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Südafrikaner Gerrie Nel : Vom Star-Ermittler zum Privatdetektiv

  • -Aktualisiert am

Brisante Personalie: Gerrie Nel Bild: AP

Er hat Oscar Pistorius hinter Gitter gebracht. Jetzt ist der berühmte südafrikanische Staatsanwalt Gerrie Nel überraschend zurückgetreten. Im Auftrag einer Bürgerrechtsorganisation nimmt er sich künftig besonders delikater Fälle an.

          Er hat den ehemaligen Sportstar Oscar Pistorius wegen Mordes an seiner Freundin hinter Gitter gebracht und den ehemaligen südafrikanischen Polizeichef Jackie Selebi der vielfachen Bestechlichkeit überführt: Der gefeierte Staatsanwalt Gerrie Nel hat am Dienstag nach 35 Jahren im Dienst der Strafverfolgungsbehörden überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Mann, der wegen seines aggressiven Auftretens vor Gericht den Beinamen „Pitbull“ trägt, erklärte den Rücktritt mit dem Bedürfnis, „andere Interessen“ verfolgen zu wollen.

          Diese anderen Interessen allerdings könnten Nel alsbald wieder ins Rampenlicht befördern. Am Dienstag hieß es in Johannesburg aus Kreisen der Polizei, Nel werde ein privates Ermittlerteam von AfriForum leiten. Die Bürgerrechtsorganisation versteht sich als Lobbygruppe vor allem für Afrikaans-sprachige Südafrikaner. Der Chef der Organisation, Kallie Kriel, wollte sich am Dienstag nicht zu der Personalie äußern.

          Die Strafverfolgungsbehörden in Südafrika sind unter Präsident Jacob Zuma in einem Maße politisch instrumentalisiert worden, dass von Unabhängigkeit keine Rede mehr sein kann. Die letzte tatsächlich unabhängige Ermittlereinheit waren die „Scorpions“, eine auf organisierte Kriminalität spezialisierte Sondereinheit, die kurz vor Zumas Amtsantritt im Mai 2009 aufgelöst wurde, nachdem sie wegen des Verdachts auf Korruption gegen Zuma ermittelt hatte. Die Nachfolgeorganisation „Hawks“ (Habichte) hat vor allem wegen politischer Durchstechereien auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt hatten die Hawks gegen Finanzminister Pravin Gordhan ermittelt, nachdem dieser sich gegen Zumas Versuch gestellt hatte, das Finanzministerium unter seine Kontrolle zu bekommen.

          Nel soll sich als privater Ermittler fortan solcher Fälle annehmen, die „aus politischen Gründen nicht angefasst werden“, hieß es in Johannesburg. Damit sind Korruptionsfälle gemeint, in denen die vermeintlichen Täter sich schon deshalb nicht vor den Strafverfolgern fürchten müssen, weil sie der Regierungspartei African National Congress (ANC) nahestehen. Davon gibt es viele, und der prominenteste ist der als „Guptagate“ bekanntgewordene Fall der südafrikanischen Unternehmerfamilie Gupta, die gute Verbindungen zu Zuma unterhält und offenbar Einfluss auf die Besetzung von Ministerposten hat.

          Nach unbestätigten Informationen soll neben Nel auch der private Ermittler Paul O’Sullivan zur neuen Mannschaft von AfriForum stoßen. O’Sullivan ist der Mann, der gegen alle Widerstände dem ehemaligen südafrikanischen Polizeichef und Chef von Interpol, Jackie Selebie, Bestechlichkeit und enge Kontakte zur organisierten Kriminalität nachweisen konnte. Seit Jahren führt er eine Art Privatkrieg gegen die seiner Meinung nach „durch und durch korrupte“ Polizeiführung. Dem gegenwärtigen Chef der Sonderermittler „Hawks“ etwa, Mthandazo Ntlemeza, wirft er Betrug, Meineid und Amtsmissbrauch vor.

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