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Susan Butcher gestorben : Der Geist des Nie-Aufgebens

Susan Butcher starb im Alter von 51 Jahren Bild: AP

Susan Butcher war die einzige Frau, die das Iditarod-Hundeschlittenrennen in Alaska dreimal in Folge gewann. Sie dominierte eine Welt voller hemdsärmeliger Abenteurertypen. Nur den tödlichen Krebs konnte sie nicht besiegen.

          2 Min.

          Zehn Tage Eisstürme, Temperaturen bis minus 60 Grad, Nächte mit zwei, drei Stunden Schlaf, physische Erschöpfung. Und immer die Gewißheit, im Ernstfall auf sich allein gestellt zu sein. Das Iditarod-Hundeschlittenrennen in Alaska verlangt von denen, die es allein nur durchstehen wollen, viel Leidensfähigkeit. Gut 1800 Kilometer geht es mitten im Winter mit einem Hundegespann von Anchorage nach Nome, an die Küste der Beringsee, quer durch das menschenleere Landesinnere Alaskas. Über verschneite Gebirgszüge und zugefrorene Flüsse, durch dichte Wälder und entlang der windgepeitschten Küste.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Susan Butcher hat dieses Rennen immer fasziniert. Aufgewachsen in Massachusetts im Osten der Vereinigten Staaten, kam sie 1975 nach Alaska, um dort an ihrem großen Ziel zu arbeiten: einmal das Iditarod gewinnen. Sie zog sich in die Abgeschiedenheit der Wildnis nördlich von Fairbanks zurück und begann, Schlittenhunde zu züchten und zu trainieren. Mit Joe Redington, dem Begründer des Iditarod-Rennens, führte sie 1979 das erste Schlittenhundegespann auf den Gipfel des Denali (6194 Meter), den höchsten Berg Nordamerikas. Nach einigen Lehrjahren galt sie im Rennen 1985 zum ersten Mal als Favoritin. Doch unterwegs tötete ein Elch mehrere ihrer Hunde, sie mußte aufgeben - das einzige Mal in ihrer Laufbahn. Im nächsten Jahr kam sie zurück und gewann. In Rekordzeit. Als zweite Frau überhaupt. Sie wiederholte ihren Sieg 1987 und 1988, war 1989 Zweite und 1990 wieder Erste. Es war die beeindruckendste Serie in der Geschichte des Rennens. Bis heute ist sie die einzige Frau, die das Iditarod dreimal in Folge gewann.

          T-Shirts mit der Aufschrift „Rettet die Männer!“

          Susan Butcher dominierte damals eine Welt, die zuvor geprägt war von maskulinen, hemdsärmeligen Abenteurertypen. Im Pionierstaat Alaska war das für den ein oder anderen Alteingesessenen ein harter Schlag. Bald entstanden T-Shirts mit der Aufschrift „Rettet die Männer!“, und der Slogan von Alaska als dem Land, in dem die Männer noch Männer sind und die Frauen das Iditarod gewinnen, wurde dank Susan Butcher im ganzen Land populär.

          Im Wettkampf-Outfit wirkt sie schon männlicher

          Doch sie dominierte auch auf eine Art und Weise, die ihr Bewunderung und Respekt verschaffte - in Alaska, in den Vereinigten Staaten, vor allem aber bei denen, die sie aus nächster Nähe erlebten, bei Konkurrenten und Kollegen. Rivalen wie Joe Runyan, der mit seinem Sieg 1989 ihren vierten Erfolg in Serie verhindert hatte, schätzten sie, weil sie eher als andere bereit war, Tips über die Arbeit und das Training mit den Hunden weiterzugeben. Ihre Willenskraft, ihr besonderes Geschick im Umgang mit den Hunden, ihre außergewöhnliche Entschlossenheit und ihr Geist des Nie-Aufgebens, all das machte sie zu einer uramerikanischen Idealfigur, zur Verkörperung der Idee, daß alles machbar und alles möglich ist.

          Chemotherapien und eine Knochenmarktransplantation

          Im Dezember 2005, als sie die Teilnahme an einem kleineren Schlittenhunderennen plante, wurde bei Susan Butcher Leukämie diagnostiziert. Seit gut zehn Jahren hatte sie sich vom Rennsport zurückgezogen, eine Familie gegründet, lebte zusammen mit ihrem Mann Dave Monson und den zwei Töchtern Tekla und Chisana. Die Reaktion in der Öffentlichkeit war: Wenn es jemand schaffen kann, dann sie. „Ich war schon häufiger in scheinbar aussichtslosen Situationen“, sagte Susan Butcher, „und ich habe sie überstanden.“ Doch dieser Kampf war ein anderer. Sie erhielt Chemotherapien und eine Knochenmarktransplantation. Ihr Mann beschrieb auf ihrer Internetseite den Verlauf der Therapie, oft in schmerzhafter Offenheit.

          Für kurze Zeit sah es aus, als könne Susan Butcher tatsächlich auch die Leukämie besiegen. Im vergangenen März reiste sie, schon sehr geschwächt, noch einmal zum Iditarod, zur Kontrollstation nach Ruby, um ihre ehemaligen Konkurrenten zu sehen und die vielen Einheimischen, die sie im Lauf ihrer Jahre als Teilnehmerin und Kommentatorin kennengelernt hatte. Dann, vor einer Woche, stellte sich bei einer Routineuntersuchung heraus: Die Krankheit war zurückgekommen. Susan Butcher hatte die Wahl, zu Hause zu sterben oder eine weitere Chemotherapie auf sich zu nehmen. Sie machte weiter. Am Samstag ist Susan Butcher in einem Krankenhaus in Seattle gestorben, 51 Jahre alt.

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