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Sombreros, Hydranten, Tücher : Strategien gegen die heißen Temperaturen aus aller Welt

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Nur mit den Aufsätzen der Feuerwehr erlaubt: Sprudelspaß an einem Hydranten in New York. Bild: dpa

Tropische Nächte, kochend heiße Tage: Was die Menschen in Deutschland in diesem Sommer aushalten müssen, gibt es andernorts regelmäßig. Wie wappnen sich die Menschen dort gegen die Hitze?

          Ein paar Wochen am Stück Sommerhitze und schon stöhnen viele Menschen in Deutschland. Doch was sollen da erst die Bewohner von Weltregionen sagen, wo solche Hitzeperioden länger und auch heftiger ausfallen? Sie haben häufig ihre ganz eigenen Strategien entwickelt, mit der übermäßigen Wärme umzugehen. Eine Auswahl rund um den Globus:

          Bulgarien

          Wenn die Sommer so richtig heiß werden, erfrischen sich die Menschen in Bulgarien gerne mit kühlem heimischem Joghurt. Zum Frühstück, zwischendurch oder am Abend will in dem Balkanland kaum jemand auf die dicke „kisselo mljako“ (saure Milch) mit dem einzigartigen bulgarischen Ur-Bakterienstamm Lactobacillus bulgaricus verzichten. Ebenso nicht auf Ayran aus Joghurt, Wasser und Salz. Dieses aus Vorderasien stammende Erfrischungsgetränk soll zudem den hohen Blutdruck senken. Sehr beliebt als Vorspeise an heißen Sommertagen ist auch die kalte Gurkensuppe „tarator“, die mit Joghurt, Dill, Knoblauch, Olivenöl und gehackten Walnusskernen zubereitet wird.

          Irak

          Mit Hitze kennen sich die Iraker aus: Temperaturen jenseits der 40 Grad gehören im Sommer zum Alltag. Weil wegen der schwachen Infrastruktur jedoch permanent der Strom ausfällt, ist auf Klimaanlagen kein Verlass. Viele Händler stellen deshalb im Sommer auf den Bürgersteigen Duschen auf, unter denen sich die Iraker zur Erfrischung die Köpfe mit Wasser abbrausen können. Handtücher liegen auch bereit. Wem das nicht ausreicht, springt zur Abkühlung in den Fluss Tigris. Andere flüchten sich in Einkaufszentren, in denen dank Generatoren die Klimaanlagen immer laufen.

          Eine schnelle Dusche für unterwegs: In Bagdad stellen Händler im Sommer auf den Bürgersteigen Duschen zur Erfrischung der Bürger auf.

          Indien

          In vielen Teilen des Subkontinents sind im Mai und Juni Temperaturen knapp unter 50 Grad keine Seltenheit. In der Monsunzeit von Juli bis September ist es zwar etwas weniger heiß, dafür aber sehr schwül. Bei denen, die es sich leisten können, laufen ununterbrochen die Klimaanlagen. Eine günstigere Alternative sind Geräte, die Wasserdunst durch Matten aus Süßgras pumpen. Für unzählige Inder sind aber auch die zu teuer. Ihnen bleibt nur das Mittel, im Freien zu schlafen. Beliebt sind im Sommer Lokale mit Dachterrasse, die kaltes Wasser durch Ventilatoren sprühen. Zur weiteren Abkühlung bestellen die Gäste Limettensaft mit Sodawasser oder das Joghurtgetränk Lassi.

          Hitze pur: Da es in vielen Wohnungen nachts zu heiß wird, schlafen viele Inder einfach kurzerhand draußen.

          Golf-Staaten

          Das beste Rezept gegen Hitze in den Wüstenstaaten am Golf lautet: Tagsüber nicht ins Freie gehen. Die Bürgersteige sind deswegen im Sommer fast menschenleer. Wer von einem Ort zum anderen muss, bewegt sich nur in einem klimatisierten Fahrzeug. Wie im Irak sind auch klimatisierte Einkaufszentren beliebte Anlaufpunkte und Zentren des öffentlichen Lebens. Erst nach Sonnenaufgang füllen sich dann auch wieder die Straßen.

          Vereinigte Staaten von Amerika

          In der amerikanischen Ostküstenmetropole New York sollen an Hydranten eigentlich nur Feuerwehrleute Hand anlegen. An heißen Tagen werden sie unerlaubt aber auch von Anwohnern und Kindern geöffnet, die sich im Wasserstrahl abkühlen wollen. Bis zu 3800 Liter pro Minute schießen dann in die Luft. Erlaubt ist der kostenlose Wasserspaß heute nur noch mit Sprüh-Aufsätzen der Feuerwehr – damit sprudeln pro Minute noch etwa 100 Liter heraus.

          Nicht ganz legal aber wohltuend: In New York erfrischen sich die Bewohner durch offene Wasser-Hydranten.

          Italien

          Die Devise in Italien lautet in den Hitze-Monaten: Ferien machen. Im August kommt das öffentliche Leben im ganzen Land weitgehend zum Erliegen, viele Büros und Geschäfte in den großen Städten schließen den ganzen Monat. Die Italiener zieht es in Massen ans Meer oder in die Berge. Mittags ziehen sich die Menschen meist in dunkle Häuser zurück, um abends wieder am Strand zu flanieren. Wer Pech hat und in Städten wie Rom oder Mailand bleiben muss, sucht oft vergeblich nach erschwinglichen Freibädern. Man kann es dann den verschwitzten Touristen gleichtun und sich in ein Restaurant mit Ventilatoren setzen, die per Sprühnebel Abkühlung versprechen. Ansonsten bleibt einem nur die Wahl: Zurück ins klimatisierte Büro.

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