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LGBT in Mecklenburg-Vorpommern : Kreuz und queer

Trotz steigender Akzeptanz werden Homosexuelle immer noch diskriminiert. Bild: dpa

Die Studie gilt als Pilotprojekt: Über zwei Jahre wurde die Lebenslage von Schwulen, Lesben und Transsexuellen in Mecklenburg-Vorpommern untersucht. Trotz Wertewandel und zunehmender Akzeptanz gehört Diskriminierung noch immer zum Alltag.

          2 Min.

          Erstmals ist die Lebenslage der Schwulen, Lesben und Transsexuellen in Mecklenburg-Vorpommern untersucht worden. Die Studie lief über zwei Jahre und gilt als Pilotprojekt. Vergleichbares gibt es in keinem anderen Bundesland. Das Projekt trägt den komplizierten Titel „un_sichtbar – Lesben, Schwule und Trans*“. Die Ergebnisse sind in einer 160 Seiten umfassenden Expertise zusammengestellt.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zur Vorstellung des Projekts war unter anderen die aus Schwerin stammende Bundessozialministerin Manuela Schwesig (SPD) angekündigt. Sie kam nicht, aber ihr Grußwort wurde verteilt. „In unserer Gesellschaft gibt es einen spürbaren Wertewandel. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt wird positiv gesehen und mehr akzeptiert“, lobt Schwesig darin. Die Studie mache aber auch „den Zustand von Unsichtbarkeit greifbar, den viele aus ihrem Alltag kennen“.

          Die Studie wurde aus Bundesmitteln gefördert, aus dem Programm „Demokratie leben“. Als Herausgeber wird der Verein „Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern“ genannt. Er ging nach eigener Darstellung aus einem Projekt „Lola für Ludwigslust“ hervor, das von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wurde und „seit 2008 im Landkreis Ludwigslust zu feministischen Themen tätig war“. Gearbeitet worden sei „aus geschlechterreflektierender Perspektive zu Fragen demokratischer Kultur und Teilhabe sowie gegen Rechtsextremismus“. Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist nicht unumstritten; Kritiker sehen in ihr eine Plattform für Linksradikalismus.

          Feindlichkeit in der Nähe zu Rechtsextremismus und Rassismus

          Bei der Präsentation wurde nicht klar, wer die Erhebungen gemacht und was die Expertise gekostet hat. Deutlich wurde aber, dass sich die Szene gleichsam selbst untersuchte. Dennoch wird die Studie, für die Einzelinterviews, aber auch Gruppengespräche an zwei Schulen geführt wurden, als wissenschaftlich angesehen. Die Autoren sprechen von einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden. Zudem gibt es zwei Exkurse: zur Situation „queerer Geflüchteter“ und eine Kritik am „Landesaktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“, den Schwesig 2015 als Sozialministerin in Schwerin anregte.

          Das Ergebnis war bei den Voraussetzungen zu erwarten und ist im Titel formuliert: „Homo- und Trans*feindlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern“. Dabei haben die Befragungen durchaus unterschiedliche Erfahrungen ergeben, auch positive. Aber viele der Betroffenen fühlten eine Diskriminierung, sagen die Autoren. Sie würden schon durch Blicke mögliche Gewalt befürchten. Sie fühlten sich zu wenig wahrgenommen, weil „der Alltag durch und durch heterosexuell“ angelegt sei. Auch an den Schulen gebe es „viel Luft nach oben bei geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“. Die Autoren sehen zudem Schwulenfeindlichkeit stets in der Nähe zu Rechtsextremismus und Rassismus. Sie kritisieren, dass an den Schulen kaum über Lesben, Schwule und Transsexuelle gesprochen werde. Freilich gibt es auch keine Zahlen, wie hoch der betroffene Personenkreis überhaupt ist – und wie sich das etwa auf Schulhofgespräche auswirken könnte.

          Trotzdem werden aus der Studie Forderungen an die Politik abgeleitet. So solle der Landesplan einen eigenen Haushaltstitel bekommen. Die 85.000 Euro im Jahr seien zu wenig, weil ein Flächenland auch ein hauptamtliches Beratungsnetz brauche. Zudem müsse der Staat die Selbstorganisation der Schwulen, Lesben und Transsexuellen stärken, vor allem die psychosoziale Betreuung. Es bedürfe spezieller Ansprechpartner bei der Polizei sowie einer Finanzierung „von Aufklärungs-, Sensibilisierungs- und Bildungsarbeit zu LST*-Lebensweisen“. In den Schulen müsse das Thema „in den Rahmenplänen von Schulfächern“ stehen. Die Schweriner Sozialministerin Stefanie Drese (SPD), die zur Präsentation gekommen war, sagte, die Studie werde bei der Fortschreibung des Landesaktionsplans berücksichtigt.

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