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Solo-Selbständige in der Krise : Aus der Traum

In der Coronakrise bleiben nicht nur die Ränge, sondern auch viele Bühnen leer. Bild: www.plainpicture.com

Solo-Selbständige sind besonders hart von den Corona-Folgen betroffen. Viele von ihnen sind in Hartz IV gerutscht und müssen ihre Leben jetzt ganz neu ausrichten. Fünf Menschen erzählen, wie sich das anfühlt.

          9 Min.

          Sängerin, Moderatorin und Bühnenkünstlerin

          Seit dem 14. März hatte ich keinen einzigen Auftritt mehr. 25 ausverkaufte Shows wurden mittlerweile abgesagt, außerdem Galaveranstaltungen, Events, Moderationen – bis Ende des Jahres hab ich nichts mehr zu tun. Ich toure auch noch mit einer Frauentruppe, da zähle ich die abgesagten Auftritte nicht mal mehr.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich muss mir sagen, dass ich es nicht persönlich nehmen darf, wenn die Gesellschaft darüber befindet, dass mein Beruf nicht systemrelevant ist. Die Frage nach der Systemrelevanz hat sich mir bisher nie gestellt, sondern ich fand, dass ich den Menschen Kraft gegeben habe und bei ihnen gute Energien habe fließen lassen. Das Herunterbrechen auf eine „Relevanz“ trifft mich bis ins Mark. Unsicherheit war schon immer ein Teil meines Berufs: das Ausgeliefertsein an den Geschmack meiner Zuschauer. Aber das hier ist eine neue Eskalationsstufe: Ich habe ganz viele schreckliche Momente in den letzten Wochen erlebt.

          Ich hatte früher schon andere Berufe, ich war Produktmanagerin und alles Mögliche, aber das bin ich alles vor zwölf Jahren losgeworden, als ich mich selbständig gemacht habe. Deswegen trifft es mich umso härter, mir vorzustellen, aus purer Not jetzt dahin zurückzumüssen. Ich weiß ja schon, was das mit mir machen würde. Dennoch habe ich zu Beginn der Corona-Krise meine Bewerbungsunterlagen zusammengestellt und hab mich beworben: als Assistentin in einem technischen Büro, bei einem Helpdesk ... Aber alle Stellen wurden dann gar nicht besetzt. Jetzt gucke ich nicht mehr nach Jobs. Bringt eh nichts.

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          Das Jahr 2020 wäre das interessanteste und schönste Jahr meiner bisherigen Karriere als Bühnenkünstlerin geworden. Ich hatte mehrere sehr schmeichelhafte und gutdotierte Anfragen, weil ich lange darauf hingearbeitet habe, sie zu bekommen. Ich wollte auch ein eigenes Bühnenprogramm erarbeiten, zusammen mit einem Autor. Das sind alles Schritte, die man geht, bevor man ein Soloprogramm auf die Beine stellt. Es wäre ein geiles, fettes Jahr geworden. Ich wäre immer mehr Ich geworden, es wäre ein großer Schritt auf dem Findungsweg zu mir als tolle Bühnenperson gewesen. Und dann kam im März der Rohrkrepierer.

          Corona-Hilfe habe ich nicht bekommen. Warum, das habe ich nicht verstanden. Im April habe ich Grundsicherung beantragt beim Jobcenter Köln. 1070 Euro, sechs Monate lang. Aber das wird nicht reichen. Ich rechne damit, dass ich auch Anfang nächsten Jahres noch keine Auftritte haben werde.

          Dann muss ich zu „Netto“ an die Kasse oder so. Der Gedanke fühlt sich an wie ein Schmerz, aber nicht konstant, sondern er kommt und geht. Wenn er kommt, muss ich ihn wegschieben, damit ich morgens weiß, warum ich aufstehen soll. Ich weine viel.

