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Tamilisches Rodeo: Die Stierkämpfer versuchen, sich am Höcker des Tieres festzuklammern. Bild: AFP

Indien und der Stierkampf : An den Hörnern gepackt

  • -Aktualisiert am

Seit Beginn der Stierkampfsaison am 15. Januar sind in Indien schon fünf Menschen getötet worden. Die Kritik an den Jallikattu-Spektakeln wird lauter, doch das Land ist gespalten

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          Der Stier wird durch ein Tor in die Arena geführt und blickt kurz um sich, in die johlende Menschenmenge auf den improvisierten Rängen. Plötzlich stürmen junge Männer über den Kampfplatz auf ihn zu und versuchen, sich auf seinen Rücken zu schwingen und ihn an seinem Höcker und seinen Hörnern zu packen. Für einen jungen Tamilen aus einer kleinen Stadt wie Alanganallur im Süden Indiens könnte es keinen größeren Männlichkeitsbeweis geben, als sich jetzt für eine halbe Minute an dem Höcker des Tieres festzuhalten und mitziehen zu lassen. Früher soll den Stieren auch Alkohol zugeführt oder Zitronensaft in die Augen geträufelt worden sein – so sollten sie in die richtige Stimmung gebracht werden, Widerstand zu leisten. Solche Aufputschmaßnahmen soll es aber heute nicht mehr geben, sagt die Autorin Swapna Sundar, die von dem Stierkampffest berichtet, das bei den in Südindien beheimateten Tamilen so hoch gehalten wird wie die Corrida in Spanien.

          Jedes Jahr Mitte Januar feiern die Tamilen ihr Erntedank, das Pongal-Fest. Während dieses Festes werden alte Kleider als Zeichen eines Neuanfangs verbrannt. Das Pongal-Gericht aus süßem Reis und Milch muss als Zeichen des Überflusses überkochen. Auch das Stier-Spektakel namens Jallikattu gehört dazu. Seit Beginn der Stierkampfsaison am 15. Januar sind dabei schon fünf Menschen getötet worden. Die Zahl der Verletzten – einschließlich Schaulustiger – soll bei 79 liegen. Kein Wunder, dass die Kritik an den Feiern lauter wird. Ein Verbot gab es schon einmal im Jahr 2014, nachdem Tierrechts-Aktivisten einen Verbotsantrag beim höchsten Gericht in Delhi eingereicht hatten. Dabei geht der Kampf für die Stiere häufig glimpflicher aus als für manche Menschen: Anders als in Spanien werden die Tiere nach dem Kampf nicht geschlachtet, sondern haben eine glorreiche Zukunft als Zuchtbullen vor sich.

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