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Internationaler Tag des Kusses : Küssen kann so gesund sein

Lebensverlängernd: Ein Paar küsst sich im Frühjahr 2020, zu Beginn der Pandemie, in Hamburg Altona. Bild: Jens Gyarmaty

Fast jeder tut es. Und das ist auch gut so. Denn es verlängert angeblich sogar unser Leben. Allein der Austausch von Bakterien erhöht die körpereigenen Abwehrkräfte.

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          Schon vor 30 Jahren sangen Die Prinzen „Küssen verboten“. Ein Albtraum, diese feuchten Lippen, egal ob nach Käsebrötchen oder von Tobias: „Ich sah große feuchte Lippen / Und ich konnte nur noch schreien / Küssen verboten (Küssen verboten) / Küssen verboten (streng verboten).“ Als das Lied der Leipziger Band herauskam, hatte sich Gott sei Dank schon herumgesprochen, dass man sich beim Küssen nicht mit dem HI-Virus anstecken kann. Und es war auch noch lange vor der Zeit, als plötzlich alle Welt einen Mund-Nasen-Schutz trug und beinahe jeder auch jeden körperlichen Kontakt vermied. Dabei kann Küssen nicht nur eine durchaus angenehme menschliche Angewohnheit sein, es ist auch pumperlgesund. Sonst wär’ die Spezies Mensch wohl längst schon ausgestorben, so oft wie sich feuchte Lippen alltäglich und – Gott sei Dank – nicht nur zum Internationalen Tag des Kusses an diesem Mittwoch treffen.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Warum wir überhaupt küssen, ist selbst unseren auf dem oralen Gebiet bewanderten Wissenschaftlern ein Rätsel. Offenbar ist es nicht allein darauf zurückzuführen, dass manche Muttertiere ihre Jungen in der Natur von Mund zu Mund oder auch Schnabel zu Schnabel füttern. Allerdings küssen sich Tiere auch einfach mal so, Schimpansen zum Beispiel. Oder der Küssende Gurami, ein ziemlich großer, in Südostasien weit verbreiteter Süßwasserfisch.

          15 Küsse für ein Glas Wein

          Amerikanische Forscher von den Universitäten in Indiana und Nevada haben 2016 herausgefunden, dass nicht etwa eine Mehrheit auf der Welt gerne küsst, viele Völker finden den Kontakt von Lippen sogar „eklig“. Daher lautet die Theorie des Autors der Studie, William Jankowiak: Mit dem Küssen angefangen haben zuerst die, die es sich leisten konnten, bevor es die breite Masse den – aus welchem Grund auch immer – privilegierteren Schichten dann einfach nachgemacht hat.

          Trotz aller erdenklichen Vorbehalte, Mutter Natur hat es nun einmal so eingerichtet, dass Küssen gut für uns ist: Weil wir Keime austauschen, die die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisieren und damit, wie nach einer Impfung, unser Immunsystem stärken; weil es den Blutdruck steigen lässt und den Puls in die Höhe treibt, was beides gut bei hohem Blutdruck ist; weil es Stresshormone abbaut; weil wir 30 Gesichtsmuskeln anspannen, was gut für den Teint ist und auch vor (am Ende nicht allen) Falten schützt; weil es Dopamin, Serotonin und Oxytocin, also Glückshormone freisetzt; weil es allgemein unser Selbstwertgefühl steigert, denn jeder wird ja dann doch nicht einfach so geküsst; und weil ein intensiver Kuss bis zu 15 Kalorien verbrennt, so dass ein Glas Wein schon durch 15 Küsse wieder wettgemacht wäre.

          Geschätzte 100.000 Küsse im Leben

          Wenn man wiederum auf der Website des Berliner Robert-Koch-Instituts vorbeischaut, wird mancher doch wieder ins ­Grübeln kommen. Alle möglichen Geschlechtskrankheiten können auch oral übertragen werden, Gonorrhö zum Beispiel, umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet, und Syphilis. Und natürlich auch zwei der uns zuletzt eher sehr beschäftigenden Virus­erkrankungen: Corona (beim Austausch respiratorischer virusbelasteter Sekrete) und Affenpocken – was beides aber keine Geschlechts­krankheiten im engeren Sinn sind. Auch vor den gefährlichen Krankenhauskeimen, den Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen, kurz MRSA, ist man beim Küssen nicht gefeit, wenn der andere sie im Mund hat. Doch deswegen ganz aufs Küssen verzichten? Lieber ein gesundes Maß Vorsicht walten lassen!

          Zum Schluss noch ein paar Funfacts: Neun von zehn Frauen küssen bevorzugt mit geschlossenen Augen, nur die Hälfte der Männer tut es ihnen dabei gleich. Die meisten Frauen wie Männer neigen ihren Kopf nach rechts, wenn sie küssen. Heute küssen sich Mann und Frau – und bestimmt auch Mann und Mann und Frau und Frau – angeblich im Schnitt etwa zwölf Sekunden lang, in den Achtzigerjahren waren es nur knapp 5,5. Der Mensch kommt in seinem langen Menschenleben auf geschätzte 100.000 Küsse. Wer noch viel mehr küsst, lebt sogar bis zu fünf Jahre länger, haben Wissenschaftler herausgefunden, wahrscheinlich waren es auch wieder Amerikaner. Vorsicht ist allerdings in den Bundesstaaten Michigan und Connecticut geboten: Dort darf nicht mal ein Ehemann seine Ehefrau an einem Sonntag küssen, dem Tag des Herrn. Dabei wär’s ihm im Zweifel wahrscheinlich sogar herzlich egal.

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