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DFB-Damen nach WM-Aus : Das Wundenlecken nach einem verlorenen Turnier

  • -Aktualisiert am

Die deutsche Fußballfrauen um Alexandra Popp scheiden bei der WM im Viertelfinale aus. Bild: dpa

Vor einer Woche sind die deutschen Fußballerinnen bei der WM in Frankreich ausgeschieden. Wie sie das verkraftet haben? Unsere Autorin hat nachgesehen.

          Alle Farbe ist aus den Bildern gewichen. Sie zeigen die deutschen Nationalspielerinnen mit ernster Miene, mit Tränen in den Augen, die Hand an Kinn oder Stirn – ein Drama in Schwarzweiß. Dazu allerlei Varianten von „Wir sind alle mehr als enttäuscht“. Schaut man sich die Instagram-Accounts der Fußballerinnen seit dem WM-Aus am Samstag vor einer Woche an, als Deutschland im Viertelfinale an Schweden scheiterte, so ist man bei vielen versucht zu sagen: Jeder unglückliche Mensch ist auf seine eigene Weise unglücklich, aber alle unglücklichen Fußballer gleichen einander.

          Eine Gemeinsamkeit der Botschaften: wie schwer es sei, nach so einem Spiel die richtigen Worte zu finden. Damit hatte nicht nur Dzsenifer Marozsán ihre Schwierigkeiten, wie sie ihren 73.100 Followern gestand. Noch ein Motiv, das sich in vielen Post-mortem-Posts findet: die Würdigung der Fans; trotz allem „möchte ich euch für die tolle Unterstützung während des gesamten Turniers herzlichst danken“, schrieb Marozsán. Teamkollegin Giulia Gwinn machte die Reihe der Top-3-Topoi komplett, indem sie Resilienz versprach: „Wir kommen zurück!“

          „Das hast du dir verdient!“

          Bei Fußball-Frauen wie -Männern gilt: Das Wundenlecken nach einem verlorenen Turnier folgt einem festen Protokoll (nur dass die Frauen noch nicht so lange Übung in dieser Disziplin haben). Auf ein möglichst trauriges Bild vom Spielfeld folgt ein möglichst fröhlicher Einblick ins Privatleben. Wie schlägt sich die Frauen-Nationalelf dabei?

          „Ich bin ja jetzt im Urlaub“, antwortet Torhüterin Almuth Schult im Telefon-Interview. Das sei ungewohnt. Keine festen Termine, dafür spontane Besuche bei Familie und Freunden – „ein Leben, das man als Fußballer sonst nicht kennt“. Schult unterstreicht: „Es ist nur Sport, es gibt ja noch ein Leben daneben.“

          Dzsenifer Marozsan postet in Schwarzweiß

          Anderen, wie der Spielführerin und gelernten Tierpflegerin Alexandra Popp, helfen die Haustiere. Unter ein Foto, auf dem ihr Hund im Schatten döst und sie im Gartenpool planscht, schrieb Popp, sie und ihr „Buddy“ ließen es sich im Urlaub gutgehen.

          Überhaupt: Mit der Trauer muss irgendwann auch Schluss sein. Die Fußballerinnen machen sich selbst und ihren Fans Mut mit in Hashtags verpackten Aphorismen wie „#hinfallenaufstehenkronerichtenweitergehen“. Dann gönnen einem die Anhänger auch das kleine Glück nach der großen Niederlage. „Das hast du dir verdient!“, so oder so ähnlich schreiben viele unter die Urlaubsfotos.

          Schwedisch-deutsche Freundschaft

          Auch Gwinn kann offenbar wieder strahlen. Am Dienstag feierte sie ihren zwanzigsten Geburtstag; am Tag danach postete sie ein Selfie, um sich für Glückwünsche zu bedanken. Mit 144.000 Abonnentinnen ist Gwinn so etwas wie der Shootingstar unter den Fußballerinnen (auch wenn männliche Spieler wie Toni Kroos schon mal 21 Millionen Instagram-User hinter sich versammeln). Die erst 17 Jahre alte Lena Oberdorf wiederum zeigte sich lächelnd an einem Autoscooter auf der Kirmes in ihrem Heimatort Gevelsberg: „Always smile.“

          Lena Oberdorf kann auf der Kirmes wieder lachen

          Doch Bitternis bleibt – besonders darüber, dass die deutsche Frauenmannschaft mit dem vorzeitigen Ausscheiden aus der WM auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 verpasst hat. Denn nur die besten drei europäischen Teams treten dort an. „Wir sind der amtierende Olympiasieger und dürfen unseren Titel nicht verteidigen“, ärgert sich Torhüterin Schult. „Das ist schade und lag an uns: Wir hätten das Spiel gegen Schweden einfach gewinnen müssen.“ Die deutsche Mannschaft hatte zunächst 1:0 geführt, doch zwei Gegentore, die einzigen im gesamten Turnier, die Schult nicht verhindern konnte, brachten das Team um den Sieg.

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