https://www.faz.net/-gum-9cr5b

Tourist gegen Ozean : Sonnencreme ist ein Problem

  • -Aktualisiert am

Auch die Sonnencreme auf der Haut der Touristen schädigt die Natur. Bild: AFP

Dass Plastik und Erdöl den Meeren zusetzen, ist bekannt. Aber auch Sonnencreme, die über die menschliche Haut in die Ozeane gelangt, ist ein Problem. Wie reagiert man auf solche Gefahren?

          Schaut man aus der Luft auf das australische Great Barrier Reef, ist schwer zu erahnen, was sich unter der Oberfläche in den vergangenen Jahren zugetragen hat. Von oben schillert das Meer, marmoriert von den Riffen, die ihm den Namen geben. Die schönsten Blau-Nuancen sind in so einem Moment zu sehen.

          Doch unter Wasser zeigt sich ein ganz anderes Bild: Statt bunter Korallenwälder stehen vielerorts unbewegte, graue Landschaften. Die einzigen Farbtupfer sind kleine Fische zwischen den skeletthaften Gebilden. „Korallenbleiche“ nennt man das Phänomen, das oft zum Korallensterben führt und weltweit immer häufiger auftritt. Ursache dafür ist vor allem die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung der Ozeane. Aber auch die Verschmutzung des Meerwassers trägt ihren Teil dazu bei. Abfälle, vor allem Plastik, sind ein Problem, Erdöl ein weiteres.

          Noch ein nicht unerheblicher Faktor: Sonnencreme. Nicht zuletzt durch steigende Touristenzahlen in warmen Gefilden ist das Thema Sonnenschutz immer stärker ins Blickfeld gerückt. Der Griff zur Creme, um sich angesichts hoher Hautkrebsraten vor der ultravioletten Strahlung zu schützen, ist längst zur Gewohnheit geworden. Natürlich zu Recht. „Bis vor einigen Jahren wurde vor allem die für Sonnenbrand verantwortliche UV-B-Strahlung als Ursache für Hautkrebs gesehen“, sagt Berenice Lang, Funktionsoberärztin an der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Aber mittlerweile ist bekannt, dass auch UV-A-Strahlen, die tiefer in die Haut eindringen und dort durch die Schädigung elastischer Fasern zur Hautalterung führen, mittelbar Hautkrebs auslösen können.“

          „Nicht biologisch abbaubar“

          Die in der EU zugelassenen Sonnenschutzprodukte wehren beide Arten der ultravioletten Strahlung ab. Dafür werden physikalische und chemische Filter eingesetzt. Physikalische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid wirken wie Reflektoren an der Hautoberfläche, während chemische Filter in die Haut eindringen und dort die UV-Strahlung in Energie umwandeln, die der Haut nicht mehr schaden kann. Die meisten Sonnenschutzprodukte, so Lang, kombinieren mehrere Wirkstoffe, um ausreichenden Schutz zu bieten.

          So weit, so wichtig. Doch nun kommen die Kosten des Hautschutzes für das Wasser zutage. Laut mehreren Studien, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden, gelangen jährlich zwischen 6000 und 14.000 Tonnen Inhaltsstoffe aus Sonnenschutzmitteln in die Ozeane der Welt. Vor allem touristisch hoch frequentierte Orte in tropischen und subtropischen Regionen sind betroffen. Immer mehr Forscher argumentieren, dass einige dieser Inhaltsstoffe schädliche Auswirkungen auf Meeresorganismen haben.

          Auch hierzulande hat das Leibniz-Institut für Ostseeforschung im vergangenen Jahr UV-Filter in den Gewässern festgestellt. „Viele der Inhaltsstoffe in Sonnencremes, unter anderem die gängigen chemischen UV-Filter Oxybenzon und Octinoxat, die in Tausenden Produkten enthalten sind, gelangen durch Baden ins Meer. Sie sind nicht biologisch abbaubar, bleiben dauerhaft im Wasser und schaden Meeresorganismen langfristig“, sagt Craig Downs, Meeresbiologe und Direktor des amerikanischen Haereticus Environmental Laboratory.

          Auch für Menschen gefährlich?

          Auf das Phänomen stieß Downs 2005. Damals bat die National Park Foundation der Jungferninseln darum, der Korallenbleiche an dem beliebten Badestrand Trunk Bay auf den Grund zu gehen. Vor Ort half Downs ein Zufall: Ein Inselbewohner, der das Gespräch der angereisten Forscher hörte, sagte prompt: „Es sind die ganzen Touristen.“ Mehrere Tausende Badegäste besuchten Trunk Bay täglich und hinterließen im Meer einen Fettfilm auf dem Wasser – Rückstände von Sonnenschutzprodukten.

          Nur einige Kilometer weiter, an den Privatstränden eines Luxusresorts mit wenigen Badegästen, waren die Korallenriffe wesentlich intakter. Der Wirkungszusammenhang fand Eingang in eine Studie, die Downs 2015 über die toxipathologischen Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln veröffentlichte.

          Weitere Themen

          Einmal fand er sogar  einen Schrumpfkopf

          Zolldeklarant : Einmal fand er sogar einen Schrumpfkopf

          Getrocknetes Affenfleisch, geschmuggelte Brillen und ein Römerhelm - erstaunlich, auf was der Schweizer Zolldeklarant Roger Zeiter so alles stößt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.