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Söldner : Profiteure des Krieges

Die Männer der Bodyguard Academy unternehmen alles, um wieder lebend aus ihren Einsätzen zurückzukommen. In einer ehemaligen Bundeswehrkaserne in Gifhorn trainieren sie jede nur erdenkliche Situation: Reifen wechseln, Straßensperren durchbrechen, Angriffe abwehren. Theorie spielt nur eine Nebenrolle. Jeder Ausbildungskurs soll auf die Praxis vorbereiten. Doch die Wirklichkeit ist immer anders.

Die Wirklichkeit ist brutaler und schrecklicher

Meist ist sie brutaler und schrecklicher - weshalb Männer wie Gunny, Norman und Dirk zunehmend gefragt sind. Firmen, die sich auf militärische Dienstleistungen spezialisiert haben, sind in mehr als 50 Ländern präsent. Allein im Irak sollen in den Jahren 2004 und 2005 etwa 20 000 Mann als private militärische Auftragnehmer tätig gewesen sein. Mittlerweile wird die Zahl der Mitarbeiter von Sicherheits- und Privatfirmen im Irak auf 30 000 geschätzt.

Die Contractors stellen nach den GIs das zweitgrößte Kontingent im Irak. Eine Armee aus ehemaligen Elite- und Infanteriesoldaten, die nun für Ölfirmen, Baufirmen oder für Regierungen tätig werden. Personen schützen, Sicherheitskräfte ausbilden, Konvois begleiten, Munition vernichten, mit Sondereinheiten zusammenarbeiten, als Scharfschützen für den reibungslosen Ablauf von Wahlen sorgen: „Wir schützen den Wiederaufbau.“ Im Grunde genommen unterscheide sich ihre Arbeit nicht von der eines Personenschützers in Deutschland. Nur seien Arbeitsbedingungen und Gefährdungslage anders. Der Krieg ist privatisiert - für einen Sold von 500 Dollar pro Mann und Tag.

Zu unkalkulierbar ist das Risiko geworden

Gunny, Norman und Dirk haben mit dem Irak abgeschlossen. Zu unkalkulierbar sei das Risiko geworden. Männer des Branchenführers, der amerikanischen Firma Blackwater Security Consulting, haben das unkalkulierbare Risiko mit dem Leben bezahlt. Die Fotos der vier toten Amerikaner, deren verstümmelte Leichname kopfüber an einer Brücke in Falludscha aufgehängt worden waren, gingen im März 2004 um die Welt. Gunny, Norman und Dirk wissen, dass auch von ihnen irgendwann solche Bilder gemacht werden könnten. Aber die Herausforderung der Krisengebiete reizt sie. „Dazu muss man geboren sein“, sagt Norman, der 33 Jahre alte ehemalige Elitesoldat mit dem breiten Kreuz, der Glatze und der kreisförmigen Narbe auf der Wange.

„Magnet“ nennen ihn seine Kollegen, weil er schon dreimal angeschossen worden ist. Norman habe man gerne um sich, dann sei man selbst sicher. Bundeswehr, amerikanische Eliteeinheit, Scharfschützeneinsätze in Kolumbien, Ostafrika, Bosnien, dann beim Bundeskriminalamt und schließlich Freiberufler: Sein Leben gleicht einem Actionfilm, inklusive Fallschirmsprüngen über dem Dschungel, bei denen er wusste, dass er beschossen würde. Nur dass Norman, der immer eine Schusswaffe bei sich trägt, keine Actionfigur ist, auch wenn er so redet: „Das Individuum stirbt, das Team überlebt“, sagt er. „Das Team ist mir wichtiger als meine Familie."“

Sprungbrett für weitere Einsätze

Wahrscheinlich braucht er den Nervenkitzel. So wie die anderen Männer und Frauen, die sich bei der Bodyguard Academy ausbilden lassen, zumeist ehemalige Bundeswehrsoldaten, die schon in Afghanistan und in Bosnien waren, die weitermachen wollen und die Academy als Sprungbrett für weitere Einsätze nutzen. Zwischen 20 und 30 Personenschützer hat die Academy schon für den Einsatz ausgebildet. Hinzu kommen weitere 70, die als Minenentschärfer oder Suchhundeausbilder arbeiten.

Gunny, Norman und Dirk haben keine moralischen Bedenken, jemanden zu töten. Geschossen haben sie schon alle, getötet wohl auch. „Wir schießen zwar nur bei Notwehr, aber wir sind zum Töten ausgebildet.“ Aber Dirk will nicht wieder einen solchen Einsatz wie im Irak durchmachen. Der ehemalige Formel-1-Personenschützer, der als Bodyguard unter anderen auf Ralf Schumacher aufpasste, hat sich vorgenommen, endlich auf seine Familie zu hören. Nach Afrika aber wird er dennoch gehen. In vier Ländern will die Bodyguard Academy tätig werden. Regierungsauftrag. Die Männer sollen für Sicherheit sorgen und die Ausbildung von Sicherheitskräften übernehmen. Auch Norman und Gunny werden wieder dabei sein. Bald geht es los, vielleicht schon in der nächsten Woche.

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