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Suzanne Vega : Die spröde Sängerin

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Damals, in den Siebzigern, war die West End Avenue - die auf die damals gerade errichteten Zwillingstürme des World Trade Center zuführte - eine Hauptstraße der Jugend New Yorks, der amerikanischen Jugend schlechthin, wie Suzanne Vega den Graffiti-Künstler behaupten lässt. Dort versammelten sich die Kids in den Abendstunden, "wie minderjährige Cops, die auf Rhythmus sind", und sprachen darüber, wie das Leben werden könnte.

Suzanne Vega war damals nicht dabei. Ihr Stiefvater, ein Schriftsteller aus Puerto Rico, hatte ihr den Umgang mit Straßenkindern verboten. Ihre Jugendjahre verbrachten Suzanne Vega und ihre drei Geschwister fast ausschließlich in der Wohnung der Eltern. Dort lasen sie Bücher, spielten Theater und machten Musik.

„Nichts im Leben ist ohne Bedeutung.“

Die erste Gitarre bekam Suzanne Vega mit elf Jahren. Als Vierzehnjährige schrieb sie ihre ersten Lieder, die sie mit sechzehn erstmals öffentlich vortrug. Ihr Repertoire reichte für eine Dreiviertelstunde und bestand neben Selbstkomponiertem aus Songs von Leonard Cohen, dem Idol dieser Jahre. Kurz darauf übernahm sie einen Ferienjob als Gesangs- und Tanzlehrerin für Kinder, doch ihr Unterricht stieß auf wenig Begeisterung, da sie die Kleinen ausschließlich mit Cohen-Songs und eigenen Liedern traktierte. Immerhin lernte sie bei dieser Gelegenheit ihre erste Liebe kennen. Davon blieben zwei Lieder, die sie heute noch auf der Bühne singt: "Gypsy" und "In Liverpool" - der Junge kam aus der Beatles-Stadt.

Gleich mit den ersten beiden Alben kam Mitte der achtziger Jahre der Erfolg. Suzanne Vega wurde als Autorin sperriger Hits gefeiert, melancholischer Melodien, die sie mit eigenartig ausdrucksloser Stimme vortrug, als personifiziertes Folk-Fräuleinwunder und als Anführerin einer neuen Weiblichkeit im Rock: feminin, intellektuell, spröde. Bei diesem Bild ist es geblieben. Ihre Musik allerdings kam nicht mehr hinterher. Platten veröffentlichte sie in immer größeren Abständen.

Das vorletzte Album, "Songs in Red and Grey", erschien unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Ein Zufall, gewiss. Doch ihr Blick auf den Kosmos lässt keine Unwägbarkeiten gelten. Nichts im Leben sei ohne Bedeutung, sagt sie, man müsse nur Zeit finden, die Bestimmungen zu erkennen. Sie selbst kenne keine Eile.

Was sie denkt und tut, kann man in ihren Songs hören

Sie fühle, denke und handele in Kreisen, sagt sie, und das gilt auch für ihre Musik. Während der Erfolg ihres A-cappella-Songs über "Tom's Diner" in der 1990 entstandenen Disco-Version des englischen DJ-Duos "DNA" sie selbst zu einigermaßen erfolglosen Ausflügen in den Elektro-Pop stimulierte, vollzogen die roten und grauen Lieder des gleichnamigen Albums Jahre später eine Rückwärtsbewegung zu ihren Anfängen. Die Kritiken jedenfalls bescheinigten ihr, den Weg zurück nach Hause gefunden zu haben. Dabei sei sie doch nie weg gewesen, sagt sie, allenfalls zwischenzeitig mit anderem beschäftigt. Dem Leben zum Beispiel.

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