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Schauspieler Martin Brambach : Wer is’ denn det?

„Der Prenzlauer Berg war ja ein Arbeiterviertel. Damals redete jeder Dialekt, richtig starken Dialekt, das war nicht nur ein bisschen Lokalkolorit“, erklärt er. Als Sechsjähriger wollte er Sowjetsoldat werden. „Natürlich wurden die Kinder ideologisch beeinflusst. Meine Mutter erzählt mir heute noch davon, wie sie mich mal aus dem Kindergarten abholte und die Erzieherin sagte: ,Der Martin war heute brav, der durfte mit den Panzern spielen.‘“

Mit zwölf wurde das ersten Familiengeheimnis gelüftet

Zur ersten Erschütterung in seiner kleinen heilen Kiez-Welt, in der beide Eltern am Theater arbeiteten und man abends mit den Nachbarn beim Bier zusammensaß, kam es, als er mit zwölf Jahren entdeckte, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist; die Eltern hatten es ihm verheimlicht. Der Mann, bei dem er aufwuchs, hatte einen leiblichen Sohn aus erster Ehe, den Brambach erst später kennenlernen sollte – Jan Josef Liefers, heute Schauspieler wie er. Liefers lebte mit seiner Mutter in Dresden und besuchte seinen Vater in Berlin, ohne von der neuen Familie zu wissen. „Wenn ich in Berlin mit meiner Mutter zum Zeltplatz rauskam, wurde Jan wieder in den Zug nach Dresden gesetzt“, erzählt Brambach.

Brambach besorgt: als Vater in „Das Leben danach“.
Brambach besorgt: als Vater in „Das Leben danach“. : Bild: WDR/Alexander Fischerkoesen

Aus der Bahn warf ihn das gelüftete Familiengeheimnis nicht. Er hat Verständnis für die Entscheidung seiner Eltern und betont, dass sein erziehender Vater ihn bis heute geprägt habe. Auch die nächste Zäsur in seinem Leben überstand er wacker, als seine Mutter, die als Bühnenbildnerin an der Volksbühne gelegentlich zu Gastspielen in den Westen reiste, ankündigte, beim nächsten Westbesuch nicht mehr zurückkommen zu wollen. Nicht aus politischen Gründen – sie hatte einen anderen Mann kennengelernt. Brambach folgte ihr ein Jahr später, da war er 17 Jahre alt. Und sein zweites Leben begann.

Mit der S-Bahn in den Westen

Zigarettenpause. Selbst einen leidenschaftlichen Menschen wie Brambach scheint die Tour de Force durch sein Leben zu schlauchen. Er steht vor dem Café, es regnet dünne Fäden, zwischen zwei Zügen erzählt er, wie Berlin sich in den letzten Jahren verändert habe. Früher hätten die Busfahrer bissige Witze gemacht, heute seien sie nur noch aggressiv. Sein Gesicht bekommt kurzzeitig die Züge eines Terriers, während er einen Fahrer imitiert, der seine Fahrgäste anschnauzt.

Brambach verließ sein Berlin 1984. Er stieg am Tränenpalast in die S-Bahn und am Bahnhof Zoo wieder aus. Das, was er vom Westen kannte, war vor allem das Werbefernsehen. „Ich dachte ganz lange, das sei so im Westen: Da gibt es ständig Fanta, alle kauen coole Kaugummis und rauchen Zigaretten.“ Ein wirklicher Schock waren die riesigen Leuchtreklamen und die fünfzig Mercedes-Taxis vor dem Eingang vom Bahnhof Zoo. „Da bin ich fast umgekippt.“

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