https://www.faz.net/-gum-9krxg

Auf dem Nockherberg : „Kein Schauspiel – das bleibt dein Kompetenzbereich, Markus“

  • Aktualisiert am

Maxi Schafroth hält beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg die Fastenpredigt. Bild: dpa

Traditionell werden die Politiker bei dem Starkbieranstich auf dem Münchener Nockherberg verspottet. Dabei gab es dieses Jahr gleich mehrere Premieren.

          Premiere beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg: Zum ersten Mal hat der Kabarettist Maxi Schafroth die versammelte Polit-Prominenz mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) an der Spitze mit Spott und teils bissiger Kritik überzogen. Vor allem auf die CSU, auf Söder oder Innenminister Joachim Herrmann, hatte es Schafroth in seiner Fastenrede am Dienstagabend abgesehen, aber auch auf die Freien Wähler als neuen CSU-Koalitionspartner.

          Schafroth sagte, er habe sich bewusst dagegen entschieden, in einer bestimmten Rolle aufzutreten, wie in den vergangenen Jahren Luise Kinseher als „Mama Bavaria“. „Kein aufgesetztes Schauspiel hier oben – das ist und bleibt dein Kompetenzbereich, lieber Markus.“ Über die CSU lästerte er, die sei jetzt grün, sozial, dynamisch. Das erinnere ihn „an unsere alte Dorfwirtschaft. Die haben auch kurz vor der Insolvenz noch einmal eine dicke Speisekarte gedruckt.“

          Schafroth wurde aber noch kritischer: „Ich hab mal ministriert. Und wenn die CSU behauptet, sie wäre eine christliche Partei, dann könnte ich als Ex-Ministrant auch behaupten, dass ich ein Allgäuer Schweigemönch bin.“ Aufs Korn nahm er unter anderem die Asylpolitik der CSU. Im bayerischen Innenministerium sage man ja: „Dunkle Augen schwarzes Haar, drohende Gefahr.“ Ressortchef Herrmann sei „der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben“. Der glaube an Nächstenliebe, aber dafür brauche man einen Pass. „No Passport, no Nächstenliebe.“

          Ilse Aigner (rechts), Markus Söder (CSU) und seine Frau Karin Bilderstrecke

          Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte Schafroth ein „rotbackertes Kachelofenkind“ und spottete: „Natürlich hat man Angst vor Elektroautos und Stromtrassen, wenn man als Kind mal übern elektrischen Weidezaun gebieselt hat.“ Zu Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sagte er: „So kindlich jung. Wenn ich du wär, würd ich schauen, dass ich nach dem Gottesdienst schnell aus der Kirch raus komm.“ Zu Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze: „diese Schülersprecher-Power“. Und über die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) lästerte er: „Dass ihr die Stamm aus dem Sitzungssaal rausgekriegt habt, das war logistisch ja ein Industrieanlagen-Rückbau.“ Stamm sei dort verwachsen gewesen. „Man wusste gar nicht mehr, wo hört der Stuhl auf, wo fängt die Stamm an.“

          Am Ende bekam Schafroth viel Applaus. Söder nannte dessen Rede, großartig, witzig, fair und „wirklich extrem unterhaltsam“. „Das war für eine Premiere (...) eine der besten Premieren, die jemand gemacht hat.“ Schafroth habe „wirklich gute Treffer gelandet“. Aiwanger sagte: „Ich bin oft drangekommen, das war ganz zufriedenstellend.“

          Im anschließenden Singspiel sollte das neue bayerische Polit-Tandem aus Söder und dessen Stellvertreter Aiwanger im Zentrum stehen. Für Söder selber war es eine Premiere: Erstmals seit seiner Wahl im Landtag im März 2018 saß er als Ministerpräsident im Publikum. Sein Vorgänger, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), fehlte dagegen.

          Weitere Themen

          Einmal fand er sogar  einen Schrumpfkopf

          Zolldeklarant : Einmal fand er sogar einen Schrumpfkopf

          Getrocknetes Affenfleisch, geschmuggelte Brillen und ein Römerhelm - erstaunlich, auf was der Schweizer Zolldeklarant Roger Zeiter so alles stößt.

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.