          Wenn ich dann mit anderen über die Situation spreche, mit meiner Steuerberaterin, mit Kollegen, dann merke ich: Meine Arbeit ist mein Leben. Es gibt nichts anderes, was mir Lebensmut und Kraft und Freude gibt. Ich verzichte auf Auto, Fernseher, Urlaub, ich kaufe mir nur gebrauchte Klamotten, ich gehe nicht auf Konzerte oder ins Kino – ich habe nichts, was normale Menschen haben. Aber ich habe meine Arbeit. Ich hatte sie. Jetzt zu hören, dass sie nicht relevant ist, das ist eine Klatsche in die Fresse, dass die Zähne hinten rausfallen.

          Es ist zum Verzweifeln, weil ich keine Perspektive für mich sehe. Deswegen stecke ich im Moment den Kopf in den Sand. Ich habe keine Strategie für die kommenden Monate. Ich warte darauf, dass sich in mir etwas verändert und ich meine Kreativität wieder nutzen kann. Vielleicht kann ich irgendwann Songs schreiben, statt einfach irgendeinen Job zu machen, um die Miete zu verdienen. Kreativ zu arbeiten, das ist so ein mutiger Weg, den würde ich gerne weitergehen. Ich sehe mich als eine Art Zirkuskind, farbenfroh und wild, am Rande der Gesellschaft. Ob ich das auch in Zukunft bleiben kann, wird sich zeigen.

          Cornelius Pfannkuch, 58, Kameramann und Fotograf

          Großveranstaltungen machen 80 Prozent meiner Aufträge aus: Ich filme und fotografiere auf Messen, Firmenveranstaltungen, Galas und großen Events. Deswegen habe ich seit Anfang März einen Umsatzrückgang um 90 Prozent: Ein großer Auftrag von Amazon fiel weg, ein Branchentreffen, eine Preisverleihung. Das wird sich auch in den nächsten Monaten nicht ändern. Im Juli hätte ich kein Geld mehr gehabt. Also habe ich beim Jobcenter Frankfurt Grundsicherung beantragt. Ich habe lange gezögert, weil ich mich als jemanden sehe, der eigenverantwortlich handeln möchte. Ich wollte staatliche Hilfe immer vermeiden, mir ist aber immer bewusster geworden, dass die jetzigen Umstände außerhalb meiner Verantwortung liegen. Ich fühlte mich wie ein Gefangener und war zusätzlich verzweifelt, weil mein Corona-Soforthilfe-Antrag nicht bearbeitet wurde und ich das Gefühl hatte, durch alle Raster zu fallen. Ich empfand diese ausbleibende Hilfe als Geringschätzung meiner Arbeit.

          Cornelius Pfannkuch ist Kameramann und Fotograf und bezieht seit diesem Monat wegen Corona Grundrente.
          Cornelius Pfannkuch ist Kameramann und Fotograf und bezieht seit diesem Monat wegen Corona Grundrente. : Bild: Maximilian von Lachner

          Jetzt, nachdem ich den Antrag auf Grundsicherung gestellt habe, breitet sich in mir ein interessantes Gefühl der Ruhe aus, das ich vorher nicht kannte. Dass ich im nächsten halben Jahr meine Miete werde bezahlen können, beruhigt mich. Dass die Gesellschaft mir hilft, tut mir gut – diese Erfahrung, dass andere mir helfen. Das ist ein völlig neues Gefühl für mich. Bisher war ich immer davon überzeugt: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Eine extrem positive Erfahrung war es für mich, dass die Mitarbeiter des Jobcenters mir mit Verständnis und Wohlwollen begegnet sind.

          Dennoch sehe ich mich nach Alternativen zu meinen jetzigen Beruf um. Denn die Krise wird noch lange andauern, zumindest in meiner Branche. Ich würde gern an einem oder zwei Tagen in der Woche in einem Angestelltenverhältnis arbeiten und mein Wissen weitergeben. Vielleicht Mitarbeiter in Unternehmen darin schulen, wie man sich optimal in Videos präsentiert und oder sich bei Online-Meetings in Szene setzt.

