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Offiziersmütze auf dem Sarg : So läuft die Beerdigung von Prinz Philip ab

In Windsor: Auch die King’s Troop, Royal Horse Artillery, die in der britischen Armee zeremonielle Aufgaben hat, bereitet sich auf die Beisetzung vor. Bild: Reuters

Viele Aspekte seiner Beerdigung hatte Prinz Philip selbst festgelegt – mit bemerkenswerter Detailliebe. Nur ein bisschen mehr Volk hätte er sich wahrscheinlich gewünscht.

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          Gemessen an der großen Anteilnahme, mit der die Briten den Tod Prinz Philips begleiten, droht die Trauerfeier an diesem Samstag fast ein bisschen verloren zu wirken. Die Menschen wurden aufgefordert, nicht vor Schloss Windsor zu ziehen, um ihre Trauer zu bekunden; es werde „nichts zu sehen“ geben, hieß es etwas barsch. Die coronabedingt eingeschränkte Zeremonie wird sich vollständig hinter den Mauern des Schlossgeländes abspielen, eine Art Kammerspiel mit Kamera.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Die Königsfamilie, stets besorgt um ihren Ruf, verzichtete auf Corona-Ausnahmeregelungen, die ihr wohl nicht verwehrt worden wären. Die Trauergemeinde will die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen penibel einhalten: Nicht mehr als 30 Personen werden an der Feier teilnehmen, Maskenpflicht und Abstandsgebot sollen sogar für die Königin gelten, die in der kommenden Woche immerhin 95 Jahre alt wird.

          Der Herzog von Edinburgh, dessen Leichnam am Samstagmorgen mit einem Geleitzug in die St George’s Chapel am Rande des Schlosses gebracht werden soll, war nie ein Freund des großen Aufhebens gewesen – „no fuss“, lautete sein Motto. Aber ein bisschen mehr Volk und Unmittelbarkeit hätte er sich vermutlich schon gewünscht.

          Generalstabsmäßige Präzision

          Viele Aspekte der Zeremonie hatte der „Duke“ selbst festgelegt, zum Teil mit generalstabsmäßiger Präzision und bemerkenswerter Detailliebe. So wird sein Leichnam auf einem militärgrünen Spezialfahrzeug der Marke Land Rover Defender dahingleiten. Philip war die Traditionsmarke bis zur Abgabe seines Führerscheins vor zwei Jahren gerne gefahren und hatte vor seinem Tod eigene Ideen für das nun verwendete Sondermodell entwickelt. Selbst den Farbton des Wagens ließ er verändern, so dass er mehr dem Grün ähnelte, das er aus den fünfziger Jahren kannte. Auf seinem Sarg wünschte er sich seine Offiziersmütze und weitere Insignien seiner langen Militärkarriere.

          Bilderstrecke
          Prinz Philip : Ein Leben an der Seite der Königin

          Auf dem Altar der Kapelle werden – auf samtene Kissen genäht – einige der Auszeichnungen ausgestellt, die ihm besonders am Herzen lagen. Darunter ist der Order of Merit, der von König Edward VII. gestiftete Verdienstorden, den zur selben Zeit nur 24 Menschen tragen dürfen, und eine Reihe von Militärabzeichen, die er sich überwiegend in den fünfziger Jahren erworben hatte. Weitere Orden reflektieren Philips Wirken im Commonwealth und seine Herkunft als Prinz von Griechenland (Erlöserorden) und Dänemark (Elefantenorden). Das Prunkstück auf dem Altar ist der Order of the Garter, der älteste britische Ritterorden, der auf das Jahr 1348 zurückgeht.

          Bis zu 700 Soldaten werden Teil der Zeremonie sein, darunter die Dudelsackspieler der Royal Navy. Aber der leidenschaftliche Offizier wäre wohl bekümmert gewesen, zu erfahren, dass die eigene Familie entgegen der Traditionen in ziviler Trauerkleidung und nicht in Uniform von ihm Abschied nehmen wird. Die Entscheidung traf die Queen, um die Zerwürfnisse in der Familie nicht allzu sichtbar zu machen. Prinz Harry, Philips Enkel, wurden seine militärischen Ehrentitel aberkannt, nachdem er sich im Februar endgültig aus dem Familienbetrieb zurückgezogen hatte, und so wäre er das einzige enge Familienmitglied im schwarzen Anzug gewesen.

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