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Überlebensexperte und Aktivist : Rüdiger Nehberg im Alter von 84 Jahren gestorben

Rüdiger Nehberg (Archivbild aus dem Jahr 2009) Bild: ddp

Er war Autor, Abenteurer und Menschenrechtsaktivist – und begeisterte ganze Generationen in Deutschland. Nun ist Rüdiger Nehberg im Alter von 84 Jahren gestorben.

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          Der Abenteurer, Überlebensexperte, Autor und Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg ist tot. Das wurde auf seiner offiziellen Internetseite und auf seiner Facebookseite bekanntgegeben. Dort hieß es „Rüdiger Nehberg ist tot. Wir trauern.“ Nehberg wurde demnach 84 Jahre alt. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte dessen Frau, dass er bereits am Mittwoch verstarb.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Nehberg engagierte sich seit 1980 für die Yanomami, einem indigenen Volk im brasilianischen Regenwald, deren Lebensraum etwa durch Goldsucher in Gefahr geraten war. Auch im Kampf gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien setzte er sich zusammen mit seiner Frau ein, gründete im Jahr 2000 eigens die Menschenrechtsorganisation „Target“. Zu seinem Engagement heißt es auf der Homepage Nehbergs: „Es ist die Geschichte, die mein Leben verändert hat, die meinen ursprünglich von Abenteuerlust geprägten Reisen unerwartet Sinn und meinem Leben Erfüllung gaben. Es ist die Geschichte, die jedem Leser zeigen soll, dass niemand auf dieser Welt zu gering ist, etwas, das ihn stört, zu verändern. Er braucht nichts weiter als eine Vision, die richtige Strategie, die nötige Motivation, Geduld, Bereitschaft zum Risiko und – Glück. Besonders vom Glück hatte ich mehr, als man es einem Glücksengel zumuten sollte.“

          Für seine Verdienste für bedrohte Völker, für Völkerverständigung und seine Verständigung mit dem Islam erhielt er unter anderen das Bundesverdienstkreuz im Jahr 2002. Nehberg hatte mit seinen spektakulären Aktionen als Überlebenskünstler auf dem Atlantik, im Dschungel und in der Wüste immer wieder für Aufsehen gesorgt. Die Aufmerksamkeit nutzte er, um sich für bedrohte Völker zu engagieren.

          Feuer machen – kein Problem: Rüdiger Nehberg liegt in Rausdorf (Schleswig-Holstein) in einem Wald auf seinem Privatgrundstück neben einem selbst entfachten Lagerfeuer (Bild von 2015).

          Geboren 1935 in Bielefeld zog es ihn nach eigenen Angaben schon früh in die Welt der Expeditionen. Mit drei Jahren durchkreuzte er Bielefeld, um seine Großmutter zu besuchen – und wurde acht Stunden später von der Polizei gefunden. Er machte eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor, betrieb einen Laden in Hamburg. Als junger Mann befuhr er mehrmals den Blauen Nil mit einem Floß; er wurde mit Pfeilen beschossen und von einer Felsenpython angegriffen. Seine Reisen nach Afrika und Südamerika wurden von Fotografen und Fernsehteams begleitet. In zahlreichen Büchern, die er verfasste, gibt er Ratschläge, wie man in schwierigen Situationen überleben kann: in Gefangenensituationen, bei Entführungen, bei Angriffen.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte er auf die Frage, welches sein Lieblingsbuch sei: „Lawrence von Arabien: ‘Die sieben Säulen der Weisheit‘. Weil ich auf seinen Spuren unterwegs war. In der Festung am Golf von Aqaba, wo er im Krieg gegen die Türken die Wende herbeiführte, habe ich mal im Knast gesessen. Ich hatte ein Boot gemopst, um nach Ägypten zu fahren. Ich habe da Schachspiele und Kakerlaken-Derbys veranstaltet. Die Beduinen-Wachen waren begeistert. Am Ende sagten sie: ‘Rüdiger, bleib doch noch!‘“

          Bei Facebook reagierten die Nutzer mit Trauer: „Ein wirklich großartiger Mensch ist von uns gegangen“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer: „Ein Held meiner Jugend.“ Und: „Gute letzte Reise, Rüdiger!“

          Laut der Webseite waren für dieses Jahr noch einige Veranstaltungen geplant. In wenigen Tagen erscheint zudem ein neues Buch. Es trägt den Titel „Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen“.

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