https://www.faz.net/-gum-ac2sg

Sorge um Barbara Ossenkopp : Sie tanzte mit Lindenberg

Zweite Heimat: Barbara Ossenkopp 2011 in Indonesien Bild: Panfoto/H.Schultze

Von der Reeperbahn ging es für Barbara Ossenkopp ins Filmbusiness und schließlich als Tierschützerin nach Jakarta. Nun sorgen sich Freunde um die frühere Hamburger Lokal-Bekanntheit, die an Parkinson und Leukämie erkrankt ist.

          2 Min.

          Auf der Reeperbahn war Barbara Ossenkopp Striptease-Tänzerin, sie spielte in Filmen mit und trat mit Udo Lindenberg im Fernsehen auf. Später ging sie nach Indonesien, wurde Tierschützerin und setzte sich für die Rettung bedrohter Orang-Utans ein. Vor einiger Zeit kam dann die Nachricht: Die 78 Jahre alte Deutsche, aufgrund ihrer hohen Wangenknochen einst als „Chinesen-Babs“ bekannt, leidet an Parkinson und Leukämie. Aus Indonesiens Hauptstadt Jakarta erreichte ein Hilferuf frühere Weggefährten in Hamburg. Der Beatles-Fotograf und einstige Mitgründer der St. Pauli-Nachrichten, Günter Zint, sammelte daraufhin Spenden. Udo Lindenberg gebe mit 5000 Euro „den Löwenanteil“, sagt Zint der F.A.Z. am Telefon. „Sie war ein bunter Paradiesvogel, deshalb haben auch viele Freunde sie im Gedächtnis behalten.“

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ossenkopp konnte sich im Krankenhaus einer Blutwäsche unterziehen. Doch Anfang der Woche wurde sie in die Notaufnahme gebracht. Ein Corona-Test fiel positiv aus. Mittlerweile liegt sie auf der Intensivstation. Andere Auslandsdeutsche, die sich in den vergangenen Wochen um sie gekümmert hatten, sind besorgt. Dabei war die Hoffnung groß, dass Ossenkopp in die Heimat zurückkehren könnte, um sich dort behandeln zu lassen. Sie klang in einem kurzen Telefonat mit der F.A.Z. vergangene Woche zwar schwach, war aber wie eh und je zu Scherzen aufgelegt: „Zum Glück sehen Sie mich nicht, ich bin ganz nackt.“ Sie machte sich gerade für den Gang zum Arzt fertig.

          Die ersehnte Reise nach Deutschland hatte sich da schon verzögert. Der Regionalarzt der deutschen Botschaft hält sie in ihrem jetzigen Zustand nicht für fähig, die lange Flugreise nach Deutschland anzutreten. Neben ihrem Freund Günter Zint kümmert sich auch „Die Brücke Jakarta“ um sie, ein deutsch-indonesischer Freundschaftsverein, er will weiter Spenden sammeln. Laut Zint hatte sich Ossenkopp schon bei seiner Sammelaktion erstaunt gezeigt, wie viele Freunde sie nach Jahrzehnten in der Ferne in der Heimat immer noch hat. Mehr als 100 Einzelspenden seien bei ihm eingegangen. Sie habe gesagt: „Dass sich so viele Leute an den Unsinn erinnern, den ich damals gemacht habe!“

          Von der Reeperbahn zur Rettungsstation

          Tatsächlich ist es ein Leben fast wie aus einem Groschenroman. Anfang der sechziger Jahre ging sie aus dem beschaulichen Lüneburg nach Hamburg, nahm dort zunächst eine Stelle als Dekorateurin an. Die Großstadt hatte aber viel mehr zu bieten. „In der Großen Freiheit spielen die Beatles, in der ,Palette‘, einer Kellerkneipe am Gänsemarkt, diskutiert die Presse-, Film- und Fernsehschickeria die sexuelle Befreiung und den politischen Wandel“, schrieb die Hamburger Morgenpost über die frühere Lokal-Bekanntheit. Ihr Geld verdiente Ossenkopp dann als Tänzerin im „Salambo“, einem Nachtlokal in St. Pauli. Dort wurde „Chinesen-Babs“ zu einem Star im libertären Milieu des Hamburger Kiezes. Im Jahr 1974 tanzte sie um den Panik-Rocker Udo Lindenberg herum, als er in Ilja Richters „Disco 74“ sein Lied „Andrea Doria“ darbot. Erst kürzlich seien diese Aufnahmen aus Anlass von Lindenbergs 75. Geburtstag wieder im Fernsehen gelaufen, berichtet Zint.

          In dem Film „Dorotheas Rache“, in dem die Macher die damals populären „Schulmädchen-Reporte“ aufs Korn nehmen, spielte sie neben Anna Henkel, der späteren Frau von Herbert Grönemeyer, eine Domina. Mit dem österreichischen Regisseur Peter Hajek ging sie eine Beziehung ein. Nach der Trennung begann ein neuer Abschnitt. Ossenkopp verließ Hamburg, zog nach Indonesien, lebte zunächst auf Bali, hielt sich als Malerin gerade so über Wasser, bewegte sich aber auch in illustren Kreisen der indonesischen Gesellschaft.

          Dann lernte sie Ulrike Freifrau von Mengden kennen, die in einem Zoo in Jakarta eine Rettungsstation für Orang-Utans leitete und sogar mitten im Zoo in einem kleinen Haus lebte. Barbara Ossenkopp wurde die Assistentin und Vertraute von „Ibu Ulla“. Im vorigen Jahr starb von Mengden, drei Monate vor ihrem 100. Geburtstag. Danach hatte Ossenkopp „überhaupt nichts mehr“, wie Günter Zint sagt. Verarmt lebt sie seither mit 18 Katzen in einem einfachen Stadtteil der indonesischen Megametropole.

          Weitere Themen

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Das Robert Koch-Institut hat 1919 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1608 Ansteckungen gelegen. Bildungsministerin Anja Karliczek drängt auf Impfungen aus Solidarität mit Kindern und Jugendlichen.

          Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 13,6

          Das Robert Koch-Institut hat 1919 Corona-Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1608 Ansteckungen gelegen. Bildungsministerin Anja Karliczek drängt auf Impfungen aus Solidarität mit Kindern und Jugendlichen.

          Topmeldungen

          Erstmals dabei: Der peruanische Skateboarder Angelo Caro.

          Premieren in Tokio : Das sind die fünf neuen Olympia-Sportarten

          Aus 28 werden auf einmal 33: Bei den Olympischen Spielen in Tokio sind in diesem Jahr fünf neue Sportarten dabei – nicht alle werden olympisch bleiben. Ein Überblick über die Premieren in Japan.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.