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Spanier Juan Carlos : Des Königs Geldwäsche

König Juan Carlos von Spanien im März in Chile Bild: dpa

Tonmitschnitte scheinen zu belegen, dass Juan Carlos sich kaufen ließ. Zu hören ist Corinna zu Sayn-Wittgenstein, eine „innige Freundin“ des Königs.

          Dass Corinna zu Sayn-Wittgenstein eine „innige Freundin“ von Juan Carlos war, ist schon seit 2012 bekannt. Damals begleitete die 30 Jahre jüngere Deutsche den spanischen Monarchen zur Elefantenjagd nach Botswana, bei der sich Juan Carlos die Hüfte brach. Die Gefährtin des Königs, die ihren Adelstitel einer kurzen Ehe mit Casimir zu Sayn-Wittgenstein verdankt, unterhielt offenbar auch engere geschäftliche Beziehungen zu dem Spanier. So war sie mit Juan Carlos viel unterwegs – auch auf offiziellen Besuchen in Deutschland und Saudi-Arabien. Dort ging es dem König allem Anschein nach nicht nur um die Förderung der Exportchancen der spanischen Wirtschaft, sondern auch um seinen eigenen Vorteil.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Diesen Eindruck erwecken Tonmitschnitte eines Gesprächs mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein, welche die beiden spanischen Online-Zeitungen „El Español“ und „Okdiario“ in dieser Woche veröffentlichten. Demnach ist auf den Bändern eine Frauenstimme zu hören, die sagt, Juan Carlos habe eine Provision von rund 80 Millionen Euro bekommen. Seiner Intervention war es im Jahr 2011 wesentlich zu verdanken, dass einem spanischen Konsortium der Auftrag für den Bau eines Hochgeschwindigkeitszugs von Medina nach Mekka im Wert von fast sieben Milliarden Euro erteilt wurde. Nach dem Vertragsabschluss wunderte sich Corinna zu Sayn-Wittgenstein, als ihr auf einmal eine größere Summe überwiesen wurde. Auf die Frage, woher das Geld stamme, habe der König geantwortet: aus Saudi-Arabien. Als sie Bedenken wegen Geldwäsche äußerte, habe er nur gesagt, sie sei „so deutsch“.

          Ohne ihr Wissen wurden ihr zudem Immobilien überschrieben, wie auf dem Mitschnitt zu hören ist. Dazu gehörte eine Liegenschaft in Casablanca, die der marokkanische König Mohamed VI. Juan Carlos geschenkt haben soll. Das sei nicht geschehen, „weil er mich so sehr liebt, sondern weil ich in Monaco wohne“, so Corinna zu Sayn-Wittgenstein. Offenbar sollten so die spanischen Finanzbehörden umgangen werden. „Er unterscheidet nicht zwischen dem, was legal ist und was illegal ist“, hält die 53Jahre alte Deutsche dem spanischen König vor. Neben ihr habe auch ein Neffe von Juan Carlos bei der Nutzung Schweizer Konten, von denen höhere Reisekosten für sie beide beglichen wurden, eine Rolle als Strohmann gespielt.

          Audiodateien als Beweismittel

          Nach Angaben der beiden Onlinepublikationen stammen die Aufnahmen aus einem Gespräch, das Corinna zu Sayn-Wittgenstein im Jahr 2015 in London mit dem spanischen Polizeioffizier José Manuel Villarejo führte. Der seit dem vergangenen Jahr wegen Korruptionsvorwürfen inhaftierte Beamte habe die Unterhaltung heimlich mitgeschnitten. Seine Anwälte bestritten, dass Villarejo die Aufnahmen nur lanciert habe, um sich jetzt selbst zu helfen, wie in der spanischen Presse spekuliert wird.

          In einer eigenen Erklärung zog Corinna zu Sayn-Wittgenstein die Echtheit der Mitschnitte nicht in Zweifel. Sie betonte, dass sie immer „völlig korrekt“ gehandelt habe, obwohl jahrelang versucht worden sei, sie durch Falschinformationen unter Druck zu setzen und zu diskreditieren. In dem Gespräch hatte sie sich unter anderem auch darüber beschwert, dass sie und ihre Kinder vom spanischen Geheimdienst massiv bedroht worden seien und Juan Carlos das gewusst habe.

          In Spanien fragt man sich nun, ob die Audiodateien als Beweismittel herangezogen werden können, um juristisch gegen Juan Carlos vorzugehen. Er hatte 2014 abgedankt und damit auch seine Immunität verloren. Sein Sohn und Nachfolger Felipe VI. arbeitet seit seiner Thronbesteigung hart daran, den ramponierten Ruf des Königshauses zu retten. Erst vor kurzem musste er einen schweren Rückschlag hinnehmen, als sein Schwager Iñaki Urdangarin eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten wegen Korruption antreten musste. Die Aufnahmen mit Corinna zu Sayn-Wittgenstein belegen nun, dass Urdangarins Schwiegervater offenbar viel stärker in diese Affäre verstrickt ist, als bisher bekannt war.

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