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Ehemaliger Soldat klagt an : „Die Bundeswehr will mich nicht mehr, weil ich HIV-Positiv bin“

Eigentlich braucht die Bundeswehr mehr Personal. Dafür wirbt sie mit großen Kampagnen. Nowak will sie aber nicht. Bild: Picture-Alliance

Seit 2017 dürfen Menschen mit HIV zur Bundeswehr. Dem ehemaligen Soldaten, der dafür lange gekämpft hatte, bleibt der Weg zurück zur Truppe aber weiterhin versperrt. Abfinden will er sich damit nicht.

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          Als Jan Nowak (Name geändert) erfuhr, dass er sich mit dem HI-Virus angesteckt hatte, war sein erster Gedanke nicht: „Werde ich sterben?“ Sondern: „Kann ich bei der Bundeswehr bleiben?“ Die Antwort, knapp fünf Jahre später, lautet: Nein. „Dabei ist das alles, was ich im Leben will“, sagt er. „Aber ich werde mich damit nicht abfinden.“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Nowak wurde 1987 in Polen geboren, er war nicht mal ein Jahr alt, als seine Familie mit ihm nach Deutschland zog. Sein Vater fand eine Arbeit als Schlosser, Jan Nowak machte seinen Hauptschulabschluss, eine Ausbildung als Koch und fing dann an, als Fahrer bei der Post zu arbeiten. „Koch war nichts für mich.“ Post ausfahren auch nicht. Was also dann? Weil er in seiner Freizeit gerne an Extrem-Hindernisläufen teilnimmt, kam Nowak auf eine Idee: Er könnte ja zur Bundeswehr gehen. Vom 1. Januar 2014 an leistete er Freiwilligen Wehrdienst bei der Luftwaffe in Niedersachsen. „Das war die beste Zeit meines Lebens“, sagt er. „Es hat mir so gut gefallen, dass ich freitags überhaupt nicht nach Hause wollte. Das Training für den Häuserkampf, das Abseilen von Brücken, es war einfach alles genau das, was ich gesucht hatte. Ohne es zu wissen.“ Die beste Zeit seines Lebens endete für Nowak mit einer Affäre – außerhalb der Bundeswehr, wie er betont. Er hatte Sex ohne Kondom mit einem Mann, der ihm vorher versichert habe, nicht krank zu sein. „Danach hat er zu mir gesagt: ,Ich bin HIV-Positiv. An irgendwas müssen wir ja sterben.‘“

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