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Streit um Fidget Spinner : „Das ist doch keine Waffe“

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Das Trend-Spielzeug aus dem Jahr 2017 - Der Fidget Spinner. Bild: dpa

Jenny Kühner hat einen Fidget Spinner bestellt – und soll jetzt eine Strafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zahlen. Ein Interview über scharfkantige Spielzeuge, den anstehenden Prozess und ihre Spinner-Sammlung.

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          Frau Kühner, Sie müssen Ende Juni vor Gericht, weil Sie einen Fidget Spinner bestellt haben. Wie kam es dazu?

          Ich war im Internet auf der Suche nach einem neuen Fidget Spinner und mir fiel ein besonderes Modell auf. Ich beschloss, diesen speziellen Spinner für meine Sammlung zu bestellen. Das Spielzeug kam aber einfach nicht an. Im Oktober 2017 haben wir stattdessen ein Schreiben vom Zoll bekommen. Darin stand, dass ich angeblich eine Waffe bestellt hätte. Der Fidget Spinner wurde als Wurfstern bezeichnet. Es war auch ein Fragebogen beigelegt, den wir ausgefüllt haben. Wir haben extra noch erwähnt, dass es sich um ein Spielzeug und nicht um eine Waffe handelt. Daraufhin war es erst mal eine Weile still, bis wir im März einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe über 400 Euro bekommen haben. Das haben wir nicht eingesehen und uns an einen Anwalt gewandt. Nun will der Zoll vor Gericht gehen, weil ich mich geweigert habe, die 400 Euro zu zahlen.

          Was war Ihr erster Gedanke, als Sie den Brief vom Zoll bekommen haben?

          Ich habe mich gefragt, ob das ein schlechter Witz ist. Fidget Spinner werden im Internet überall als Spielzeug ausgeschrieben und nicht als Waffe. Deshalb war ich ziemlich verwirrt.

          Geformt wie ein Ninja-Stern: Das Modell des Fidget Spinners, das laut Zoll unter das Waffengesetz fällt.

          Weshalb dachte der Zoll, es handle sich um eine Waffe?

          Das Modell, das ich bestellt habe, hat die Form einen Ninja-Sterns mit Sicheln. Der Spinner ist aber trotzdem nachweislich ein Spielzeug und weist auch diese typischen Kugellager eines Fidget Spinners auf. Laut dem Zoll ist das Spielzeug angeblich scharfkantig und damit gefährlich. Das habe ich jedoch weder auf dem Bild im Internet erkennen können, noch stand das in irgendeiner Beschreibung.

          War der Fidget Spinner ursprünglich für Ihren Sohn bestimmt?

          Nein, ich wollte den Spinner für mich selbst bestellen und ihn meiner Sammlung hinzufügen. Mein Sohn ist acht Jahre alt und hat seine eigene kleine Sammlung. Ich selbst halte gern Ausschau nach besonderen Modellen für meine Vitrine.

          Nutzen Sie Ihre Fidget Spinner alle?

          Nein, ich sammle die Spinner nur, weil sie schön aussehen. Ich finde die einzelnen Modelle sehr interessant.

          Sollten 400 Euro für die Bestellung des Spielzeuges bezahlen: Jenny Kühner und ihr Ehemann.

          Haben Sie von ähnlichen Fällen gehört?

          Nachdem wir das Schreiben vom Zoll bekommen hatten, hat mein Mann direkt beim Zoll angerufen, dort konnte uns aber zuerst niemand weiter helfen. Irgendwann hatten wir jemanden in der Leitung, der uns sagte, dass das eine reine Ansichtssache ist. Und dass beim Zoll schon mehr als 400 ähnliche Fälle eingegangen sind. Ich gehe davon aus, dass ich mein Spielzeug auch nach der Verhandlung nicht bekommen werde.

          Werden Sie ein Modell Ihrer Sammlung – als Beweis für seine Harmlosigkeit – mit in die Gerichtsverhandlung nehmen?

          Wenn ich einen Spinner mitnehmen darf und durch die Sicherheitskontrolle komme: Ja. Aber ich bin skeptisch. Es könnte ja eine Waffe sein.

          Fidget Spinner

          Ursprünglich wurde der sogenannte Fidget Spinner für Patienten der Verhaltensstörung ADHS entwickelt. Sie sollen der Ablenkung und Entspannung der Betroffenen dienen. Fidget ist Englisch und bedeutet so viel wie Zappelphilipp, Spinner heißt übersetzt einfach: Kreisel. 2017 wurde das Spielzeug dann zum Trend für alle und galt als der Trend des Jahres.

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