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Studie „Afrozensus“ : Rassismus gegen Schwarze in Deutschland weit verbreitet

Eine Demonstrantin bei einer Kundgebung gegen Rassismus in Hannover im Sommer 2020 Bild: dpa

Erstmals hat eine Studie die Lebensrealität schwarzer Menschen in Deutschland untersucht: Der überwiegende Teil von ihnen erfährt Rassismus in nahezu allen Lebensbereichen. Oft wird ihnen das allerdings nicht geglaubt.

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          In Deutschland leben mehr als eine Million Menschen afrikanischer Herkunft – und der überwiegende Teil erfährt in vielen Lebensbereichen Rassismus. Das legt eine nichtrepräsentative Studie namens Afrozensus nahe, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert und nun veröffentlicht worden ist. Demnach sehen sich etwa zwei Drittel der mehr als 6000 Befragten aufgrund von rassistischen Zuschreibungen in Schulen und Universitäten schlechter benotet als ­weiße Mitschüler oder Kommilitonen. In Arztpraxen vorgetragene Beschwerden werden laut zwei Dritteln der Studienteilnehmer nicht ernst genommen. Mehr als die Hälfte gab an, schon grundlos von der Polizei kontrolliert worden zu sein. Ebenso viele wurden fälschlicherweise für Drogendealer gehalten.

          Johanna Christner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft & Stil.

          Antischwarzer Rassismus überschattet laut der anonym durchgeführten Studie auch die Suche nach einem Partner: Fast 80 Prozent der Befragten beschrieben, beim Onlinedating sexualisierte Kommentare zu Aussehen und vermeintlicher Herkunft erhalten zu haben. Mehr als 90 Prozent haben erlebt, dass ihnen jemand ungefragt in die Haare fasste. Auf Wohnungssuche haben rund 70 Prozent Diskriminierung erfahren; bei Schwarzen, die Muslime sind, waren es 90 Prozent. Nur 2,7 Prozent gaben an, noch nie Rassismus erlebt zu haben. Ein weiteres Ergebnis der von Juli bis September 2020 ausgeführten Onlinebefragung: Mehr als 90 Prozent gaben an, dass ihnen nicht geglaubt werde, wenn sie Rassismuserfahrungen teilten. 75 Prozent der Betroffenen würden Rassismusfälle gar nicht erst mitteilen.

          „Es war ein wirklich langer Weg, es war ein Kampf“, sagte der Rassismusforscher Daniel Gyamerah von „Each One Teach One“ während der Onlinepräsentation der Forschungsergebnisse am Dienstag. Es seien schmerzhafte Erfahrungsberichte gewesen. Bislang habe sich die Bundesregierung nicht um die Erhebung solcher Daten gekümmert, „wie es eigentlich ihre menschenrechtliche Verpflichtung wäre“, sagte Gyamerah. „Antischwarzer Rassismus ist nicht unser Problem. Wir haben ihn uns nicht ausgedacht und nicht erfunden, sondern das Problem ist strukturell.“ Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle, zeigte sich zufrieden: „Die Ergebnisse des Afrozensus zeigen eindrücklich die Erscheinungsformen und Auswirkungen von Diskriminierung und anti-schwarzem Rassismus in Deutschland.“

          Der Afrozensus ist die erste systematische Untersuchung über die Lebensbedingungen von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland. Die Autoren wollen ihre Forschungsarbeit fortsetzen und die Ergebnisse auch in englischer und in französischer Sprache veröffentlichen. Durchgeführt wurde die Befragung als gemeinschaftliches Projekt von den zivilgesellschaftlichen Organisationen „Each One Teach One“ und „Citizens of Europe“, die sich für Vielfalt und Demokratie einsetzen. Die Teilnehmer stammen aus 144 Ländern, die jüngste war zum Zeitpunkt der Befragung 16 Jahre, die älteste 102 Jahre alt. Sieben von zehn der Befragten wurden in Deutschland geboren. Die Autoren der Studie räumten ein, dass die Pandemie persönliche Interviews unmöglich machte. Zwar ­seien viele Menschen digital leichter zu erreichen gewesen, allerdings gehörten sie vor allem einer sozioökonomisch bessergestellten Schicht an – und besonders nichtprivilegierte, mehrfach diskriminierte und arme Menschen seien von antischwarzem Rassismus betroffen.

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