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Zum Geburtstag von Felipe VI. : Kühl und nachdenklich

Bei Königs zu Hause: Der spanische König Felipe mit Königin Letizia und den Prinzessinnen Leonor (links) und Sofia. Bild: AFP

Am Dienstag wird der spanische König Felipe VI. fünfzig Jahre alt. Über einen Monarchen, der langsam aus dem Schatten seines Vaters tritt.

          3 Min.

          Dem König wird kaum Zeit zum Feiern bleiben. Am Dienstag, dem 50. Geburtstag von Felipe VI., wollte sich Carles Puigdemont ursprünglich zum neuen Regionalpräsidenten von Katalonien wählen lassen. Doch die Parlamentssitzung wurde in letzter Minute vertagt. Danach hing alles von einer Entscheidung des Verfassungsgerichts ab. Von seinem Arbeitszimmer im Zarzuela-Palast aus wird König Felipe die ganze Woche über verfolgen, was in Katalonien passiert, und er wird engen Kontakt zur Regierung halten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Schon in seinen ersten drei Jahren als König hatte sich Felipe an seinem Geburtstag am 30. Januar nicht freigenommen; auch dieses Mal vermerkt der offizielle Terminplan des Königshauses keine Geburtstagsfeier. Das entspricht seinem Selbstverständnis als dienendem Monarchen. „Ser util“ versprach Felipe in seiner Thronrede am 19. Juni 2014: Er wolle für die Bürger Spaniens nützlich sein. Das heißt, dass bei den Bourbonen gearbeitet und nicht groß gefeiert wird. Selbst zum 80. Geburtstag seines Vaters Juan Carlos gab es im Königshaus Anfang Januar nur ein Festessen im engeren Familienkreis.

          Der König macht keine Politik

          Seit Felipe Juan Pablo Alfonso de Todos los Santos de Borbón y Grecia den Thron bestieg, ist er als Krisenmanager im Einsatz, und das erst recht, seit im Oktober 2017 die Mehrheit der Katalonen für eine unabhängige Republik Katalonien stimmte. Zwei Tage nach der Volksabstimmung hielt Felipe im Fernsehen seine erste Ansprache aus aktuellem Anlass – sie wurde zu seiner politischen Feuertaufe: Der Monarch rief dazu auf, die Einheit Spaniens zu wahren und die Verfassung einzuhalten. Kritiker hielten ihm vor, er habe kalt gewirkt und sich mit keinem Wort für einen Dialog eingesetzt, obwohl er doch König aller Spanier sei. Seine Mahnung verstanden sie als einen Blankoscheck für das harte Durchgreifen Madrids. Diese Sicht weist seine Umgebung zurück: „Der König macht keine Politik“, heißt es aus dem Zarzuela-Palast.

          Seine Rede maßen viele Spanier an der Fernsehansprache, die sein Vater am Abend des 23. Februar 1981 hielt. Die deutlichen Worte von Juan Carlos und sein Bekenntnis zur Demokratie trugen damals wesentlich dazu bei, dass der Putschversuch mehrerer Militärs scheiterte.

          Felipe ist noch dabei, aus dem Schatten seines Vaters herauszutreten und seinen eigenen Stil zu finden. „Juan Carlos ist wie ein Vulkan, instinktiv und schnell. Sein Sohn ist eher kühl, nachdenklich und ruhig. Er hat mehr von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg als von den Bourbonen“, sagt die spanische Journalistin Ana Romero und meint damit das deutsche Adelsgeschlecht, dem Felipes Mutter Sofía entstammt.

          Keine Skandale im Königshaus

          Felipe ist sich bewusst, dass er sich die Unterstützung der Spanier immer wieder aufs Neue verdienen muss, wie sein Vater es ihm schon früher erläutert hat. „Momentan ist er anerkannt, aber das kann im nächsten Augenblick schon wieder anders sein“, sagt Ana Romero.

          König Felipe tritt langsam aus dem Schatten seines Vaters Juan Carlos.

          Von Anfang an arbeitete Felipe hart daran, seine Familie aus den negativen Schlagzeilen zu holen. Im Jahr seiner Krönung demonstrierten Zehntausende für die Abschaffung der Monarchie. Im Königshaus lautet die Devise bis heute: Keine Skandale in meiner Umgebung. Der persönliche Preis, den Felipe dafür zahlte, ist hoch. So stellte er den Kontakt zu seiner älteren Schwester Cristina ein und verbannte sie vom Königshof, als sie und ihr Ehemann Iñaki Urdangarin wegen Korruption angeklagt wurden. Zudem entzog er ihr den Titel der Herzogin von Palma.

          Die Töchter führen ein weitgehend normales Leben

          Nachdem Cristina vor einem Jahr freigesprochen worden war, begann eine vorsichtige Wiederannäherung, die jedoch Grenzen hat. Felipe hält weiterhin Abstand zu ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin, der bald eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren verbüßen muss. Selbst am 80. Geburtstag von Juan Carlos war nur Cristina mit ihren Kindern in den Zarzuela-Palast eingeladen; die Infantin kam nicht und blieb zu Hause bei ihrem Mann, mit dem sich Felipe früher gut verstand.

          In seiner eigenen Familie gelang es Felipe und seiner bürgerlichen Ehefrau Letizia, die beiden Töchter weitgehend ungestört aufwachsen und ein relativ normales Leben führen zu lassen. Wie einst ihr Vater besuchen sie die Privatschule Santa María de los Rosales im Nordwesten Madrids. Nur selten begleiten sie ihre Eltern zu öffentlichen Auftritten. Aber es gibt Ausnahmen. Am Wochenende veröffentlichte das Königshaus Aufnahmen, die zeigen, wie die beiden Mädchen ihren Vater bei der Aufzeichnung der Weihnachtsansprache aus nächster Nähe beobachten.

          Bei Juan Carlos’ historischer Rede im Januar 1981 war angeblich Felipe dabei. Und am Dienstag nimmt er die zwölf Jahre alte Kronprinzessin Leonor mit in den Königspalast in Madrid. An seinem 50. Geburtstag verleiht Felipe der Prinzessin von Asturien feierlich das Halsband des Ordens vom Goldenen Vlies, die höchste Auszeichnung, die der spanische König vergeben kann. Er selbst war 13 Jahre alt, als sein Vater Juan Carlos ihn in den vor mehr als einem halben Jahrhundert gegründeten Orden aufnahm. An seinem eigenen Geburtstag bekennt sich Felipe damit zu seiner Dynastie und zu seiner Tochter, die eines Tages von ihm die spanische Königskrone erben soll.

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