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Spanisches Königshaus : Der Herzog bedauert den Imageschaden

  • -Aktualisiert am

Gefährliche Neigung: Prinzessin Cristina und ihr Mann Iñaki Urdangarin bei der Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin in Stockholm im Juni 2010 Bild: AFP

Die Korruptionsaffäre um Juan Carlos’ Schwiegersohn Iñaki Urdangarin wird heikler. Nun kündigte der Herzog an, dass fortan ein Rechtsanwalt für ihn sprechen wird. Das dürfte bald nötig werden.

          Das letzte Mal wurde der Schwiegersohn von König Juan Carlos in offizieller Funktion am 12. Oktober, dem spanischen Nationalfeiertag, in Madrid gesichtet. Dann machte Iñaki Urdangarin, der seit drei Jahren mit seiner Frau, der Infantin Cristina, und ihren vier Kindern in Washington ansässig ist, im November einen Blitzbesuch im Zarzuela-Palast und sprach dort kurz mit dem Monarchen und dem Kronprinzen über jene Korruptionsaffäre, in der gegen ihn als erstes Mitglied der Königsfamilie ermittelt wird.

          In der vorigen Woche kam schließlich symbolische Unterstützung in Gestalt von Königin Sofía in die amerikanische Hauptstadt. Während sie sich mit ihrer Tochter und dem Herzog von Palma für eine loyale Zeitschrift fotografieren ließ, veröffentlichte zu Hause das Königshaus eine Verlautbarung, wonach die Infantinnen Cristina und Elena Mitglieder der „familia real“ seien und blieben.

          „Nichts mit meinen privaten Aktivitäten zu tun“

          Konnte es daran Zweifel geben? Es gab immerhin Spekulationen, wonach der König wegen der undurchsichtigen Geschäfte des Herzogs gleich beide Töchter degradieren und bei öffentlichen Anlässen in den Hintergrund verbannen könnte. Dem wollte man im Palast entgegenwirken - wo seit der Nachricht von Anfang November, dass ein Richter die Millionenverträge, die Urdangarin mit zwei spanischen Regionalregierungen für seine angeblich gemeinnützige Stiftung Nóos geschlossen hat, wegen des Verdachts des Missbrauchs öffentlicher Gelder untersuche.

          Am Wochenende meldete sich nun der Herzog, der in einer ersten Einlassung seine Unschuld und Ehre zu verteidigen gelobt hatte, zum zweiten Mal zu Wort. Dieses Mal beklagte er den „schweren Schaden für den Ruf meiner Familie und des Hauses Seiner Majestät“, die all die „Informationen und Kommentare“ ihn betreffend angerichtet hätten. Zu deren Inhalt äußerte er sich nicht. Die Familie, so versicherte er aber, habe „nichts mit meinen privaten Aktivitäten zu tun“. Im Übrigen werde fortan ein Rechtsanwalt in Barcelona für ihn sprechen.

          In keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen

          Das dürfte bald nötig werden, weil der Ermittlungsrichter, der schon den Vertrauten des Herzogs und ehemaligen Nóos-Präsidenten Diego Torres zu einem „Verdächtigen“ erklärt hat, nach Sichtung der bei diversen Durchsuchungen beschlagnahmten Materialien das Gleiche mit Urdangarin machen könnte. In dem „Fall Babel“ geht es darum, dass die Stiftung, welcher der Herzog vor seinem - vielen noch immer seltsam anmutenden - Umzug nach Washington drei Jahre lang vorstand, für die Organisation von Sport- und anderen Spezialveranstaltungen mehr als fünf Millionen Euro eingenommen habe. Diese Gelder, für die es, so der Richter, nicht ausreichend korrekte Belege gebe und die in keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen gestanden hätten, seien außerdem durch mehrere andere Firmen des Herzogs in dunkle Kanäle bis in die Karibik weitergeleitet worden.

          In dem Firmennetz, in dem Urdangarin und Torres sich praktisch selbst Aufträge erteilt hätten, habe es an Transparenz und Wettbewerb bei öffentlichen Ausschreibungen gefehlt. Daher rühre der Verdacht, dass die beiden Nóos-Repräsentanten große Summen in die eigenen Taschen gesteckt haben könnten.

          Für den wegen der gravierenden spanischen Wirtschaftskrise in Gelddingen besonders sensiblen König kam der „Fall Babel“ zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Er hatte zuletzt besonders seinen beiden Töchtern eingeschärft, dass sie „arbeiten, aber keine Geschäfte machen“ dürften. Da waren aber die Geschäfte des Schwiegersohnes, die aus den Jahren 2004 bis 2006 datieren, schon nicht mehr reparabel. Der ehemalige Handballspieler aus dem Baskenland, der seit 14 Jahren mit der Infantin Cristina verheiratet ist, mag Böses geahnt haben, als er ohne wirklich plausible Erklärung ins Ausland ging.

          Nun hat ihn daheim ein Wust von Problemen eingeholt, von denen sich das Königshaus im eigenen Interesse distanzieren will. So hieß es in dem Kommuniqué auch nicht explizit, dass der Herzog Familienmitglied sei und bleibe. Vielmehr gab man im Zarzuela-Palast diskret zu verstehen, dass er so wie jeder andere Spanier vor der Justiz gleich sei - und gegebenenfalls seine Suppe selbst auslöffeln müsse.

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