https://www.faz.net/-gum-aikep

Pub-Gäste sind abgereist : Noch immer Zehntausende Briten ohne Strom

  • Aktualisiert am

Verschneit: das Dorf Keele in der Grafschaft Staffordshire Bild: Reuters

Die Folgen von Sturm „Arwen“ sind Großbritannien noch zu spüren. Die rund 60 Gäste, die sich die Zeit drei Tage in einem eingeschneiten Pub mit Brettspielen und Karaoke vertrieben, sind allerdings abgereist - nachdem sie ihre Autos ausgebuddelt hatten.

          2 Min.

          Fünf Tage nach einem schweren Herbststurm in Großbritannien sind in Schottland und Nordengland immer noch Zehntausende Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Rund 30.000 Haushalte hätten weiterhin keinen Strom, teilte der Stromversorger-Verband Energy Networks Association (ENA) am Mittwoch mit. Der Sturm „Arwen“ war am Freitagabend über das Land hinweggefegt, drei Menschen starben. Nachdem zunächst hunderttausende Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten waren, wurde sie bis Mittwoch in 97 Prozent der Fälle wiederhergestellt.

          Bei manchen könne es aber noch bis Ende der Woche dauern, bis sie wieder Strom hätten, kündigte ENA an. Die mit der Reparatur der Stromnetze betrauten Ingenieure arbeiteten „rund um die Uhr“.

          Energiestaatssekretär Kwasi Kwarteng sagte vor dem britischen Unterhaus, einen so starken Sturm wie „Arwen“ habe es in Großbritannien seit 60 Jahren nicht mehr gegeben. Für die Zukunft müsse sich das Land aber auf ähnliche Wetterextreme einstellen. „Wir müssen sicherstellen, dass unser System widerstandsfähig ist“, sagte Kwarteng.

          Autos ausgebuddelt

          Nach drei Nächten in einem eingeschneiten Pub in Nordengland haben derweil die rund 60 Gäste ihr unfreiwilliges Quartier wieder verlassen. Der Schneepflug sei am Montag „endlich durchgekommen“, sagte Nicola Townsend, Wirtin des Tan Hill Inn, der Agentur PA am späten Montagabend. Von den 61 Gästen seien 59 abgereist, nachdem sie ihre Autos aus dem Schnee gebuddelt hätten. Die zwei verbliebenen Gäste wollten noch einen Tag dranhängen und dann am Dienstag abreisen.

          Beliebte Kulisse für Werbespots: das Tal Hill Inn (Archivbild)
          Beliebte Kulisse für Werbespots: das Tal Hill Inn (Archivbild) : Bild: AP

          Die 61 Gäste waren nach dem Auftritt einer Oasis-Cover-Band mit dem Namen Noasis am Freitagabend im angeblich höchstgelegenen Pub Englands gestrandet, der in den Pennines liegt, einem Mittelgebirge im Norden Englands. Der Herbststurm „Arwen“ hatte auch in anderen Landesteilen Großbritanniens für Verkehrschaos gesorgt und den Strom in vielen Haushalten ausfallen lassen.

          Die Besucher vertrieben sich die Zeit mit Karaoke, Quiz und Brettspielen, wie Townsend berichtete. Nachts sei etwas improvisiert worden: Viele Gäste habe man in den Zimmern der Herberge untergebracht, andere schliefen auf Sofas oder auf Matratzen auf dem Boden. Jeder habe die Möglichkeit zum regelmäßigen Duschen bekommen.

          „Hätten Gäste nicht besser aussuchen können“

          „Es war wie eine Party mit einer großen Freundesgruppe“, beschrieb die Wirtin die Stimmung während der drei Tage. Es sei ein tolles Erlebnis gewesen, das Ganze sei richtig toll verlaufen. „Die Gäste, die wir hatten, man hätte sie nicht besser aussuchen können.“ Townsend zeigte sich überrascht, wie gut die Eingeschlossenen miteinander ausgekommen seien. „Es gab keine kleinen Gruppen, jeder hat sich mit jedem unterhalten, alle waren freundlich zueinander, es war einfach herzerwärmend“, resümierte Townsend.

          Auch für die Versorgung war gesorgt, zu reduzierten Preisen. „Wir hatten am Sonntagabend die größten Yorkshire Puddings, die ich je gesehen hatte“, beschrieb Vicky Hogson nach Angaben der „Sun“ den Genuss des traditionellen Backwerks. Dazu habe es auch improvisierte Musik der mit ihnen gestrandeten Band-Mitglieder gegeben. Anfangs hatten Becky Longthorpe und Gary Bimpson Zweifel, als sie die Situation erkannten. Aber dann sei der Punkt gekommen, an dem man sich einfach sagte: „Nehmen wir es einfach, so wie es ist, denn man wird das nie wieder im Leben tun, oder?“

          Alkohol erst am Nachmittag

          Der Alkoholausschank war nach Angaben der Wirtin auf die Zeit nach drei Uhr nachmittags beschränkt.“Unsere größte Sorge war, dass uns das Bier ausgeht“, sagte Gary Bimpson nach Angaben der „Sun“.

          „Es herrschte eine gute Atmosphäre, guter alter britischer Geist“, fassten die Beiden das Erlebte zusammen. Vor allem die Gastfreundschaft der Wirtsleute habe alle beeindruckt. „Man sollte den Besitzern eine Medaille verleihen.“

          Auf Facebook dankten die Besitzer ihren Gästen. Sie verwiesen darauf, dass sie von vielen ehemaligen Eingeschlossenen bereits Posts mit „Wir vermissen Euch“ erhalten hätten. „Wir vermissen sie auch. Wartet auf den Film“, antwortete die Tan-Hill-Besatzung. Mit dem Schlusshinweis reagierten sie auf Gerüchte, dass es bereits Gespräche über eine mögliche Verfilmung des Wochenendes im Schnee gebe. Und Chefkoch Ryan Lockwood verriet dem „Mirror“, dass 2022 ein Jahrestreffen geplant sei.

          Weitere Themen

          Vierte Rekord-Inzidenz in Folge

          Corona-Pandemie : Vierte Rekord-Inzidenz in Folge

          528,2 beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz nun. Das RKI meldet 34.145 Neuinfektionen. Kanzler Scholz freut sich über eine erreichte Impfmarke, aber ein anderes Ziel dürfte verfehlt werden.

          Topmeldungen

          Eine Mutter entnimmt bei ihrem Kind einen Lollitest-Abstrich am Eingang zu einer Münchner Kita.

          Corona-Pandemie : Vierte Rekord-Inzidenz in Folge

          528,2 beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz nun. Das RKI meldet 34.145 Neuinfektionen. Kanzler Scholz freut sich über eine erreichte Impfmarke, aber ein anderes Ziel dürfte verfehlt werden.
          Lars Klingbeil (links), Vorsitzender der SPD, und Saskia Esken, Vorsitzende der SPD, äußern sich am 20. Dezember 2021 bei einer Pressekonferenz nach der konstituierenden Sitzung des Parteivorstandes im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

          Trotz Wahlerfolgs : Die SPD verliert weiter rasant Mitglieder

          Nach dem Wahlerfolg bei der Bundestagswahl traten der Partei im September zwar mehr Neumitglieder bei als in allen anderen Monaten des Jahres. Aber sie konnten den abermaligen Verlust von etwa fünf Prozent der Mitgliedschaft nicht ausgleichen.