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Carell über seinen neuen Film : „Meine Rollen müssen mir Angst machen“

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Es muss nicht immer komisch sein: Schauspieler Steve Carell überzeugt auch in ernsten Rollen. Bild: The NewYorkTimes/Redux/laif

Der Schauspieler Steve Carell spricht im Interview darüber, wie er es geschafft hat, nicht auf die Rolle des Komikers festgenagelt zu werden und warum er zahllose Gläser Diät-Cola trinken musste.

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          Steve Carell ist einer dieser Komiker, die jenseits ihrer Rollen nicht komisch sind oder sein wollen. Beinahe unscheinbar sitzt er im Zimmer eines Londoner Hotels und wirkt in hellblauem Hemd und Chinohose wie ein sehr höflicher Tourist. Mit Rollen in „Dan – Mitten im Leben!“ oder „Beautiful Boy“ hat Carell schon gezeigt, dass er ein Publikum zum Weinen bringen kann, wenn es von ihm verlangt wird. Das ist auch jetzt in seinem jüngsten Film so, in dem Robert Zemeckis („Forrest Gump“) Regie führte; „Willkommen in Marwen“, der am 28. März in die deutschen Kinos kommt, erzählt die wahre Geschichte des Künstlers Mark Hogancamp, der infolge einer brutalen Hass-Attacke an einem postraumatischen Stresssyndrom leidet und in eine Parallelwelt abtaucht, die er sich aus Spielzeugpuppen baut.

          In Hollywood gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn ein Schauspieler eine Rolle so erfolgreich spielt, dass der Film Millionen einspielt, dann soll er diese Art Rollen so oft wie möglich und immer wieder spielen.

          Stimmt! Genauso funktioniert es.

          Wie haben Sie es geschafft, sich aus dem Rollen-Gefängnis zu befreien?

          Es ist interessant. Du kannst dich aus einem Rollen-Knast befreien und steckst dann schon wieder im nächsten. Nachdem ich so gute Kritiken für meine Rolle als John du Pont in „Foxcatcher“ bekam, hat man mir plötzlich diverse Drehbücher für Filme angeboten, in denen ich Mörder und Serienkiller spielen sollte. Das waren nicht einfach finstere Typen, sondern so richtig üble Psychopathen mit großer Mordlust. Genauso hatte ich es ja vorher mit den Komödien erlebt. Früher konnte ich es mir ja nicht immer aussuchen. Jetzt habe ich einen gewissen Handlungsspielraum und meine Regeln bei der Rollenwahl.

          Und wie lauten die Regeln?

          Eigentlich ist es nur eine Regel, und die lautet: Die Rolle muss mir ein bisschen Angst machen. Dann bin ich bei der Sache, aufgeregt und inspiriert. Es muss auch immer die Möglichkeit existieren, dass ich mit der Sache grandios baden gehe. „Foxcatcher“ war genauso eine Rolle. Die hat mir Angst gemacht. Vor „Beautiful Boy“ hatte ich auch Angst. Denn das Thema ist so finster: Ein Vater, der um seinen drogensüchtigen Sohn kämpft, das ging mir ganz schön an die Nieren. Ich bin selbst Vater zweier Teenager. Die Vorstellung, auch nur einen Teil dessen durchzumachen, was dieser Vater erlebt hat, war beinahe mehr, als ich ertragen konnte. Glücklicherweise haben meine Kinder keine Probleme mit Drogen. Aber ich klopfe jedes Mal auf Holz, wenn ich so etwas sage.

          Sie wollen ein bisschen Angst haben, aber so richtig dann doch nicht. Wo ist für Sie die Grenze?

          Das ist schwer zu sagen. Bisher habe ich die Grenze noch nicht überschritten. Ich will jetzt hier auch nicht zu dramatisch klingen. Letztlich ist es nur eine Rolle in einem Film, oder? Es geht nicht um Leben und Tod. Und ich springe noch nicht einmal an einem Bungee-Seil von einer Brücke. Die Angst ist eine professionelle: Kaufen die Leute mir das ab? Wirke ich ehrlich und aufrichtig?

          Wie haben Sie sich den Weg ins dramatische Fach erkämpft?

          Komischerweise war das kein richtiger Kampf. Es hat nie jemand gesagt, den Comedy-Fuzzi wollen wir nicht in unserem Drama. Meine erste dramatische Rolle war die in „Little Miss Sunshine“, und zu der Zeit hatte ich gerade Erfolg mit „Das Büro“ und „Jungfrau (40), männlich, sucht...“. Ich hatte einfach Glück, dass ich schon relativ früh so eine Rolle spielen durfte.

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