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Strickkunstwerke : Auf ins Geflecht!

Fluffig, friedlich, farbenfroh: Kristina Krömer (rechts) und Barbara Niklas haben in Dresdens Militärhistorischem Museum einen Panzer bestrickt. Bild: dpa

In Dresden stricken Handarbeiterinnen einen Panzer ein. Das Zeichen für den Frieden ruft viel Streit hervor.

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          Von weitem sieht es aus wie ein riesiger, kunterbunter Flickenteppich, unter dem der Panzer fast ganz verschwunden ist. Nur noch Ketten, Kanone und ein paar Antennen lugen aus dem Stoffmeer heraus. Oben auf dem Gefährt sitzen Barbara Niklas und Kristina Krömer und nähen vorgestrickte Stoffteile so zusammen, dass sie den Panzer nicht einfach nur bedecken, sondern „figurbetont einkleiden“. Die Aufgabe ist härter als gedacht, zumal sie erst vor kurzem noch das Modell wechseln und damit auch ihr Strickmuster ändern mussten.

          Strickend an die Zerstörung Dresdens erinnern

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Als die beiden Frauen, 28 und 31 Jahre alt, im vergangenen Herbst die Aktion initiierten, ahnten sie nicht, worin sie sich verstricken würden. Ihre ursprüngliche Idee war es, zum 13. Februar, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens, einem Panzer des Militärhistorischen Museums in Dresden als Symbol für Krieg und Gewalt eine gestrickte Hülle zu verpassen und ihn auf diese Weise unschädlich zu machen. Das Stricken galt beiden als besonders geeignetes Mittel zum Zweck. Wie in früheren Zeiten wollten sie Alt und Jung bei der Handarbeit zusammenbringen und dabei nicht nur verschiedene Techniken, sondern vor allem Kriegserlebnisse und -geschichten weitergeben, um für ein friedliches Miteinander zu werben.

          Eingewickelt: Auch die Panzerketten verschwinden unter der Wollhülle.

          Eine ziemlich romantische Vorstellung war das, doch sie funktionierte überraschend gut. Rund 80 Leute, darunter knapp ein Viertel jüngere, strickten bisher mit. Ihr Motto: „Auf ins Geflecht!“ Zwei Mal in der Woche nachmittags treffen sie sich in einem Ladenlokal in der Dresdner Neustadt und stricken, was die Nadeln hergeben. Dazu gibt es Kaffee, Tee, Kuchen und natürlich Geschichten. An diesem Dienstag sitzen sieben Frauen im Alter von 20 bis 78 Jahren im Kreis, Handarbeiten und erzählen, während eine andere Brigade nebenan große runde Strickteile zusammennäht.

          Nicht nur ein pazifistisches Frauenprojekt

          “Das sind die Kettenräder“, erklärt Gertraud Kasten, die hier alle Traudl nennen. Die Achtundsiebzigjährige hat als Kind die Bombardierung Dresdens miterlebt und ist von Anfang an dabei. „So viele Leute sind gegen Krieg, aber es gibt ihn immer noch.“ Dagegen wolle sie was tun. Im Oktober gehörte sie deshalb dem Stoßtrupp an, der von einem T-34-Sowjetpanzer im Militärhistorischen Museum Dresden die Maße nahm: Seiten, Turm, Gefechtsrohr, Ketten. Und Kristina Krömer entwarf einen Strickmusterbogen.

          Machen eigentlich auch Männer mit? „Ja klar“, sagt Barbara Niklas, von Haus aus Psychologin, und zeigt stolz einen mit Stoff bezogenen Modellpanzer, den ein 86 Jahre alter Nachbar aus Sperrholz, Pappe und einem Plastebecher angefertigt hat. „Danach haben wir uns am Anfang grob gerichtet.“ Außerdem gebe es ein paar Jungs, die hier das Häkeln und Stricken gelernt hätten. Der grobe Anwesenheitsüberblick aber bestätigt: Handarbeiten sind auch im 21. Jahrhundert weiblich.

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