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Halbzeit-Show beim Super Bowl : Ein musikalisches Fiasko

On stage beim Super Bowl: Adam Levine von Maroon 5, Rapper Travis Scott und Sleepy Brown Bild: AFP

Es gibt kaum eine Show, von der Popmusiker so sehr träumen wie von der Halbzeit-Show des Super Bowl. In diesem Jahr sagten die Superstars aber ab. Also kamen Maroon 5. Und das war für niemanden besonders schön.

          Prince, der im Regen „Purple Rain“ singt. Beyoncé, die schneller als ihr Schatten tanzt. Lady Gaga, die wie eine Spinne an einem Seil durch die Luft krabbelt. Michael Jackson, der über eine Minute lang stillhält, die Aufmerksamkeit von 100 Millionen Menschen auf sich wissend. Es gibt kaum Events, die mit so vielen denkwürdigen Momenten aufwarten wie die Halbzeit-Show des Super Bowl. Und es gibt kaum eine Show, von der Popmusiker so sehr träumen. Internationales Publikum, 13 Minuten Best-of, Prestige. Nur die Größten treten schließlich beim Super Bowl auf. So war es zumindest bisher.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Ein Problem, das die Veranstalter, das die NFL bisher nicht kannten: Künstler zu finden. Das war in diesem Jahr zum ersten Mal anders. Eigentlich sollte Rihanna auftreten. Doch „Bad Gal Riri“ lehnte ab. Der Grund: ihre Solidarität mit Colin Kaepernick. Der schwarze Spieler ist seit März 2017 arbeitslos (wenn man von einer riesigen Werbekampagne der Marke Nike absieht). Er war der erste schwarze Spieler, der sich während der Nationalhymne bei NFL-Spielen hinkniete – aus Protest gegen die anhaltende Waffengewalt gegen Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten.

          Als er 2016 damit begann, waren gerade erst mehrere schwarze amerikanische Bürger von Polizisten erschossen worden. Sein Verhalten löste eine Bewegung aus, viele Spieler solidarisierten sich. Donald Trump kritisierte das Verhalten der Spieler mehrmals, forderte gar eine Bestrafung der Knienden: „Würden Sie es nicht auch lieben, einen der NFL-Verantwortlichen zu sehen – wenn jemand unsere Flagge nicht respektiert –, der sagt: ‚Holt diesen Hurensohn vom Feld! Raus! Er ist gefeuert!’“

          Leadsänger Levine: Kam verzagt daher und spuckte schiefe Töne aus

          Nicht nur Rihanna sagte „No“. Jay-Z, der in der Debütsingle von „The Carters“ darüber rappt, dass er den Super Bowl nicht brauche, soll Nein gesagt haben. Cardi B, die zusammen mit Maroon 5 eine Single herausgebracht hat, sagte sogar öffentlich Nein: Sie müsse hinter Kaepernick stehen, er sei schließlich für Minderheiten eingestanden. „Mein Mann ist ein riesiger Football-Fan, für ihn war es hart, nicht zum Super Bowl gehen zu können“, sagte sie dem „Guardian“. „Doch er muss das Opfer bringen. Ich verzichte dafür auf eine ganze Menge Geld. Aber da ist ein Mann, der seinen Job geopfert hat, also müssen wir hinter ihm stehen.“

          Also kamen Maroon 5 dran, und das war für keinen der Beteiligten besonders schön. Proteste begleiteten die Vorbereitung der Band auf die größte Show ihres Lebens – die in einem musikalischen Fiasko mündete. Begleitet wurde die Band von den Rappern Travis Scott und Big Boi (Outkast). Angeblich soll Jay-Z selbst versucht haben, Travis Scott zu überreden, nicht aufzutreten. Immer wieder forderten Prominente die Band auf, die Show nicht zu spielen. So schrieb etwa Amy Schumer auf Instagram: „Es wäre toll, wenn Maroon 5 absagen, so wie Rihanna es getan hat.“ Sie selbst habe es abgelehnt, in diesem Jahr Werbung für den Super Bowl zu machen.

          Selbst Roger Waters postete ein Video von sich und seiner knienden Band nebst einem offenen Brief, in dem er unter anderem schreibt: „Meine Kollegen Maroon 5, Travis Scott und Big Boi treten bei der Halbzeitshow des Super Bowls auf, ich fordere sie auf, sich hinzuknien! Ich fordere sie dazu auf, es in Solidarität mit Colin Kaepernick zu tun, es für jedes erschossene Kind auf diesen gemeinen Straßen zu tun, es für jede hinterbliebene Mutter, jeden Vater und Bruder und Schwester zu tun.“

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