          Drehbuchautorin, 49

          Ich komme mir vor, als würde ich Almosen empfangen, sehr, sehr unangenehm ist das, so was unverschuldet in Anspruch nehmen zu müssen. Und auch dass jetzt so unterschieden wird: Für euch Künstler ist das Hartz IV, und andere werden ganz anders abgefangen. Wenn ich das lese: Zahnärzte sollen 90 Prozent ihrer Vergütungen aus 2019 bekommen, über der Autoindustrie wird ein riesiger Rettungsschirm aufgespannt ... Und uns Künstler stellt man in so eine Ecke: Ihr könnt ja Spargel stechen gehen. Ich habe das Gefühl, nur weil wir Berufe haben, in denen wir uns selbst verwirklichen, unterstellt man uns, wir würden weniger hart arbeiten. Aber das stimmt nicht. Was stimmt, ist: Ich brenne für meine Arbeit, sie macht mir Spaß. Aber sie ist nicht mein Hobby. Die, die diese Rettungsschirme aufspannen, scheinen zu denken: Deine Arbeit macht dir Spaß, also hast du keinen Anspruch darauf, dass wir dir unter die Arme greifen. Das ist so demütigend. Ich fühle mich, als würde ich betteln. Wenn ich kein Kind hätte, hätte ich keine Grundsicherung beantragt.

          Dabei wird es ja nicht besser, im Gegenteil: Es wird ein großes Produzentensterben geben, weil Sender aufgrund des Wegfalls von Werbeeinnahmen Sparmaßnahmen beschließen, vor allem im fiktionalen Bereich. Ich habe einen Auftrag für einen Kinofilm, aber die Filmproduktionsfirma kann nicht bezahlen. Aufträge für ein Audiodrama und ein TV-Streaming liegen auf Eis – es gibt Vertragsstops. Weil ich die ersten Rechnungen erst bei Vertragsabschluss schreiben kann, hatte ich seit Januar keine Einnahmen mehr, und seit März kann ich keine Rechnungen mehr schreiben. Ich arbeite weiter an den Sachen, aber ich weiß nicht, ob am Ende noch ein Vertrag dabei rumkommt.

          Und das wird die nächsten zwei Jahre so bleiben, denke ich. Es wird weniger gedreht, weil Produktionen aufgrund von Corona-Maßnahmen um 50 Prozent teurer werden. Das trifft natürlich auch uns Drehbuchautoren. Auch thematisch wird sich viel ändern, manche Inhalte passen nicht mehr, zum Beispiel ein Projekt über einen Thriller mit ganz viel schwarzem Humor, der sehr, sehr böse sein sollte. Das will im Moment keiner sehen.

          Ich habe Grundsicherung beantragt und überlege, in einen anderen Job zu gehen, zumindest vorübergehend. Jeden Tag nehme ich mir eine Stunde Zeit, um zu überlegen, was für Alternativen ich habe. Ich unterrichte zum Beispiel nebenbei an Filmhochschulen, vielleicht könnte ich das ausbauen. Ich habe mal Regie geführt, hatte mal eine kleine Produktionsfirma. Aber ich habe noch nie als Angestellte gearbeitet. Nachts denke ich darüber nach, was ich kann und was ich wem wo anbieten kann. In einen „Brot-und-Butter-Beruf“ zu wechseln, um mein Leben zu finanzieren, das wäre schon echt bitter. Ich habe sehr viele Opfer gebracht, auch finanziell, um dahin zu kommen, wo ich vor Corona war.

