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Sportlerinnen aus Syrien : Frei geschwommen

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Als die Geschichte der Schwestern bekannt wurde, schrieb Erik Gerhardsson, ein Freiwilliger, der für die griechische Hilfsorganisation Emergency Response Center International (ERCI) arbeitet, Sara über Facebook eine Nachricht. Die Flüchtlingskinder auf Lesbos sprächen von den Mädchen, die übers Meer geschwommen sind, wie von Idolen. "Ich komme", antwortete Sara. Sie plante, am 18. August, dem Jahrestag ihrer eigenen Ankunft, nach Lesbos zu reisen, aber genau zu dieser Zeit war sie mit Yusra bei den Olympischen Spielen. Gleich danach flog sie nach Lesbos. "Ich musste wahnsinnig weinen. Es war so seltsam, ein Jahr, nachdem ich mit dem Boot an die Küste geschwommen war, mit dem Flugzeug anzukommen. Und dann habe ich die Boote im Meer gesehen, nur von der anderen Seite, und es kam alles wieder hoch." Sara blieb als freiwillige Rettungsschwimmerin für das ERCI, um das Leben anderer Flüchtlinge zu retten.

Sie ist emotionaler als ihre Schwester, aber als Rettungsschwimmerin musste sie lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren. "Auf Lesbos zu sein ist wirklich schwer, das Wasser ist eine ständige Erinnerung an die Nacht, in der wir über das Meer geschwommen sind. Aber mein Teamleiter und meine Freunde bei ERCI haben mir beigebracht, wachsam zu sein und immer Ausschau nach dem nächsten Boot zu halten." Nach vorne schauen, in die Zukunft, das ist Saras Credo geworden.

Sie hilft nicht nur, wenn Boote in Seenot geraten. In den Camps spricht sie auch mit Kindern und Jugendlichen. Vor allem für die Mädchen sind sie und ihre Schwester Vorbilder. "Einer der Gründe, warum so wenig über weibliche Flüchtlinge gesprochen wird, ist, dass sie oft selbst einfach nicht sprechen", sagt Yusra. "In Syrien sind es oft die Brüder und Väter, die für sie sprechen."

Bei der UN gehe es oft steif und realitätsfremd zu

Sara erklärt es so: "Im Mittleren Osten steht der Mann im Vordergrund. Manchmal wissen Frauen gar nicht, dass sie eine eigene Stimme haben können. Auch das zeigen wir. Ich habe mich in Syrien oft eingeengt gefühlt. Wenn ich in den Flüchtlingscamps bin, zeige ich den Kindern, dass ich zu ihnen gehöre, dass ich ein Flüchtling aus Syrien bin, und dass ich eine Frau bin, die arbeitet und redet. Das ist meine Art, Dinge zu ändern."

Auch Sara unterstützt mittlerweile die Flüchtlingsarbeit der Vereinten Nationen. "Aber als ich von der letzten Reise in die Vereinigten Staaten nach Lesbos zurückkam, hat sich etwas verändert. Weil ich reisen kann und diese Freiheiten habe, denken viele Flüchtlinge, dass ich nicht mehr zu ihnen gehöre. Sie fragen mich, wer ich denn sei, ihnen etwas zu sagen. Das ist die Schattenseite der Bekanntheit."

Yusra sagt, bei den Vereinten Nationen gehe es oft steif und realitätsfremd zu. "Die Camps verändern sich komplett, wenn die UN zu Besuch kommt. Aber genau das darf nicht passieren. Sie sollen doch sehen, wie es wirklich ist. Und sie sollen die Flüchtlinge einfach selbst sprechen lassen. Menschen interessieren sich nicht für Zahlen und Fakten, sondern für andere Menschen." Als UN-Sonderbotschafterin will sie das so handhaben, wenn sie bald Flüchtlingscamps besucht. "Das Camp Moria auf Lesbos ist das schlimmste Flüchtlingscamp in Griechenland", sagt Sara. "Da dürfen wir Freiwillige nicht mal hin, weil es zu gefährlich ist, weil dort Menschen sterben. Das ist wie ein Dschungel. Aber als Angelina Jolie zu Besuch kam, haben sie es in ein Paradies verwandelt."

Sara beginnt im September am Berliner Bard College mit einem Stipendium, Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu studieren. Yusra trainiert weiter. Sie spricht mittlerweile etwas Deutsch, hat Freunde in der Schule und im Verein gefunden. Von Berlin hat sie bisher wenig gesehen, aber das soll sich in Zukunft ändern.

Mit den anderen Flüchtlingen aus dem Boot sind Yusra und Sara weiter in Kontakt. Sie sind den ganzen Weg von der Türkei nach Deutschland, manche bis nach Schweden, gemeinsam gegangen. Ihre Erlebnisse verbinden sie noch immer.

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