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Spanische Thronfolgerin Leonor : Prinzessin zur Ausbildung

Erster Solo-Auftritt: Prinzessin Leonor am Mittwoch in Madrid Bild: Reuters

König Felipe VI. will die spanische Monarchie modernisieren. Seine Tochter Leonor folgt deshalb minutiös seinem Beispiel und absolvierte nun mit 15 Jahren ihren ersten Solo-Auftritt. Auch die nächsten Schritte stehen schon fest.

          3 Min.

          Die etwas zu große FFP2-Maske schützt sie vor dem Coronavirus – und verbirgt Leonors Anspannung. Am Mittwoch geht die spanische Kronprinzessin allein die prächtige Treppe im Hauptsitz des Cervantes-Instituts hinauf. Die 15 Jahre alte Thronfolgerin wird erwachsen. Inzwischen trägt sie keine Ballerinas mehr. Auf ihren schwarzen Pumps, die sie zu ihrem pastellfarbenen Volantkleid kombiniert, ist sie größer als die stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo, die sie zu dem offiziellen Besuch aus Anlass der Gründung des spanischen Auslandskulturinstituts vor 30 Jahren begleitet. Sie wirkt konzentriert, winkt und grüßt zurückhaltend. Nur einmal ist ihre Stimme kurz zu hören, als sie über ein Mikrofon fragt, wie die Cervantes-Mitarbeiter im Ausland mit der Pandemie zurechtkommen, ob sie nach Hause reisen dürfen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Leonor hat zuvor schon an der Seite von Felipe und Letizia kurze Reden gehalten. Aber ihr erster Solo-Auftritt ist nicht weniger wichtig: Die königliche Familie versucht, aus dem langen Schatten zu treten, der wegen der Korruptionsvorwürfe gegen ihren Großvater Juan Carlos auf ihr lastet. Es wirkt fast verzweifelt, wie König Felipe VI. versucht, die Monarchie zeitgemäß zu interpretieren und neue Traditionen zu begründen. Minutiös folgt Leonors Lebensweg seinem Beispiel. Als der künftige König 15 Jahre alt war, ging es ohne seine Eltern auf eine erste Dienstreise. Er begleitete den damaligen Ministerpräsidenten Felipe González nach Kolumbien. Für die Tochter wählten die Eltern ein näheres Ziel im Zentrum von Madrid, dem es an Symbolik nicht mangelt. Das Cervantes-Institut steht für das Kulturerbe Spaniens und seine Beziehungen in die Welt.

          Die nächsten Schritte stehen schon fest

          Dort hatte Leonor an ihrem 13. Geburtstag 2018 zum ersten Mal öffentlich gesprochen. Damals las sie nur drei Sätze aus der spanischen Verfassung, die in dem Jahr 40 Jahre alt wurde. Im folgenden Herbst verlieh sie in Oviedo dann die nach ihr benannten „spanischen Nobelpreise“. Sie war genauso alt wie ihr Vater bei seiner ersten Rede 38 Jahre zuvor – und machte es besser. Angeblich hatte sie mit ihrer Mutter Letizia geübt, die früher Fernsehmoderatorin war. Zuletzt meldeten sich Leonor und zum ersten Mal ihre jüngere Schwester Sofía vom Familiensofa im Zarzuela-Palast länger zu Wort. Während des harten Lockdowns im April lasen beide aus „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes vor, dessen Todestag sich am 23. April jährt. Kurz danach machten die Mädchen im Fernsehen vor allem den jungen Spaniern Mut: „Wir schicken euch eine Umarmung mit all unserer Liebe.“

          Am Mittwoch legt die Kronprinzessin im Tresorraum des Cervantes-Instituts beide Bücher ins Fach mit der Nummer 2021: das Exemplar der Verfassung und den „Don Quijote“, aus dem sie gelesen hatte. In dem gesicherten Keller der einstigen Bank werden Nachlässe bedeutender Persönlichkeiten verwahrt. Bis zum Mittwoch war es dem Königspaar wichtig, dass die Schwester der Kronprinzessin als gleichberechtigtes Familienmitglied bei allen wichtigen Auftritten Leonors und ihrer Eltern dabei war. Ansonsten schirmen die Eltern beide von der Öffentlichkeit ab, um ihnen eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu ermöglichen. Bald gehen die Schwestern jedoch getrennte Wege.

          Die nächsten Schritte stehen schon fest. Anfang September wird Leonor de Todos los Santos de Borbón y Ortiz, Fürstin von Girona, Fürstin von Viana, Erbin des Königreichs Kastilien, der Krone von Aragón und des Königreichs Navarra, Herzogin von Montblanc, Gräfin von Cervera und Herrin von Balaguer, Spanien verlassen. Bisher gingen sie und Sofía in die katholische Privatschule am Rande der Hauptstadt, die schon ihr Vater besucht hatte. Wie Felipe, der in ihrem Alter an ein College in Kanada wechselte, zieht die Prinzessin von Asturien vom Madrider Zarzuela-Palast in die mittelalterliche Burg St Donat’s Castle in Wales. Sie wird das UWC Atlantic College besuchen und das internationale Abitur ablegen. Leonor wird in Wales auf die niederländische Prinzessin Alexia treffen. Sprachen dürften für die Thronfolgerin kein größeres Problem sein. Sie spricht gut Englisch, lernt Französisch und angeblich auch Arabisch, dazu alle vier in Spanien gesprochenen Sprachen. Bei ihrem ersten Auftritt in Barcelona redete sie auf Katalanisch.

          Erst zum Militär, dann ein Studium

          Folgt sie dem Beispiel ihres Vaters und Großvaters, wird sie vor dem Studium eine Ausbildung beim Militär durchlaufen. Als künftige Königin muss sie sich dann wohl wie Felipe in ihrem Studium mit Politik, Jura und Wirtschaft befassen – obwohl ihr ein Interesse für Physik und Naturwissenschaften nachgesagt wird. Ob sie den Thron besteigt, hängt davon ab, ob die Modernisierungsbemühungen ihres Vater erfolgreich sind. Durch das „miserable“ Verhalten von Juan Carlos in seinen letzten Jahren auf dem Thron habe die Monarchie „ihre Würde verloren“, schreibt der Journalist José Antonio Zarzalejos in seinem jüngsten Buch. Er glaubt jedoch daran, dass Leonor eines Tages Königin wird.

          Zukünftige Königin? Leonor legt im Cervantes Institut ein Exemplar der spanischen Verfassung und „Don Quijote“ in den Tresor mit der Nummer 2021.
          Zukünftige Königin? Leonor legt im Cervantes Institut ein Exemplar der spanischen Verfassung und „Don Quijote“ in den Tresor mit der Nummer 2021. : Bild: EPA

          In Spanien fehlten die politischen Voraussetzungen dafür, „die Verfassung von 1978 zu stürzen, eine neue zu verabschieden und zu einer Republik zurückzukehren“. Die linksalternative Podemos-Partei, Koalitionspartner von Ministerpräsident Pedro Sánchez, wünscht sich hingegen eine Republik; das fordern katalanische Separatisten schon viel länger. Und aus Umfragen geht hervor: Je jünger die Befragten, desto weniger halten sie von der Monarchie.

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