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Susanne Klatten : Der Fall der Muster-Erbin

  • -Aktualisiert am

Susanne Klatten: Mut und sogar Nerven beweiesen Bild: ddp

7,5 Millionen Euro für den Gigolo: Die scheue Milliardärin Susanne Klatten wurde erpresst. Der Typ für Affären aber war sie nie, und die Rolle des Opfers liegt ihr ebenso fern. Ihr einstiger Liebhaber, der Schweizer Helg Sgarbi, hat indes eine umfassende Aussage vor Gericht angekündigt.

          Als „Ort der Sinne und der Ruhe“ inmitten der Tiroler Bergwelt empfiehlt sich der „Lanserhof“. In dem österreichischen Sanatorium kehren gern Prominente ein, ob Roman Abramowitsch oder Thomas Gottschalk, um den Körper zu entgiften. Mit Tee, Saft und Glaubersalz sitzen die Gäste halbe Tage lang im Bademantel auf dem breiten Ledersofa beieinander und genießen den Blick auf die Gipfel ringsum. Ist abends der Vortrag über „vitalenergetische Perspektiven“ und ähnliche Lebenshilfe-Themen verdaut, träumt man noch ein wenig am Kaminfeuer, um sich spätestens gegen 21 Uhr aufs Zimmer zurückzuziehen. Zur sinnenfrohen Kontaktbörse taugt der Lanserhof wahrlich nicht. Auch Susanne Klatten wollte im Sommer 2007 nur ein paar Tage ausspannen, schlafen, lesen, sich massieren lassen.

          Doch ausgerechnet in diesem entschlackten Ambiente begegnet die pflichtbewusste Münchner Unternehmerin dem 41 Jahre alten Schweizer Übersetzer Helg Sgarbi, 1,85 Meter groß, gutaussehend, sprachgewandt. Sie fängt Feuer, er verwöhnt sie wenig später im Schwabinger Hotel „Holiday Inn“. Zunächst eine Affäre wie tausend andere. Bis der Jurist und frühere Angestellte der Schweizerischen Kreditanstalt ihr die larmoyante Mär präsentiert, er werde von der Mafia bedroht - wegen eines Verkehrsunfalls in Amerika, bei dem ein Kind zu Tode gekommen sei. Sie glaubt ihm und hilft. Im November 2007 werden 7,5 Millionen Euro in der Tiefgarage des „Holiday Inn“ übergeben.

          Millionen Euro für kompromittierende Aufnahmen

          Als die Affäre bereits beendet ist, verbirgt Helg Sgarbi seine kriminelle Energie nicht länger und fordert von der Milliardärin 14 Millionen Euro für kompromittierende Aufnahmen, die sein Kumpan, der italienische Hotelier und angebliche Sektenguru Ernano Barretta, von den Treffen des Paares gemacht hat.

          Besonderes Kennzeichen: „Total normal” - im September 2007 ausgezeichnet mit dem Bayerischen Verdienstorden

          Die Erpresste bekommt Angst - und beweist Mut, sogar Nerven: Sie zeigt den Gigolo an. „Frau Klatten hat sich dazu entschieden, weil sie erkannte, dass die Beziehung zu Herrn S. einen ausschließlich kriminellen Hintergrund hatte. Das Ziel war von Anfang an, sie zu betrügen und Geld zu erpressen“, teilt ihr Sprecher Jörg Appelhans mit, als der Fall vor einer Woche publik wird. Und zwar nicht etwa, weil die Münchner Ermittler geplaudert hätten. Vielmehr ist es der Anwalt von Ernano Barretta, der scheibchenweise Informationen und angeblich sogar Fotos für 25.000 Euro anbietet. Sgarbi und Barretta sind mittlerweile verhaftet, der Schweizer sitzt im Untersuchungsgefängnis München-Stadelheim. „Noch in diesem Jahr“, sagt Anton Winkler, Sprecher der Staatsanwaltschaft, „wird Anklage gegen ihn erhoben werden wegen Betrugs und Erpressung.“

          Sgarbi kündigte nun gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ eine umfassende Aussage vor Gericht an und bedauerte, dass „es zu einer öffentlichen Debatte gekommen ist, bei der sowohl die Namen sogenannter Opfer wie auch von Menschen aus meinem familiären und persönlichen Umfeld auftauchen, die einer angeblichen Komplizenschaft bezichtigt werden“. Nach der versteckten Beute wird auf Barrettas Anwesen, der Hotelanlage Valle Grande in der Nähe von Pescara, noch gesucht. 1,6 Millionen Euro sind bereits aufgetaucht.

          „Deutschlands reichste Frau - total normal“

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