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Sophie Marceau : Wo sind all die Briefe der Jungs?

„Ich bin eine Art Solitär”: Sophie Marceau hält sich für „keine sehr gesellige Person” Bild: AFP

Mit „La Boum“ wurde Sophie Marceau Idol für ungezählte Pubertierende. Dreißig Jahre danach spielt sie in dem Film „Vergissmichnicht“ eine Karrierefrau, die wieder das Kind in sich entdeckt.

          7 Min.

          Manchmal, da spricht Sophie Marceau im Interview von Sophie Marceau und meint doch nicht sich selbst. „Dieses Sophie-Marceau-Ding“ sagt sie dann und erzählt von ihrem Sohn, der fünfzehn ist. Spätestens mit fünfzehn pflegen einem die eigenen Eltern ja irgendwie peinlich zu werden, aber zu Vincent, versichert Sophie Marceau, habe sie ein großartiges Verhältnis. Zwar habe auch er sich mal geschämt, viele Jahre lang sogar, doch nicht wegen ihr als Mutter, sondern, so Marceau, „wegen Sophie Marceau“. Mit ihr etwa shoppen zu gehen, darauf habe Vincent keine Lust. Keine Lust eben auf dieses Sophie-Marceau-Ding, bei dem er zum Anhängsel der berühmten Actrice wird, die von allen auch so behandelt wird. „Er mag es nicht“, sagt Sophie Marceau, „und ich verstehe es. Ich schütze meine Kinder davor.“

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Womöglich fällt es ihr leichter als anderen, Distanz zu bewahren zum eigenen Ruhm, weil Sophie Marceau in Wirklichkeit gar nicht Sophie Marceau ist. Sie ist es erst geworden, als sie dreizehn war und vor jenem Schritt stand, der ihr Leben unwiderruflich verändern sollte: Sie übernahm die Rolle der Vic in „La Boum“. „La Boum - Die Fete“ ist der seltene Glücksfall eines so intelligenten wie warmherzigen Teenager-Films, der bis heute keinen pubertierenden Zuschauer kaltlässt. Bevor sie aber Vic wurde und damit Idol und Identifikationsfigur für ungezählte Gleichaltrige in etlichen Ländern, wurde Sophie Danièle Sylvie Maupu, das Mädchen aus einem Arbeiterviertel am Stadtrand von Paris, zuerst einmal Sophie Marceau.

          Nicht von einschüchternder Schönheit, aber fraglos sehr hübsch

          Wir waren, um sie zu treffen, an der Pariser Metrostation Alma-Marceau ausgestiegen und ein Stück die Avenue Marceau hochgelaufen. Durch diese Straße, so hatten wir gelesen, war die Schülerin Sophie einst gefahren, um den Vertrag für „La Boum“ zu unterzeichnen, und nach ihr hatte sie sich auch benannt. Eine eher unspektakuläre, dreispurige Straße, die von der Seine bis hinauf zum Triumphbogen führt, eine alte Kirche, vereinzelte Bars und Modegeschäfte, ein paar Botschaften, die spanische, die dänische, die albanische. Was von alledem mag die junge Sophie seinerzeit durch die Autoscheiben wahrgenommen haben? Auf der anderen Seite der Seine, unweit des Eiffelturms im 7.Arrondissement, findet sich das „Café de l'Alma“, wo uns Sophie Marceau empfangen wird.Wir steigen die Treppen zum Obergeschoss empor und sind gespannt: Werden auch wir, wie es gleich mehrere Journalisten über ihre Begegnung mit Madame Marceau schrieben, von ihrer geradezu übernatürlichen Schönheit geblendet sein?

          Schauspielerpaar: Sophie Marceau und Christopher Lambert
          Schauspielerpaar: Sophie Marceau und Christopher Lambert : Bild: AFP

          Dass wir es nicht sind, liegt nicht an Sophie Marceau, sondern daran, dass das Licht im Séparée recht gedämpft ist. Uns gegenüber sitzt eine hochgewachsene, sehr schlanke Frau mit schmalem Gesicht, die Sophie Marceau zweifellos sehr ähnelt, aber auch gut Sophie Maupu sein könnte: nicht von einschüchternder Schönheit, aber fraglos sehr hübsch; von ihren 44 Jahren sieht man ihr, was längst nicht nur am Dämmerlicht liegt, allenfalls zwei Drittel an. In ihrem neuen Kinofilm „L' age de raison“, eingedeutscht zu „Vergissmichnicht“, spielt sie die Managerin Margaret, und zu den verwegensten Einfällen dieses nicht eben hyperrealistischen Films zählt, dass die Rolle von Margarets jüngerem Bruder mit einem Schauspieler besetzt wurde, der vier Jahre älter ist als Marceau - und weit älter aussieht. Ein Affront? Sophie Marceau sagt, sie kannte das Alter des Kollegen nicht, „also habe ich nicht darauf geachtet“.

          Sehr vorhersehbar und doch anrührend

          „Vergissmichnicht“, der an diesem Donnerstag ins Kino kommt, ist ganz und gar auf seine Hauptdarstellerin zugeschnitten. An ihrem vierzigsten Geburtstag bekommt Margaret von einem alten Notar aus ihrem einstigen Heimatdorf einen Stapel Briefe überreicht, deren Absender sie selbst ist: Botschaften eines siebenjährigen Mädchens an die Erwachsene, die es einmal sein würde. Es ist eine hübsch versponnene, sehr vorhersehbare und doch anrührende Komödie um die Frage, was das moderne (Berufs-)Leben aus unseren Kinderträumen macht. Naturgemäß erscheint das dörfliche Umfeld des Kindes weit lebenswerter als Margarets Business-Welt; selbst die Pfändungen der elterlichen Möbel wendet die Kleine ins Positive, indem sie Spiele erfindet, zu denen die leere Wohnung einlädt: Schattenspiele, Echo, arme Leute.

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