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Japanischer Kaiser : Stelldichein mit Sonnengöttin

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Tausend Jahre alter Ritus: Nur kurz ist der Kaiser zu sehen, dann zieht er sich zur geheimnisvollen Zeremonie zurück. Bild: AP

Der neue japanische Kaiser Tenno Naruhito verbringt eine Nacht mit der Sonnengöttin Amaterasu Omikami – es ist der letzte Akt der Kaiserwerdung. Was genau inmitten der Schreinanlage geschieht, ist geheim.

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          Der letzte Akt der Kaiserwerdung des japanischen Tenno Naruhito, das Daijosai, ist an geheimnisvoller Mystik nicht zu überbieten. Nach einer rituellen Reinigung betrat Naruhito am Donnerstagabend gegen 19 Uhr in weißen Gewändern im Fackelschein eine hölzerne Halle im Palastgarten, um dort eine Nacht mit der Sonnengöttin Amaterasu Omikami zu verbringen. Ministerpräsident Shinzo Abe und mehr als 500 Gäste verfolgten die Zeremonie außerhalb der Schreinanlage. Mitglieder der kaiserlichen Familie verbeugten sich in Nebengebäuden. Doch im Innersten der Anlage war der Kaiser allein. Nach konservativem Glauben stammt der Tenno in direkter Linie von der Sonnengöttin Amaterasu ab, auch wenn Naruhitos Großvater, der Showa-Kaiser Hirohito, nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg seine Göttlichkeit verloren hatte.

          Die Daijosai-Zeremonie dient einer virtuellen Vereinigung des Tennos mit der Sonnengöttin und den Ahnen. Was genau inmitten der Schreinanlage geschieht, ist geheim und nur dem Kaiser bekannt. Fachleute sprechen von einem Erntedankfest, in dem der Kaiser der Sonnengöttin und anderen Göttern Reis, Meeresfrüchte und Sake aus Teilen Japans opfert und mit ihnen teilt, verbunden mit Gebeten für den Frieden und für eine gute Ernte. Doch halten sich Gerüchte, dass er auch sexuelle Akte mit der Sonnengöttin simuliere. Eine ähnliche Zeremonie wiederholt der Kaiser nach Mitternacht in einem zweiten Hauptgebäude der Anlage.

          Die hölzernen Schreine im Palastgarten mitten in Tokio wurden auf einer Fläche von 90 mal 90 Metern nur für diese Zeremonie gebaut und werden in wenigen Wochen wieder abgerissen. Die japanisch Bevölkerung bekommt zuvor die Gelegenheit, die Gebäude zu besichtigen. Die mehr als zwei Dutzend Bauten auf dem Gelände und die Zeremonie kosten den Steuerzahler 2,7 Milliarden Yen (22,3 Millionen Euro). Nicht nur wegen der Höhe, sondern vor allem wegen der Finanzierung durch den Staat gibt es in Japan Klagen und Gerichtsverfahren gegen die Zeremonie. Kritiker sehen in dem schintoistischen Ritus einen Verstoß gegen die in der Verfassung festgeschriebene Trennung von Staat und Religion. Selbst Kronprinz Akishino hatte sich im vergangenen Jahr dieser Kritik angeschlossen, obwohl er zur politischen Neutralität verpflichtet ist.

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