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Schon das Bild des Artikels deutet an, dass es sich um einen Ratgeber handelte, der nicht ganz ernst gemeint war. Bild: Screenshot / Sunday Times

Artikel in britischer Zeitung : Spanien empört sich über einen ironischen Text

„Kommen Sie immer zu spät, außer ein Stier greift Sie an“: Seit in der „Sunday Times“ ein Artikel voller Klischees über ihr Land erschienen ist, versuchen die Spanier zu zeigen, dass die Briten in Wirklichkeit viel schlimmer sind.

          So viele spanische Leser hatte die „Sunday Times“ selten zuvor. Erst langsam legt sich der Sturm der Entrüstung. Vor zwei Wochen ist im Reiseteil der britischen Zeitung der Artikel „How to be Spanish“ erschienen. Schon das begleitende Bild eines Stierkämpfers mit entblößter Brust und ungepflegtem Bart deutete an, dass es sich um einen Ratgeber handelte, der nicht ganz ernst gemeint war. „Kommen Sie immer zu spät, außer ein Stier greift Sie an“, lautete die erste Empfehlung unter dem Foto. Der Text darunter war wenig originell und erging sich in alten Klischees. Zum Beispiel, dass Spanier laut sind, zu Unpünktlichkeit und drastischer Wortwahl neigen, ihren Rotwein kalt trinken, Fremde küssen und „alles auf den Boden zu werfen, was man nicht essen oder trinken kann. Außer Gläser“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Spanien war man „not amused“. Der Autor Chris Haslam muss einen empfindlichen Punkt getroffen haben – besonders mit dem Ratschlag, seine Landsleute sollten dort ihre „angelsächsischen Vorstellungen von Höflichkeit, Diskretion und Anstand vergessen“. Noch zwei Wochen nach dem Erscheinen des Artikels versuchte die spanische Zeitung „El Mundo“ am Samstag aufzuzeigen, dass die Briten in Wirklichkeit viel schlimmer sind. Bei ähnlichen Aufrechnungen in den Tagen zuvor fehlte Prinz Harry nicht, der sich an einem seiner Geburtstage in einer Nazi-Uniform fotografieren ließ. Auch die betrunkenen britischen Touristen auf Ibiza und Mallorca fanden Erwähnung, die sich gern in der Öffentlichkeit nackt ausziehen.

          Im Internet fiel die Kritik an dem Autor noch härter aus. Er wusste sich mittlerweile nicht mehr anders zu helfen, als nach einer vergeblichen Klarstellung sein Konto bei Twitter zu sperren. Chris Haslam sei ein „Hooligan“ und ein „Rassist“, hieß es dort. Wie könne eine angesehene britische Zeitung solche „Lügen“ verbreiten, beklagte eine Spanierin, die sich offenbar persönlich beleidigt fühlte. Er solle sich nie wieder in Spanien blicken lassen. Nur die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ machte darauf aufmerksam, dass unvorteilhafte Vorurteile in Witzen auf der ganzen Welt üblich seien. In Deutschland mache man sich über die Ostfriesen lustig, während sich Briten und Iren in ihren Witzen auch nicht schonten.

          Ein Blick in den Reiseteil der „Sunday Times“ hätte manche Spanier versöhnlicher stimmen können. In weiteren Artikeln des Spanien-Schwerpunkts begeistert sich Chris Haslam für das Land – wie wohl die 19 Millionen Briten auch, die 2017 an die spanischen Strände strömten; gut 300.000 haben sich dort dauerhaft niedergelassen. Aus keinem Land kommen mehr Touristen.

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