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Wort des Jahres : Covfefe!

Es geht bergab: Zuerst verliert Donald Trump das „Person of the year“-Titelblatt des Time-Magazins an mutige Frauen, jetzt macht er keinen Stich beim Kampf um das Wort des Jahres in Deutschland. Bild: Reuters

Donald Trump dürfte kurz vor dem nuklearen Erstschlag stehen. Seine kryptische Twitter-Wortbildung ist bei der Wahl zum „Wort des Jahres“ noch nicht einmal unter den ersten Drei gelandet.

          Als „Wörter des Jahres 2017“ hätte man sich einiges vorstellen können: „ergebnisoffen“, „Lindner“, „Christian“ oder „ich“, letzteres schon wegen der Häufigkeit des Gebrauchs. Aber um diese geht es der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die seit 1977 das Wort der Wörter kürt, nicht zuvorderst. Vielmehr sollen mit der Wahl vor allem wichtige zeitgeschichtliche Entwicklungen – gute wie schlechte – abgebildet werden, unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands. Und so haben die Mitglieder des Hauptvorstands der GfdS sowie wissenschaftliche Mitarbeiter gewählt: Auf Platz zehn unter insgesamt etwa 2000 Vorschlägen, die auch von normalen Bürgern eingereicht werden konnten, schaffte es das aus dem Dänischen eingedeutschte „hyggelig“. Der Begriff versucht ein Lebensgefühl auszudrücken, das man am besten nachempfinden kann, wenn man mit Noppensocken vor dem Kamin sitzt, seinen Hund streichelt und sich dabei vorstellt, Katrin Göring-Eckardt zu sein.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Platz neun: „Denkmal der Schande“. Die Wendung wurde vom AfD-Politiker Björn Höcke für das Berliner Holocaust-Mahnmal verwendet. Die Anführungszeichen stammen in diesem Fall von der Jury selbst, um kenntlich zu machen, dass es sich um ein „kritisches Zitat“ handele, „nicht um eine zustimmende Übernahme“. Platz acht, der „Videobeweis“, dokumentiert den Anspruch der Jury, vielfältige Gegenwartsfelder abzudecken. Das könnte man, mangels besserer Begründung, auch für Platz sieben anführen: „Diesel-Gipfel“. Immerhin auf Platz sechs schaffte es die „Obergrenze“, ein Achtungserfolg für die CSU. Platz fünf: die „Echokammer“. Die Jury beschreibt sie als „kommunikative Inzucht“, was als Begriff fast hübscher ist.

          Donald Trump dürfte derweil kurz vor dem nuklearen Erstschlag stehen, denn seine kryptische Twitter-Wortbildung „covfefe“ ist noch nicht einmal unter den ersten Drei. Bis heute ist zwar unklar, ob er sich seinerzeit bloß versehentlich auf sein Smartphone gesetzt hatte. Dennoch sieht die Jury in covfefe „das Symbol für den populistischen Politikstil dieser Tage: neumedial gestützte Informationsverknappung“.

          Da hatten sie noch gut lachen: Christian Lindner, Katrin Göring-Eckhardt und Wolfgang Kubicki.

          Über die Reihenfolge der Top Drei gab es offenbar angeregte Diskussionen. Ist die Tatsache, dass es der Hashtag „#MeToo“ nur auf den Bronzerang geschafft hat, ein Zeichen dafür, dass die GfdS womöglich ein Sexismus-Problem hat? Platz zwei immerhin ging an die „Ehe für alle“, wobei die Jury die Formulierung „für alle“ als „leicht falsch zu interpretieren“ ansieht. Die Nummer eins, „mit deutlicher Mehrheit“ gewählt, mag eine Entschädigung dafür sein, dass es „Lindner“ nicht gepackt hat: „Jamaika-Aus“.

          Die Jury thematisiert damit ihrer eigenen Ansicht nach „nicht nur die besonderen Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung“, sondern lenkt auch den Blick auf eine „interessante Wortbildung“. Mit der Substantivierung „das Aus“ werde umgangssprachlich auf das Ende von etwas verwiesen. Die Zusammensetzung „Jamaika-Aus“ bringe somit den komplexen Sachverhalt „Abbruch der Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Koalition“ zum Ausdruck. Covfefe!

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