          Sy Elisabeth Geis, 59, Kunsthandwerkerin

          Ich habe mich schon als junge Frau in Naturfasern verliebt und mir die Pflanzenfärberei beigebracht, die schon seit etwa 1900 kein Lehrberuf mehr ist. Außerdem mache ich kleine, feine Keramiken, Knöpfe und Perlen. All die Dinge, die in meinem kleinen Betrieb in einem Dorf in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber entstehen, verkaufe ich seit langer Zeit auf Festen, Märkten und in Freilichtmuseen. Mit Sicherheit lebe ich bescheidener als viele Leute. Aber ich bin sehr zufrieden. Es gibt einen Weihnachtsmarkt, von dem zehre ich die ersten Monate des Jahres. Aber dann muss es im April und Mai auch wieder losgehen. Stattdessen sind sämtliche Veranstaltungen abgesagt worden – bis Ende August: der Flachsmarkt in Krefeld-Linn, der Januariusmarkt in Murrhardt, von kleinen Veranstaltungen auf einem Demeterhof in der Schwäbischen Alb bis zu den Kaltenberger Ritterspielen. Und natürlich habe ich Zweifel, ob die Septemberveranstaltungen und der Weihnachtsmarkt stattfinden. Das bedeutet, dass ich keinerlei Einnahmen habe. Die sind einfach weg. Das ist sehr beängstigend.

          Ich lebe meine Arbeit, und meine Arbeit ist mein Leben. Ich kann das deshalb nicht beenden, auch wenn es mir gerade materiell nichts bringt. Ich versuche sogar, den Freiraum zu nutzen, indem ich aufwendigere Arbeiten mache, zu denen ich sonst nicht die Zeit finde. Nachdem ich mich dieser Computerwelt immer verweigert habe, gibt es vielleicht nur noch die Möglichkeit, einen Online-Shop aufzubauen. Das wäre wirklich ein Quantensprung für mich. Aber da ist so eine innere Unruhe: Ich wache mitten in der Nacht auf. Oder ich liege frühmorgens wach und grübele. Man ist einfach bedrückt, traurig, das entzieht einem den Boden. Man hat ja auch einen Rahmen, in dem man agiert, eine Struktur. Jetzt muss ich mich mit dieser unnatürlichen Leere auseinandersetzen. Dazu die Sorge um die Existenz: Wie mache ich denn um Himmels willen finanziell weiter?

          Wenn man merkt, man verdient nichts mehr, wird man vorsichtig mit seinen Ausgaben. Man will ja eigentlich nicht kleinlich sein. Aber mein Patensohn hat jetzt Geburtstag, und ich würde ihm gerne ein Geschenk machen. Womit kaufe ich das? Kann ich mir das überhaupt in Zukunft leisten?

          Soll erst mal ihre Rentenversicherung aufbrauchen: Sy Elisabeth Greis
          Soll erst mal ihre Rentenversicherung aufbrauchen: Sy Elisabeth Greis : Bild: vonjetzt.com

          Allein darüber nachdenken zu müssen ist kränkend. Oder mein Auto: Das darf einfach nicht kaputtgehen. Gerade erst hatte ich so einen komischen Schleichstrom im Auto. Und dann sitzen Sie da mit dieser Rechnung in der Hand: 300 Euro. Das sind die alltäglichen schlimmen Momente.

          Ich habe Soforthilfe beantragt, aber damit werde ich nicht einmal meine Krankenkasse zahlen können, das sind über 500 Euro. Die Soforthilfe deckt nur die reinen Kosten, um einen Betrieb nicht zugrunde gehen zu lassen. Bei einem Solo-Selbständigen, der wie ich in seiner eigenen Wohnung arbeitet, ist das sehr, sehr wenig. Ich dachte deshalb, mir würde nichts anderes übrigbleiben, als Grundsicherung zu beantragen. Ich musste mich überwinden, weil es mir widerstrebt, gesund und lebendig zu sein und nicht arbeiten zu dürfen. So was kratzt an der Würde. Inzwischen habe ich mit dem Jobcenter telefoniert. Und ich bin fassungslos. Die wollen tatsächlich, dass ich erst einmal meine Rentenversicherung aufbrauche. Ausgerechnet meine Altersvorsorge: Man wird bestraft für das, was man sich erarbeitet hat. Das ist so empörend. Ich bin wirklich verzweifelt.

