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Surfender Arzt : Der Doc und die Wellen

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Wo viele Ärzte mit ihrem üblichen Handwerkszeug an ihre Grenzen stoßen, wird es für Doc erst interessant. Doc nimmt Fälle aus allen Fachbereichen an. Das können Menschen mit unerklärlichen Symptomen sein, die von Arzt zu Arzt wandern, Menschen, die von ihren Ärzten aufgegeben worden sind, oder Menschen, die ihrer Diagnose misstrauen.

„Ich mache das, was ein Arzt für kranke Angehörige machen würde“

Einmal wendet sich eine 24-jährige Frau an Doc. Seit Jahren kann sie sich nur über eine Dünndarmsonde ernähren. Essen bereitete ihr unmenschliche Schmerzen. Ihre Ärzte hatten keine Erklärung dafür. Aber die Notlösung mit der Sonde. Doc überträgt den Fall einer Medizinstudentin in seinem ersten Kurs an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Obwohl sein Erfolg ohne Zweifel auch mit seiner Persönlichkeit, seinem Charisma, zusammenhängt, besteht Doc darauf, dass er mit einer einfachen Methode arbeitet: einem unkonventionellen Denkgerüst, viel Zeit für aufwendige Recherchen und dem Anspruch, alle Differentialdiagnosen abzuklopfen. Das bringt er auch anderen Ärzten und Medizinstudenten bei.

Schließlich haben Renneker und die Studentin eine These. Sie ist gewagt. Die Frau könnte an einer anatomischen Besonderheit leiden, die die Magendurchblutung bei Nahrungsaufnahme hemmt. Fehlt Blut, dann fehlt auch Sauerstoff, das Gewebe glaubt abzusterben. Nur wenige Menschen haben diese anatomische Besonderheit. Und nur ein Bruchteil leidet deswegen Höllenqualen. Eine Untersuchung bestätigt ihre These zunächst nicht. Doch Doc und die Studentin lassen sich nicht entmutigen. Sie stoßen auf die Publikation einer Gruppe von Chirurgen aus Chicago, die schon Patienten aus der ganzen Welt aufgrund dieser Kondition operiert haben. Doc tritt mit den Kollegen in Kontakt, fliegt die junge Frau nach Chicago, in einem kleinen Eingriff wird das Gefäß einengende Band durchtrennt. Die Arterie ist nun frei, den Magen mit Blut zu versorgen. Noch im Krankenhaus isst die junge Frau ihre erste Mahlzeit.

Doc ist kein Experte in allen Fachbereichen und gibt auch nicht vor, einer zu sein. Vielmehr beschreibt er seine Arbeit so: „Ich mache das für die Patienten, was ein Arzt für kranke Angehörige machen würde.“ Er erklärt, holt zweite, dritte, vierte Meinungen ein, fordert neue Labortests an, konsultiert Spezialisten, hakt bei Kollegen nach, übt Druck aus. Außerdem beschäftigt er einen Biologen, der für ihn die neusten Forschungsergebnisse zu jedem Fall individuell zusammenträgt. Auch die Patienten erhalten diese Hausarbeit zur eigenen Krankheit. Sie sollen verstehen. Nicht nur ihre Krankheit, sondern auch, damit sie mitreden können, obwohl sie keine Fachmänner sind. Docs Patienten sollen sehen, dass sie der Mittelpunkt des Ganzen sind, nicht ihre Diagnose oder die Therapie oder die behandelnden Ärzte. Amerikaner nennen das patient empowerment, die Ermächtigung der Patienten. Selbst hochgebildete Menschen glauben, im Gesundheitssystem einen Lotsen zu brauchen: 40 Prozent der Patienten von Mark Renneker haben einen Doktortitel oder andere akademische Grade. Einige seiner Patienten sind selbst Ärzte.

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