https://www.faz.net/-gum-7w4bn

Ein Sugardaddy im Gespräch : „Ich habe eine Mentorenrolle“

  • Aktualisiert am

Sugardaddys: Es geht nicht nur ums Geld Bild: Dieter Rüchel

Kürzlich berichteten wir über Sugarbabys. Dann meldete sich ein Sugardaddy: Er erzählt uns, wie er seine 34 Jahre jüngere Studentin kennenlernte und warum das Verhältnis eine Win-win-Situation ist.

          3 Min.

          Nachdem unsere Geschichte über Sugarbabys erschien – junge Frauen, die sich von alten Männern aushalten lassen – haben Sie sich als einziger Sugardaddy gemeldet und geschrieben: „Sie – Studentin – 35, ich – Versorgungsempfänger – 69.“ Wieso?

          In Ihrem Bericht betonten Sie, keinen Sugardaddy für eine Befragung gefunden zu haben. Ich dachte, dass ich einen Einblick in die Denkstruktur und Haltung eines Paares geben könnte.

          Was sind Sie von Beruf, dass Sie sich ein Sugarbaby leisten können?

          Ich bin ein vermögender Pensionär, Stiftungsgründer und Social Entrepreneur.

          Warum, glauben Sie, sind Sie der Einzige, der sich gemeldet hat?

          Ich vermute, die Hauptmotive, wieso sich diese Herren nicht „outen“ wollen, liegen in Scham begründet. Ein weiterer Hinderungsgrund ist die Angst der Männer, denn ihr Verhalten wird an der gesellschaftlichen Norm gemessen. Weicht es von dieser Norm ab, haben sie soziale Sanktionen zu fürchten, wie etwa Statusverlust im Beruf oder im persönlichen Umfeld.

          Wie läuft das Arrangement in Ihrem Fall?

          Wir können von keinem klassischen Arrangement sprechen, weil sich diese Beziehung in die Richtung Sugarbaby-Sugardaddy entwickelt hat. Interessanterweise hat sie oft betont, nicht meine persönliche Prostituierte zu sein. Letztendlich lief meines Erachtens aber vieles darauf hinaus. Sie stellt meine Begleitung dar und bietet mir sexuelle Dienste an, nicht offensichtlich. Ich im Gegensatz trete in ideelle und finanzielle Vorleistung.

          Kritiker nennen diese Konstellation in der Tat Prostitution

          Betrachten wir die Beziehung zwischen dem älteren Mann und der jungen Frau nüchtern, stellen wir fest, dass beide Seiten aus freien Stücken heraus und mündig eine Vereinbarung treffen. Durch die gegenseitige Anerkennung profitieren beide Seiten: eine Win-win-Situation. Die Menschen, die in dieser Konstellation von Prostitution sprechen, bewerten nur die Sexualität. Es wird vorausgesetzt, dass keine emotionale Bindung zueinander besteht und ein käuflich erworbener Sex stattgefunden hat. Das ist sehr ignorant.

          Was finden Sie an einer 35 Jahre alten Frau, was Sie an einer in Ihrem Alter nicht finden können?

          In erster Linie fasziniert mich die Ungezwungenheit und Quirligkeit des jungen Menschen. Im Gegensatz zu den Frauen in meinem Alter, die sich oft in einen geistigen Ruhestand verabschiedet haben, sind jüngere entwicklungsfreudig, wissbegierig, lebendig und mit einer jugendlich-intellektuellen Schönheit gesegnet.

          Und Ihr Sugarbaby vereint diese Eigenschaften?

          Ja, sie hat bereits eine Berufsausbildung, danach eine akademische Ausbildung, ist insgesamt im Beruflichen eine sehr zielstrebige und ehrgeizige Persönlichkeit. Ihren Charakter könnte ich im positiven Sinne als fürsorglich, lebendig und liebevoll bezeichnen, im negativen Sinne aber als egozentrisch, berechnend, fordernd und teilweise ambivalent.

          Klingt anstrengend. Wo haben Sie sich kennengelernt?

          Wir haben uns im beruflichen Kontext kennengelernt, in einem Mentoren-Mentee-Verhältnis.

          Wie liefen die ersten Treffen ab?

          Bei den ersten Treffen haben wir sehr viel geredet und uns viel ausgetauscht, Zeit miteinander verbracht. Es kam zu keinem sexuellen Kontakt. Das reifte erst langsam heran. Was uns sehr verbindet, sind unsere gemeinsamen Interessen: Kunst und Reisen.

          Wie reagieren Passanten und Leute, wenn man Sie und Ihr Sugarbaby zusammen sieht?

          Wenn wir uns im öffentlichen Raum in Deutschland bewegen, hat sie stets das Gefühl, von den Leuten intensiver beobachtet und beurteilt oder gar verurteilt zu werden. Daher stellte sie die Überlegung an, mit mir nach Berlin ziehen zu wollen, weil dort buntere Lebenspartnerschaften toleriert werden würden. Auf unseren Reisen im Ausland hat sie nie ein beklemmendes Gefühl, beobachtet zu werden. Meine Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung ist eher, dass niemand, weder hier noch im Ausland, negative Notiz von uns nimmt.

          Kennen Ihre Freunde und Ihre Familie Ihr Sugarbaby?

          Dieser Kreis ist ein sehr überschaubarer Zirkel. Auf ihren Wunsch hin tragen wir nicht viel nach außen.

          Und was sagen diejenigen, die Bescheid wissen?

          Die Aussagen hatten eine Bandbreite von „Sie nutzt dich nur aus!“, „Du machst dich unglücklich!“ und „Such dir eine Frau in deinem Alter!“

          Was unternehmen Sie mit Ihrem Sugarbaby? Karibik oder doch eher Bayerischer Wald?

          Ich freue mich, eine Begleitung für die Reisen zu haben, und sie, weil sie gerne kostspielige Fernreisen unternehmen will. Obwohl, zu Beginn unserer „Beziehung“ sagte sie auch: Egal, ich fahre auch mit Dir an den Edersee. Hin und wieder tauchte auch der Begriff „Gesellschafterin“ auf. Darüber hinaus habe ich meine „Mentorenrolle“ in der Beziehung beibehalten. Ich begleite sie mit meinem Wissen und beruflichen Erfahrungsschatz und stehe ihr zur Seite.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) bei ihrem Auftritt in Berlin.

          Scholz, Laschet und Baerbock : Wie schlagen sich die Kandidaten im letzten Triell?

          Eine Woche vor der Bundestagswahl stehen sich Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock im dritten und letzten TV-Triell gegenüber. Wer überzeugt auf den letzten Metern des Wahlkampfs? Der Schlagabtausch im Liveticker.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.