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Ein kleiner Fortschritt beim neuen Bahnhof in Stuttgart: Die erste Kelchstütze wurde fertiggestellt. 27 weitere sollen bis 2021 folgen. Bild: dpa

Stuttgart 21 : Ein Fortschritt ist zu sehen!

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 befindet sich seit acht Jahren im Bau, ein Bahnhof lässt sich bisher nur erahnen. Nun wurde die erste Kelchstütze fertiggestellt – von insgesamt 28.

          Der Baufortschritt beim Projekt Stuttgart 21 ist eine Schnecke, jedenfalls aus der Wahrnehmung der Stuttgarter Bürger. Selbst aufmerksame Bahnfahrer und Nutzer des alten Bahnhofs sehen in der riesigen Baugrube zwischen Bonatzbau und dem vorverlegten Gleisfeld wenig, was auf einen Fortschritt der Bauarbeiten hindeuten könnte. Und Autofahrer bekommen von Veränderungen nur etwas mit, wenn der Verkehr wieder einmal umgeleitet wird.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Am Freitag war auf der Baustelle dann aber doch ein Fortschritt zu besichtigen – auf den die Bahn ziemlich stolz ist. Die erste von 28 Kelchstützen, die das neue Bahnhofsdach einmal tragen sollen, ist fertig betoniert. Auf den Kelchstützen wird nicht nur künftig das Dach des vom Büro Christoph Ingenhoven entworfenen Baus ruhen, sie sind auch die zentrale architektonische Idee, auf der dieser schon 1997 ausgewählte Entwurf beruht. Denn auf den Kelchstützen wird es Lichtaugen geben, durch die Tageslicht in den Bahnhof fällt.

          Ende Oktober hatte man mit dem Betonieren der ersten Kelchstütze begonnen. Zur Stabilisierung wurden 350 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut und mehr als 735 Kubikmeter Beton in das Schalwerk gegossen. Das sind 100 Betonladungen, die aus einem Betonwerk in Fellbach auf das S-21-Gelände transportiert werden mussten. Die 28 Kelchstützen, jede etwa sechs Meter hoch, sollen bis 2021 fertig sein. Eine vergleichbare Dachkonstruktion gibt es bisher nirgendwo. Für die Bauingenieure ist es eine echte Herausforderung. Die Herstellung der Schalwerke war äußerst kompliziert, eine spezielle Betonrezeptur musste erprobt werden. Die hohen Anforderungen an den Brandschutz wurden seit der Entscheidung für diesen Entwurf vor mehr als 20 Jahren mehrfach geändert. So entschieden sich die Ingenieure, in den Beton der Kelchstützen Kunststoffelemente zu mischen, die im Falle eines Brandes dafür sorgen sollen, dass Wasser absorbiert und der Beton nicht so schnell porös wird. Allein der zusätzliche Brandschutzaufwand für die Kelchstützen kostet fünf Millionen Euro zusätzlich.

          Den erst Anfang des Jahres aktualisierten Zeitplan für das Gesamtprojekt glaubt die Bahn einhalten zu können: Ende 2025 soll der neue Bahnhof in Betrieb gehen. Die etwa 60 Kilometer lange Neubaustrecke für den ICE von Wendlingen bis Ulm soll schon 2022 fertig sein, zur Zeit sind 30 Kilometer im Rohbau fertig. Ende des Jahres soll auf einigen Abschnitten der Strecke mit der Verlegung der Gleise begonnen werden. Wahrscheinlich kann die ICE-Neubaustrecke in vier Jahren für den Personenverkehr genutzt werden. Zur Zeit arbeitet die Bahn daran, die möglichen Fahrzeiten zu berechnen.

          Mit dem Bau des neuen ICE-Haltepunkts an der Stuttgarter Messe und am Flughafen konnte noch nicht begonnen werden, denn gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt 1.3a sind noch einige Klagen anhängig. In der nächsten Woche muss der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hierüber entscheiden.

          Die Projektkosten gibt die Bahn mit 8,2 Milliarden Euro für den neuen Bahnknoten Stuttgart und 3,7 Milliarden Euro für die Neubaustrecke an. Bis zur Fertigstellung müssen die Bürger noch mit einigen Einschränkungen rechnen. Anfang 2020 soll die Halle des alten Bahnhofs komplett geschlossen werden, weil dann der Bau eines neuen Hotels und die Sanierung starten. Bahnfahrer sollen dann über einen Tunnel auf die Gleise gelangen.

          Der kleine Trost angesichts all dieser Beschwernisse: Am Eingang des Bahnhofs zum Schlossgarten soll ein neuer „Info-Turm“ entstehen, in dem die Stuttgarter sich ein Bild davon machen können, wie ihre Stadt im Jahr 2026 aussehen wird. Das lässt sich die Bahn noch einmal 3,4 Millionen Euro kosten.

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