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Serdar Yüksel über Rettung : „Ich habe nur meine Pflicht getan“

War Pfleger auf einer Intensivstation: SPD-Politiker Serdar Yüksel Bild: privat

Der Mitarbeiter der AfD-Fraktion stand auf und sackte während einer Sitzung zusammen. Wie SPD-Parlamentarier Serdar Yüksel ihm das Leben rettete.

          2 Min.

          Herr Yüksel, Sie sind SPD-Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag. Am Mittwoch haben Sie während einer Sitzung des Gesundheitsausschusses einem Mitarbeiter der AfD-Fraktion das Leben gerettet. Wie kam es dazu?

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Um das vorab klarzustellen: Ich bin kein Held, ich habe nur meine Pflicht getan. Einem Menschen, der in Not ist, zu helfen, ist selbstverständlich.

          Es war aber doch ziemlich dramatisch.

          Das schon. Der Mann wäre gestorben, wenn ihm nicht unmittelbar geholfen worden wäre. Wir waren bei Tagesordnungspunkt zehn angekommen, da stand der wissenschaftliche Mitarbeiter der AfD-Fraktion plötzlich auf, ging ein paar Meter und sackte wie ausgeknipst zusammen. Ich war 15 Jahre lang Fachpfleger auf der Intensivstation in einem Bochumer Krankenhaus. Als ich sah, dass er einen Atemstillstand hatte und als ich keinen Puls fühlen konnte, war klar: Herzstillstand. Ich habe dann mit der Herz-Druck-Massage begonnen und die Abgeordnete Susanne Schneider von der FDP gebeten, die Mund-zu-Nase-Beatmung zu übernehmen. Sie war früher Krankenschwester. Nach vielleicht fünf Minuten hatte der AfD-Mitarbeiter einen leichten Puls, wirkte nach einigen Sekunden aber wieder wie ausgeknipst, sodass wir sofort weitergemacht haben. Nach zwölf Minuten waren die Rettungssanitäter und der Notarzt da, dem wir den Patienten dann schon stabil übergeben konnten.

          War der Patient tatsächlich schon wieder ansprechbar?

          Ja. Der Notarzt äußerte sich sehr beeindruckt darüber, wie wir das hinbekommen hatten. Ich hoffe sehr, dass der Mann schnell wieder auf die Beine kommt. An diesem Freitag werde ich ihn im Krankenhaus besuchen.

          Sie sagen bescheiden: Das war für mich eine Selbstverständlichkeit. Warum?

          Zum einen: Wenn so etwas passiert, da kann man mich nachts um drei Uhr wecken, da habe ich nichts verlernt. Man agiert nach einem professionellen Muster. Vor zwei Jahren hatte ich einen ähnlichen Fall im Zug und einen weiteren erst im März im Flugzeug. Zum zweiten: In Notsituationen müssen sich Menschen beistehen. Da spielen auch politische oder parteiliche Präferenzen keine Rolle. Was ich getan habe, würde ich immer wieder und für jeden tun. Ich freue mich über die Anerkennung, die mir so viele nun zuteil werden lassen. Ich möchte das aber sofort weiterreichen an die Kollegen, die jeden Tag unter immer schwierigeren Bedingungen im Krankenhaus Menschen pflegen und retten. Das sind die wahren Helden. Da aber nun mal über mein Handeln so breit berichtet wird, möchte ich das gerne für eine Botschaft nutzen.

          Welche Botschaft ist das?

          Liebe Leute, bitte frischt eure Erste-Hilfe-Kurse auf! Bei den meisten sind sie Jahre oder Jahrzehnte her. Rafft euch auf, geht nochmal zum Roten Kreuz oder zum Arbeiter-Samariter-Bund. Schon an einem Vormittag bekommt man ein gutes Update. Es ist eines der schönsten Geschenke des Lebens, einem Menschen in Not beistehen zu können, zumal dieser Mensch jederzeit auch ein enger Angehöriger sein kann.

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