          Hoteleinkäuferin bei einem Reiseveranstalter, 55 Jahre

          Wegen der Pandemie hieß es plötzlich: Wir setzen euch auf Kurzarbeit, mein ganzes Team, bis Ende des Jahres. 100 Prozent. Das war brutal. In der Nacht danach lag ich wach im Bett und dachte: Oh mein Gott. Acht Monate – und danach bist du vielleicht raus. Ich habe ständig auf die Uhr geguckt, und die Zeit ging einfach nicht vorbei. Ich habe mein Leben immer im Griff gehabt. Jetzt habe ich überhaupt keine Kontrolle mehr.

          Seit mehr als 30 Jahren bin ich im Hoteleinkauf tätig, das heißt, ich verhandele die Konditionen mit den Hotels, die der Gast am Ende im Katalog findet. Ich spreche mehrere Sprachen und fand dieses Interkulturelle immer schon reizvoll. Weil mir die Arbeit so viel Spaß machte, habe ich viel geopfert. Ich bin ins Ausland gegangen, habe auf Freundschaften und Familie verzichtet. Aber ich war überglücklich. Erfolgreiche Touristiker sind immer Idealisten. Meine Arbeit war wie Adrenalin. Auf einmal ist das weg. Da fragt man sich schon: Bin ich noch etwas wert?

          Bei uns in der Touristik findet man selten etwas über ein Jobportal. Es zählt das Netzwerk, das man sich über Jahre aufgebaut hat. Aber wir sind nicht in einer normalen Situation. Die Branche ist komplett durchgeschüttelt. Wennein Gigant wie TUI 8000 Stellen abbaut... Jede politische Veränderung oder Misslage in einem Land wirkt sich auf die Reisebranche aus. Jetzt aber trifft es die ganze Welt. Meine Kündigung ist noch nicht ausgesprochen. Aber ich sehe keine Zukunft in meiner Branche.

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          Wenn ich jetzt jeden Morgen nach Stellen suche, schaue ich mich natürlich auch in anderen Branchen um. Aber durch diese Pandemie sind sehr viele Menschen auf der Suche. Und die sind dann wahrscheinlich spezifischer ausgebildet. Das ist immer so: Wenn man aus einer Branche aussteigt, die man in- und auswendig kennt und liebt, fängt man deutlich tiefer wieder an. Das ist nicht fair und tut weh. Wenn ich mit Headhuntern spreche, sagen die außerdem: Tolles Profil. Aber mein Alter wird zum Verhängnis.

          Als ich auf dem Handy meine erste Abrechnung gesehen habe, schwarz auf weiß, war ich schockiert. Dann kamen die Ängste. Im Verhältnis zu anderen bekomme ich immer noch viel Geld. Aber ich lebe in einer teuren Stadt, und nach Abzug der Miete bleiben mir knapp 400 Euro. Das ist etwas mehr als Hartz IV. Ich habe versucht, bei meinem Vermieter einen Nachlass zu bekommen. Aber der hat nicht einmal reagiert. Das finde ich unverschämt. Man kann wenigstens absagen. Natürlich könnte ich umziehen. Aber ich habe das durchgerechnet: Es lohnt sich nicht, weil ich nicht weiß, ob ich hier in der Region bleibe, und so ein Umzug kostet natürlich auch. Ich würde gerne einen Minijob annehmen, um mein Budget aufzubessern, aber bisher hat das leider nicht geklappt. Der Job muss nämlich systemrelevant sein, sonst wird das angerechnet. Ich war in der glücklichen Lage, dass ich mir nie Sorgen um Geld machen musste. Jetzt stehe ich vor der Herausforderung: Wie kann ich mit so wenig wirtschaften, dass ich meine Reserven nicht zu stark beanspruche?

          Ich hatte einen Traumjob. Aber von einem Traum kann ich nicht leben. Da bin ich durchaus realistisch und sage: Vielleicht muss ich das aushalten, dass ich diese Art von Erfüllung im Beruf künftig nicht mehr finden werde. Denn ich brauche Geld. Ich brauche ein Gehalt, um zu überleben.

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