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Jugendstudie der TUI-Stiftung : So denken junge Menschen über die Krisen in der Welt

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Junge Teilnehmer eines Demonstrationszuges von Fridays for Future in Schleswig-Holstein. Bild: dpa

Klimawandel, Ukrainekrieg, Corona-Folgen: Jugendliche in Europa sehen sich mit mehreren Krisen konfrontiert. Eine Studie hat ermittelt, wie bedroht sie sich dadurch fühlen – und welche Maßnahmen sie sich wünschen.

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          Junge Menschen in Europa fühlen sich einer Umfrage zufolge durch den Klimawandel am meisten bedroht. Das zeigt die Jugendstudie der TUI Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach sehen 76 Prozent der Befragten die Erwärmung als größte Bedrohung an, gefolgt vom Ukrainekrieg (64 Prozent) und der Pandemie (50 Prozent).

          Für die sechste repräsentative Jugendstudie „Junges Europa“ der TUI Stiftung hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov im April 2022 mehr als 6000 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Polen befragt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden anhand von Geschlecht und Alter so ausgewählt, dass sie der Verteilung in ihren jeweiligen Ländern entsprechen.

          71 Prozent der Befragten finden, dass es Kompromisse bedarf, um Erfolge beim Klimaschutz zu erzielen. Jeder zweite Befragte begreift Maßnahmen gegen die Klimakrise als Sicherung zukünftiger Freiheit.

          Die Mehrheit der europäischen Jugend sieht im Krieg in der Ukraine eine Zeitenwende. 26 Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage „stark“ und 40 Prozent „etwas“ zu. Bei den Ländern zeigen sich Unterschiede: So begreifen insbesondere junge Griechinnen und Griechen den Krieg als einen grundlegenden Einschnitt, der die Ordnung der Welt verändert. 43 Prozent von ihnen nehmen den Krieg „stark“, 38 Prozent „etwas“ als Zeitenwende wahr. In Deutschland liegt die Bewertung sehr nah an den Gesamtwerten: 28 Prozent der Befragten stimmen „stark“ zu, 39 Prozent „etwas“.

          Vor allem in Polen, Deutschland, Italien und Griechenland empfinden junge Menschen den Überfall Russlands auf die Ukraine als persönliche Bedrohung, am wenigsten sind die Ängste in Großbritannien ausgeprägt. Die Furcht vor einem Krieg in einem EU-Land nimmt gegenüber vorherigen Befragungen zu: Fast die Hälfte (46 Prozent) der jungen Europäer halten einen Krieg in einem EU-Mitgliedsland in den nächsten zehn Jahren für möglich, 2020 waren es nur 37 Prozent.

          Was tun, um die Lage zu verbessern?

          Um die humanitäre Lage zu verbessern, äußern junge Europäer eine hohe Bereitschaft für persönliches und staatliches Engagement. Zustimmung erhalten vor allem Maßnahmen, die weniger persönliche Kosten mit sich bringen.

          So würden zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten Geflüchtete im eigenen Land aufnehmen. 54 Prozent von ihnen würden akzeptieren, dass ihr Land anderen Ländern Waffen liefert, um dort Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Dagegen fällt die Bereitschaft deutlich geringer aus, höhere Kosten für Benzin (35 Prozent der jungen Europäerinnen und Europäer stimmen zu, in Deutschland 45 Prozent), für Lebensmittel (35 Prozent Europa, 45 Prozent Deutschland) und für Wärme und Strom (34 Prozent Europa, 44 Prozent Deutschland) zu akzeptieren.

          Seit 2017 fragt die TUI Stiftung die Zukunftsaussichten der Jugendlichen ab. Noch nie wurden die eigenen Perspektiven von jungen Menschen so negativ bewertet wie in diesem Jahr. In Deutschland sieht mehr als ein Drittel der Befragten der Zukunft pessimistisch entgegen. In Frankreich und Großbritannien äußern dies sogar 41 Prozent. Damit verzeichnen alle drei Länder einen Anstieg um mehrere Prozentpunkte gegenüber 2017.

          Im Hinblick auf die Pandemie zeigt sich: Mehr als jeder zweite Befragte findet, dass diese die Gesellschaft eher gespalten hat. Ein gesellschaftliches Zusammenrücken sehen nur wenige. In Deutschland ist der Anteil jener, die eine Spaltung wahrnehmen, höher als in den anderen Ländern.

          Mehr als drei von fünf Befragten geben an, dass ihre psychische Gesundheit dadurch beeinträchtigt worden ist. Besonders häufig sagen dies Befragte aus Griechenland (72 Prozent). Dort hatte die Pandemie auch starken Einfluss auf die finanzielle Lage und berufliche Chancen junger Menschen.

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