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Interview mit Mark Hamill : „Dieser Beruf bricht dir das Herz“

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Ich wollte immer Charakterdarsteller sein. Ich habe immer alles gegeben, egal ob ich auf der großen Bühne stand oder am Off-Broadway vor 900 Zuschauern gespielt habe. Irgendwann war ich dann ja als Sprecher sehr erfolgreich, zum Beispiel in der Rolle des Joker in den Batman-Trickfilmen. Da konnte ich dann ganz in der Rolle verschwinden, weil man mich nicht einmal sehen konnte. Das hatte etwas Befreiendes.

Als Sohn eines U.S. Navy Captains mussten Sie in ihrer Kindheit ständig umziehen. Wie hat Sie das geprägt?

Ich musste mich ständig neu erfinden. Und immer wenn ich neue Freunde gefunden hatte, konnte ich mich schon wieder verabschieden. Das war schwer. Und wenn ich gerade herausgefunden hatte, was in San Diego gerade cool ist, wie man spricht oder sich anzieht, zogen wir an die Ostküste. Da waren dann wieder ganz andere Sachen angesagt. Ich war immer der Außenseiter und führte die Existenz eines Chamäleons. Alles, was ich wollte, war dazuzugehören. In zwölf Jahren bin ich auf neun verschiedene Schulen gegangen! Das will ich niemandem wünschen. Deshalb habe ich mir schon damals vorgenommen: Sollte ich mal eine Familie haben, werde ich sie das nicht durchmachen lassen. Und nun sehen Sie, was aus mir geworden ist: ein Schauspieler, der mit jedem neuen Job ständig reisen muss.

Wie militärisch war die Erziehung Ihres Vaters?

Er war schon ein Zuchtmeister und streng. Meine Mutter hatte dagegen eine weiche Seite, wenn es um meine seltsamen Vorlieben ging. Ich habe damals mit meinem kleinen Kassettenrecorder Dracula-Filme aufgenommen und Bela Lugosi imitiert. Meine Mutter sagte dann sanft: „Schatz, es ist toll, dass du das kannst. Aber es wird dir später im Leben nicht weiterhelfen.“ Ich liebte Comics und baute kleine Frankenstein-Figuren, während mein älterer Bruder Arzt werden wollte. Ich habe dann einmal ein Gespräch meiner Eltern belauscht, in dessen Verlauf mein Vater fragte: „Sue, was haben wir mit diesem Kind falsch gemacht?“ Denn sie dachten ernsthaft, ich sei verrückt. Ich zog dann im Sommer 1969 nach L.A. und lebte auf der Laurel Avenue, wo ganz in der Nähe die Manson-Morde geschahen. Ich wohnte ganz allein in diesem winzigen Einzimmerapartment und hatte fürchterliche Angst. Ich besaß nicht mal ein Telefon, Fernseher oder Plattenspieler. Ich hatte lediglich eine Lampe. Und da dachte ich: Vielleicht hatten meine Eltern doch recht?

Würden Sie Ihren Beruf weiterempfehlen?

Nein. Ich werde ja oft als Gastdozent in Schauspielschulen eingeladen. Und da versuche ich immer, jungen Menschen die Schauspielerei auszureden.

Warum?

Weil dir dieser Beruf das Herz bricht. Selbst wenn man talentiert ist, macht einen diese permanente Zurückweisung fertig. Irgendetwas passt immer nicht. Du bist zu groß, zu klein, zu dünn, zu fett, die Farbe deiner Haut passt nicht oder sie finden deine Zähne hässlich. Es ist verrückt. Die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, ist minimal. Wenn es irgendetwas anderes gibt, das du kannst und das dich begeistert, mach es.

Hätten Sie diesen Rat befolgt?

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