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Tabak-Atlas 2022 : Zahl der Raucher wächst, wenn auch nicht in Europa

Fast fünf Billionen Zigaretten werden jährlich geraucht. Bild: dpa

Vor allem Jugendliche in unterentwickelten Ländern greifen zu Tabak. Forscher der Universität Chicago gehen von 8,7 Millionen Tote im Jahr nur durchs Rauchen aus.

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          Rund 1,14 Milliarden Menschen auf der Welt sind ­Raucher, 940 Millionen davon Männer, 195 Millionen Frauen. Zudem verwenden etwa 200 Millionen weitere Menschen Tabak auch in anderer Form, etwa als Kautabak. Fast fünf Billionen Zigaretten werden jährlich geraucht. 8,7 Millionen Menschen starben 2019 durch das Rauchen, rund 6,5 Millionen Männer und knapp 2,2 Millionen Frauen. Der Schaden für die Weltwirtschaft liegt bei zwei Billionen Dollar. Dies sind die wichtigsten neuen Daten des siebten Tabak-Atlasses, den die Universität von Illinois in Chicago am Mittwoch vorgelegt hat. „Erstmals ist der Anteil der Raucher gesunken“, sagte der Wissenschaftler Jeffrey Drope bei der Vorstellung des Berichts in Chicago. „Von 22,6 Prozent im Jahr 2007 auf 19,6 Prozent im Jahr 2019.“ Da die Bevölkerungszahl aber insgesamt steigt, gibt es stetig mehr Raucher auf der Welt.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Mehr als 500 Millionen Raucher leben in nur drei Ländern: China, Indien und Indonesien. Nur in einigen wenigen Ländern raucht jeder dritte Einwohner (Papua-Neuguinea, Serbien, Jordanien), in Frankreich liegt der Anteil der Raucher im Alter von 15 Jahren an noch bei 28, in China bei 23, in Italien bei 20 und in Deutschland bei 18 Prozent. Noch weniger Raucher gibt es in den Vereinigten Staaten (14 Prozent), in Australien (zwölf), Norwegen (zehn) und Schweden (neun) sowie Indien (sieben). In Peru und Kolumbien liegt der Anteil sogar nur bei sechs und fünf Prozent.

          Steuererhöhungen könnten 27 Millionen Leben retten

          Der Erfolg, dass anteilsmäßig immer weniger Menschen auf der Welt rauchen, werde vor allem zunichtegemacht durch die wachsende Zahl von minderjährigen Rauchern im Alter von 13 bis 15 Jahren. Ihre Zahl stieg in 63 der 135 Länder, aus denen den Forschern Zahlen vorliegen. Mehr als 50 Millionen Jugendliche rauchen Zigaretten oder greifen zu Tabakprodukten, vor allem in weniger entwickelten Ländern. In Haiti und Mauretanien rauchen laut Tabak-Atlas mehr 13 bis 15 Jahre alte Mädchen als erwachsene Frauen.

          Ein weiteres Negativbeispiel sind junge schwarze Amerikaner, die seit Jahrzehnten massiv von der Branche mit Menthol-Zigaretten umworben wurden. Mit dem Ergebnis, dass in den Vereinigten Staaten mehr als 85 Prozent von ihnen im Alter von zwölf Jahren an rauchen im Vergleich zu nur 29 Prozent der gleichaltrigen weißen Jugendlichen. Tabak sei unter Schwarzen in Amerika eine der Haupttodesursachen mit rund 45.000 Todesfällen jedes Jahr.

          Die Wissenschaftler vom Chicagoer Tobacconomics-Team um Direktor Frank J. Chaloupka und Jeffrey Drope fordern mit der Gesundheitsorganisation Vital Strategies unter anderem massive Steuer­erhöhungen auf Tabak. Eine Anhebung um 50 Prozent könnte in den nächsten 50 Jahren 27 Millionen Leben retten, schreiben sie. Zudem würden die Staaten zusätzlich drei Billionen Dollar an Steuern ein­nehmen. Auch sollten verpflichtend auf Zigarettenpackungen Bilder gezeigt werden, die drastisch die Folgen des Rauchens vor Augen führen. Die abschreckende Wirkung ist belegt: Bei einer Studie in Kenia etwa gaben 30 bis 40 Prozent der Raucher an, dass die Bilder sie eher zum Aufhören brächten als nur einfache Warnhinweise.

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