https://www.faz.net/-gum-10qao

Spaniens Königin Sofía wird 70 : Für Obama, gegen Gay-Paraden

  • -Aktualisiert am

Königin Sofía vor gut dreißig Jahren mit der amerikanischen First Lady Betty Ford Bild: Associated Press

Sofía von Spanien hat rechtzeitig vor ihrem 70. Geburtstag ihre Diskretion abgelegt - und Homosexuelle gegen sich aufgebracht. In ihrer neuen Biographie spricht sie auch über ihre Ehe und ihre Schwiegertochter. Wir haben schon mal reingelesen.

          4 Min.

          Er nennt sie zu Hause zärtlich „Sofi“. Sie nennt ihn „Juanito“. Und wenn sie bei anderen über ihn spricht, fügt sie noch „der König“ hinzu. Das ist eine der eher harmlosen Enthüllungen, welche die Journalistin Pilar Urbano in einer soeben in Madrid vorgestellten und sonst bemerkenswert freimütigen Biographie der spanischen Königin Sofía aus Anlass ihres siebzigsten Geburtstags am Sonntag mitzuteilen weiß. Das Buch mit dem Titel „La Reina muy de cerca“ (Die Königin aus nächster Nähe), erschienen im Verlag Planeta, enthält zum ersten Mal Meinungen der Porträtierten zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen. Sie ist zum Beispiel für den Religionsunterricht in den Schulen, aber gegen Abtreibung und „würdigen Tod“ durch Euthanasie. Schließlich ist auch sie für Obama – so wie 96 Prozent ihrer „Untertanen“.

          Sofía trug es mit Fassung, als radikale Provinznationalisten in Katalonien unlängst Fotos des Königspaars verbrannten. Das seien ja „nur Papierfetzen gewesen, die verlöschten“. Auch was böswillige Karikaturen, Witze und üble Nachrede angehe, müsse man in ihrer Position immer die Nerven behalten. Sie sei zwar auch verletzlich und „nicht aus Stein“. Aber: „Könige verteidigen sich nicht.“

          Juan Carlos sollte ihr einen Maulkorb umbinden

          Genau dazu wurde sie indes kurz darauf gezwungen. Sie habe nichts dagegen, dass Homosexuelle zusammenlebten oder heirateten, so wird die Königin zitiert. „Aber dies darf man nicht als Ehe bezeichnen.“ Für solche Lebensgemeinschaften gebe es andere Bezeichnungen wie zum Beispiel Partnerschaftsvertrag. „Ich kann verstehen, akzeptieren und respektieren, dass es Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung gibt. Aber sollen sie darauf stolz sein? Sollen sie deshalb auf Wagen steigen und Umzüge abhalten?“, fragte die Königin. „Wenn wir alle, die wir keine Gays sind, auf Kundgebungen durch die Straßen zögen, bräche der Verkehr zusammen.“

          Die Hochzeit mit Juan Carlos 1962
          Die Hochzeit mit Juan Carlos 1962 : Bild: AP

          Nach empörter Kritik an diesen politischen Einlassungen von Seiten mehrerer Schwulen- und Lesbenorganisationen sowie der Linksparteien – die Sozialisten und die Konservativen schwiegen – ließ man am Hofe eine Erklärung verbreiten, wonach die Königin „nicht ganz exakt“ und überdies mit „privaten“ Äußerungen zitiert worden sei. Während sogar der König aufgefordert wurde, seiner für ihre Diskretion bekannten Gattin doch am besten einen „Maulkorb“ umzubinden, versicherte die Autorin, dass ihr Buch an entscheidender Stelle „gelesen und gebilligt“ worden sei. Darin steht auch als Antwort Sofías auf eine Frage Frau Urbanos: „Du hast mehr Meinungsfreiheit als ich.“

          Sie sieht sich als Freundin ihres Mannes

          Das spanische Königspaar, das in einem von Adelsskandalen recht freien Ambiente überdauert, macht nicht nur in der Öffentlichkeit einen bis zur Komplizenschaft reichenden solidarischen Eindruck. Sie, die als Sophia von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg am 2. November 1938 bei Athen geboren wurde und nach der Rückkehr von einer Lateinamerika-Reise mit ihrem Mann am Sonntag mit traditioneller Schlichtheit im Zarzuela-Palast ihren Siebzigsten feiern wird, hat ihr Verhältnis zu Juan Carlos von Bourbon und Bourbon einmal so geschildert: „Unsere Liebe hat sich zu einer Freundschaft entwickelt. Es ist eine große Freundschaft. Ich bin seine Gefährtin. Wir sind Reisegefährten.“ Der Platz, den sich die aus Griechenland mit Umwegen vor 46 Jahren nach Spanien eingewanderte Urenkelin des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. an der Seite Juanitos und in den Augen ihrer neuen Landsleute geschaffen hat, ist mehr als eine bescheidene Nische. Von der Zeit an, als sie noch den alten Diktator Franco charmierte, der sich reiflich überlegte, ob er ihren Mann wirklich zum Nachfolger als Staatschef und restaurierten König machen sollte, bis zum Übergang in die Demokratie mit einem versuchten Militärputsch und zu einer nunmehr drei Jahrzehnte währenden stabilen parlamentarischen Monarchie war sie nicht nur Gefährtin, sondern Beraterin und einflussreich diskreter Machtfaktor.

          Weitere Themen

          Die Lava verschlingt Häuser

          Vulkanausbruch auf La Palma : Die Lava verschlingt Häuser

          Zum ersten Mal seit 50 Jahren ist auf La Palma wieder ein Vulkan ausgebrochen. Mehr als 5000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, darunter hunderte Touristen. Riesige Lavamengen lassen vermuten, dass die Eruption nicht nur für kurze Zeit andauert.

          Topmeldungen

          Beim Grillfest der SPD in Rostock: Ministerpräsidentin Schwesig

          Schwesig im Wahlkampf : Als stünde sie allein im Ring

          Beflügelt durch die Beliebtheit der Ministerpräsidentin steht der SPD in Mecklenburg-Vorpommern ein historischer Sieg bevor. Wie ist das Manuela Schwesig gelungen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.