notruf Hafenkante“. Brambach weiß, wie es ist, in einer Woche an drei verschiedenen Drehorten zu sein, im Hotel abends noch schnell die Rolle durchzugehen, den Anschluss zu üben, um am nächsten Tag ans andere Ende von Deutschland zu reisen und sich in die nächste Figur reinzudenken. Er kennt die Maloche am Set, und dass er jetzt, mit 49 Jahren, so etwas wie ein heimlicher Star des deutschen Fernsehens ist, hat er vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er jeder noch so kleinen Rolle ein unverwechselbares, geniales, komisches, mitunter teuflisches Gesicht gibt.

          Das Interview absolviert er mit ähnlicher Intensität. Kein Warm-up, erste Frage, ausführliche Antwort, er ist sofort drin, redet laut, gestikuliert, parodiert, sinniert. Ab und an, wenn er selbst oder sein Gegenüber einen Witz macht, zieht sich sein Gesicht zusammen, die Augen werden schmal, die Brauen wölben sich nach oben, und es bricht ein tiefes, schallendes Lachen aus ihm heraus, so dass die Leute an den Nachbartischen sich umdrehen. Ein Lachen, das ansteckt.

          Vom Sachsen zum Berliner

          Brambach kommt aus einer künstlerischen Familie, seine Mutter war Bühnenbildnerin in der DDR, sein Vater Regisseur. Die Familie lebte zunächst in Dresden. Er spricht von einer „tollen Kindheit“. Aufgewachsen ist er in einem Stadtteil, der eher ländlich ist, worauf er seine Abneigung gegen große Städte zurückführt. Auch als die Familie, Martin ist sechs Jahre alt, nach Berlin zieht, nach Prenzlauer Berg, hält die Idylle. Er spricht Sächsisch, und weil ihn die Kinder hänseln, bimst er sich Berlinerisch in kürzester Zeit ein, das mit vielen „oochs“ und „jut“ seine Sprache bis heute prägt und ein Baustein für manch komödiantischen Fernsehauftritt ist.

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