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Persönlichkeitsanalyse : Deine Sprache verrät dich

Ergebnis im Vergleich zur Allgemeinheit

Die einzelnen Abschnitte in meiner Auswertung tragen Überschriften wie: „Wortverwendungshäufigkeiten“, „Verwendung von Wortarten“, „Ihr persönliches Sprachprofil“, „Eigene Antriebsquellen“, „Typische Persönlichkeitseigenschaften“ oder „Widerstandskraft bei Belastungen“.

Gratzel nimmt sich viel Zeit für die Erklärung. Blatt für Blatt, Grafik für Grafik, Diagramm für Diagramm geht er mit mir durch und erklärt mir, was ich für ein Mensch bin. Er sagt: „Ihre innere Verfassung ist gut, das sehen wir an den Sprach- und Stimmeigenschaften.“ Er sagt: „Sie waren nicht aufgeregt, als Sie die Telefonfragen beantwortet haben, das sehen wir an der Perturbation der Stimme.“ Er sagt: „Sie sagen selten ,man‘, das heißt, Sie sind verbindlich, klar, emotional und personenorientiert.“

Er sagt auch ein paar Sachen, die weniger schmeichelhaft sind. Aber fast immer liegt er in meinen Augen richtig. Als ich jedoch bei einem Messergebnis sage, dass ich nicht glaube, dass es zutreffend sei, entgegnet er: „Wir messen ja nicht, was Sie über sich denken, sondern wie Sie im Vergleich zur Allgemeinheit der Probanden sind. Das ist viel objektiver.“

Alles was vom Kunden erwünscht wird

Und viel unheimlicher. Die Software dringt nämlich in Bereiche der Psyche vor, mit denen sich der betreffende Mensch noch gar nicht beschäftigt hat. „Ein Viertel bis ein Drittel der Erkenntnisse, die die Maschine generiert, ist für die untersuchte Person neu“, erzählt Gratzel.

Privatleute können die Dienstleistung von Psyware nicht kaufen. Nur Firmen - Banken, Versicherer, die Polizei oder eine große Online-Partnerbörse haben schon zugegriffen. Die Unternehmensberatung Kienbaum ist ebenfalls Kunde, die Krankenkasse DAK, die Hotelgruppe Accor oder IBM. Und der Personaldienstleister Randstad verkündet: „Diese junge Technologie schafft völlig neue Möglichkeiten für den Personalbereich.“

Zeig uns, wie du sprichst, und wir sagen deinem Chef, wer du bist: „Wir können alles beantworten, was von unseren Kunden gewünscht wird“, versichert Gratzel. Fragestellungen, die sie an ihn herantragen, sind zum Beispiel: „Wie einsatzbereit ist dieser Bewerber?“, „Was verrät die Sprache eines Kunden über ihn?“, „Wie risikobereit ist ein bestimmter Börsenmakler?“, „Ist dieser Krankenversicherte depressiv?“, „Lügt dieser Versicherte, wenn er eine bestimmte Schadensmeldung absetzt?“

Partnerwahl mit der Maschine

Eine Online-Partnerbörse wird demnächst folgenden Service anbieten: Bewerber müssen kein Persönlichkeitsprofil mehr von sich anlegen, um möglichst passende Partnervorschläge zu bekommen, sondern „sie müssen nur noch drei Fragen am Telefon beantworten.

Den Rest macht dann unsere Maschine“, sagt Gratzel. Wie er seine eigene Frau kennengelernt hat? Er überlegt ein bisschen und lacht dann: „Ganz konservativ. Klappt trotzdem. Ich bin einer der glücklichsten Menschen, die ich kenne.“ Ob die Maschine das erkannt hat? Er nickt. Natürlich habe er selbst seine Sprache auch analysieren lassen. „Meine Resilienzwerte sind sehr hoch.“

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