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Carell über seinen neuen Film : „Meine Rollen müssen mir Angst machen“

  • -Aktualisiert am

Interessanterweise haben sie mich sogar aus der Verantwortung genommen. Als ich mich für das Jurastudium beworben habe, da haben sie sich mit mir hingesetzt und meinten: Du musst das nicht für uns tun. Es ist dein Leben, und du musst etwas finden, das dich glücklich macht. Sie haben mich dann ermutigt, nach Chicago zu gehen und dort einfach mein Glück zu versuchen. Ich hatte mir eine Frist von einem Jahr gesetzt. Das war 1985, und seitdem arbeite ich regelmäßig in diesem Beruf.

Wie liefen die ersten Jahre in Chicago?

Ich habe mit ein paar Kumpeln vom College in einer unglaublich billigen WG-Wohnung in einem schrecklichen Teil der Stadt gewohnt und einen Job als Kellner gefunden, während ich zu ersten Castings gegangen bin. Wir haben uns ein uraltes Auto geteilt. Ich hatte nie Geld, war richtig arm. Aber es war großartig, denn ich war jung und hatte die Hoffnung, das zu tun, was ich wirklich wollte. Es war mir erst einmal völlig egal, ob ich mich davon ernähren konnte. Ich hatte gerade genug, um die Miete zu bezahlen und mir ab und an ein Bier leisten zu können. Ich habe mich langsam vom Theater über das Fernsehen vorwärtsgearbeitet, bis ich nach ein paar Jahren nicht mehr kellnern musste. Das waren alles Mini-Schritte, aber immer genug, um den Job nicht hinzuwerfen. Mein Ziel war es, mit der Schauspielerei eine Familie ernähren und meinen Kindern eines Tages das College finanzieren zu können, nicht mehr und nicht weniger. Das wäre für mich auch ein Erfolg gewesen. Und eigentlich bin ich nach Chicago gegangen, um etwas über das Leben zu lernen, nicht, um entdeckt zu werden.

Warum Chicago?

Weil es mir weniger Angst gemacht hat als New York oder Los Angeles. Der Druck wäre dort größer gewesen.

Als Sie Ihre Frau kennengelernt haben, waren Sie ihr Lehrer in einem Schauspiel-Kurs.

Es war nicht ideal (lacht).

Wie haben Sie diese Hürde überwunden?

Sie hat zu der Zeit auch als Barfrau in einer Kneipe gegenüber von „The Second City“ gearbeitet.

Dem legendären Comedy-Theater.

Ich habe monatelang nach der Vorstellung in dieser Bar gesessen und unendlich viele Diät-Colas bestellt, um sie zu sehen und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Endlich hatte ich dann den Mut, sie nach einem Date zu fragen. Aber glauben Sie mir, es hat ewig gedauert. Wir sind umeinander herumgeschlichen wie die Katze um den heißen Brei. Sie meinte, mir Signale ihrer Zuneigung zu geben und ich ihr. Aber keiner von uns hat diese verstanden. Wir waren beide verdammt schüchtern. Und jetzt sind wir seit dreiundzwanzig Jahren verheiratet. Es hat funktioniert, sogar sehr gut.

War der Wechsel ins dramatische Fach ein logischer Schritt? Ihre komischen Rollen hatten auch immer etwas Tragisches.

Darüber habe ich nie so genau nachgedacht. Aber wahrscheinlich haben Sie recht. Eines meiner großen Idole ist Peter Sellers. Und er hat es immer geschafft, die komischsten, aber eben auch dramatische Rollen mit demselben Engagement zu spielen. In seinen Komödien hat er auch nie im übertragenden Sinne dem Publikum zugezwinkert, um zu signalisieren: Hey, ich bin es doch eigentlich, Peter Sellers. – Er ist ganz in den Rollen aufgegangen, hat versucht, dahinter zu verschwinden. Ich habe immer Sellers im Hinterkopf und versuche, diesem Stil nachzueifern. Natürlich habe ich damit weniger Erfolg als er. Aber das ist meine Inspiration.

Was ist die nächste Herausforderung?

Ich werde das Drama-Kapitel erst einmal abschließen. Ich arbeite wieder an einem komischen Stoff. Es soll eine Fernsehserie mit Reese Witherspoon und Jennifer Aniston werden. Danach kommt eine weitere Komödie. Ich bin offen für alles. Hauptsache, ich habe ein bisschen Angst dabei.

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