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Weiße Rose Stiftung : „Sophie Scholl ragt als einzige Frau heraus“

Enttarnt: Sophie Scholl nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo am 18. Februar 1943 Bild: Archiv

Die Widerstandskämpferin hätte am Sonntag ihren 100. Geburtstag gefeiert. Im Interview spricht Hildegard Kronawitter von der Weiße Rose Stiftung über Scholls Rolle, vermeintliche Schuld und missbräuchliche Vereinnahmung.

          6 Min.

          Frau Kronawitter, am Sonntag wäre die Widerstandskämpferin Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Vor allem nach ihr, aber auch zusammen mit ihrem Bruder Hans, den Geschwistern Scholl, sind fast 200 Schulen in Deutschland benannt, dazu viele Straßen und Plätze, es gibt Denkmäler, ihre Konterfeis schmücken Briefmarken. Sophie Scholl wurde sogar mit einer Büste in der Walhalla geehrt, als eine der wenigen bedeutenden Persönlichkeiten „teutscher Zunge“. Willi Graf, Christoph Probst und Alexander Schmorell sowie Kurt Huber sind dagegen weitgehend unbekannt. Wird das den Mitgliedern der Weißen Rose gerecht?

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Als Weiße Rose Stiftung bemühen wir uns, allen Mitgliedern gerecht zu werden und jeden Einzelnen auch sichtbar zu machen. Aber wenn man sich die Erinnerungsgeschichte anschaut, stellt man schnell fest, dass Hans und Sophie Scholl als Geschwisterpaar besondere Aufmerksamkeit erfahren haben. Und vor allem Sophie Scholl ragt als einzige Frau unter den anderen fünf 1943 Hingerichteten heraus. Hinzu kommt, dass Inge Aicher-Scholl durch ihre Erinnerungsarbeit stark dazu beigetragen hat, dass ihre jüngeren Geschwister besonders sichtbar werden. Aber auch Anneliese Knoop-Graf, Mitbegründerin der Weiße Rose Stiftung, hat viel dafür getan, dass an ihren Bruder Willi Graf erinnert wird. Und nach Christoph Probst wurde erst kürzlich eine Kaserne bei München benannt, die Gemeinde Gräfelfing, in der Professor Kurt Huber zuletzt wohnte, würdigt ihn schon seit dem Krieg immer wieder besonders.

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