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Opfer von Großbrand in London : „Das Feuer ist jetzt hier – macht es gut“

  • -Aktualisiert am

Online-Petition für die Familie von Mohammed

Mittlerweile haben Freunde der Brüder eine Online-Petition gestartet, die sich unter anderem an das britische Innenministerium richtet. Darin beschreiben sie auch, wie Mohammed Al-haj Ali aus dem Hochhaus seinen Freund in Syrien erreicht hatte. Ihr Appell ist jetzt: Die syrische Familie, die noch immer in ihrem Heimatland gefangen ist, soll ein Visum für Großbritannien erhalten, damit sie an Mohammeds Beerdigung teilnehmen und den verletzten Omar im Krankenhaus besuchen kann. Die Familie sah die beiden Brüder zuletzt vor fünf Jahren. Die Petition haben bereits über 8.000 Unterstützer unterzeichnet.

An dem Brandschutz in Großbritannien übte Mirna Suleiman scharfe Kritik: „Wir in Großbritannien sind auf solche katastrophalen Ereignisse nicht vorbereitet. Wir denken, so etwas könnte uns nie passieren.“ Sie fügt hinzu: „Wir sind gut darin, eine Menge Regeln zu erlassen und kassieren hohe Verwaltungsgebühren und Wohnsteuer ab. Aber wir versagen dabei, uns für den Ernstfall vorzubereiten.“

Tatsächlich scheint der nachlässige Umgang mit dem Brandschutz in Großbritannien nicht selten zu sein.Der Brandschutzfachmann Sam Webb beklagte im „Guardian“, dass sich hunderte Wohnhochhäuser im Land in ähnlich miserablen Zustand wie der Grenfell Tower in London befänden. „Noch immer verkleiden wir Nachkriegshochhäuser mit hoch brennbaren Materialien, verzichten auf Sprinkleranlagen und wundern uns dann, wenn die Gebäude brennen.“

Hochhaus-Brand in London : Polizei rechnet nicht mehr mit Überlebenden

Die Grenfell-Mieterinitiative teilte mit, man habe wegen der schlechten Sicherheitsstandards in dem Hochhaus und andernorts im Bezirk in den vergangenen Jahren häufig gewarnt. Die Stadträtin Judith Blakeman sagte, sie sei von der Hausverwaltung stets abgewiesen worden, wenn sie die Beschwerden der Anwohner vorbrachte – insgesamt neunzehnmal.

Besserer Brandschutz hätte nur 5000 Pfund mehr gekostet

Der Chef der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, sagte laut dem britischen Guardian nach einem Besuch am Hochhaus: „Die Anwohner sind sehr wütend, dass nicht gehandelt wurde, nachdem sie ihre Bedenken geäußert hatten.“ Ende vergangenen Jahres warnte ein Anwohner abermals in einem Blog vor einer drohenden Katastrophe, ein beklemmender Post, der sich im Nachhinein liest wie eine düstere Vorahnung: „Es ist ein schrecklicher Gedanke, aber wahrscheinlich wird nur eine Katastrophe die Unfähigkeit unseres Vermieters entlarven.“ 

Experten sind sich sicher, dass die Fassadendämmung entscheidend dazu beigetragen hat, dass sich der Brand so schnell ausbreitete. Und es hätte offenbar nur 5000 Pfund (etwa 5800 Euro) gekostet, einen schwerer entflammbaren Stoff für die Verkleidung zu nutzen, das sagte ein Mitarbeiter der amerikanischen Hersteller-Firma der „Times".

Ein weiterer Bekannter von Omar und Mohammed Al-haj Ali fordert deswegen im „Telegraph“ eine umfassende Untersuchung der Brandkatastrophe. „Es ist unfassbar, dass er an einem Ort starb, an dem er sich sicher fühlte. Es fühlt sich an, als hätten wir Briten ihn fallen gelassen. Er flüchtete vor einer Regierung, die Jagd auf ihre Bürger macht und kommt in ein Land, in dem die Regierung Gebäudesicherheit vernachlässigt – wann werden sich alle Politiker endlich um ihre Bürger kümmern?“

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