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Flaggenmast sorgt für Spott : Der Blitzableiter der Nation

Andrej Danko, Parlamentspräsident der Slowakei, spendete 9000 Euro für „seinen“ Flaggenmast. Bild: dpa

Der slowakische Parlamentspräsident Andrej Danko ließ in Bratislava einen 30 Meter hohen Flaggenmast errichten. Nachdem in diesen der Blitz einschlug, musste der Politiker viel Häme ertragen.

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          Der Sonntag war für Andrej Danko ein großer Tag. Als slowakischer Parlamentspräsident feierte er den Tag der Verfassung der Slowakei. Noch mehr freute sich der Politiker der Slowakischen Nationalpartei (SNS) aber über eine persönliche Herzensangelegenheit: Vor dem Parlament ragt seitdem ein 30 Meter hoher Flaggenmast mit der slowakischen Nationalflagge gen Himmel. Die im Boden einbetonierte Stange übertrifft sogar den Flaggenmast am Platz der Republik vor dem Berliner Reichstag. Der Parlamentspräsident schaut aber vor allem nach Budapest. Dort ist der Flaggenmast vor dem Parlament „nur“ 27 Meter hoch, obwohl in Budapest das im neogotischen Stil errichtete drittgrößte Parlament der Welt steht. Das Parlamentsgebäude in Bratislava dagegen ist ein schmuckloser Flachdachbau neben der Burg, dem eigentlichen Wahrzeichen der Stadt.

          Zwischen den beiden Nationen besteht eine historische Rivalität. Ján Slota, der Vorgänger von Andrej Danko als SNS-Parteivorsitzender, war für seine anti-ungarischen Ausfälle berüchtigt. Er wollte in den neunziger Jahren mit Panzern in Budapest einfahren. Sein Nachfolger gibt sich gemäßigter. Er bestritt auch, dass er mit dem Flaggenmast den Nachbarn ausstechen wollte. Die Ingenieure hätten die Anweisung gehabt, einen möglichst hohen Mast zu bauen. Erst als sie sagten, er könnte 30 Meter hoch werden, sei ihm klar geworden, dass der Mast dann höher wäre als jener in Budapest.

          Andrej Danko steckte viel Herzblut in das Projekt – und viel Geld. Von den rund 58.000 Euro, die der Flaggenmast kostete, steuerte der Parlamentspräsident 9000 Euro aus der eigenen Tasche bei. Eine ähnliche Summe trug sein Büroleiter bei. Robert Fico, der nationalem Populismus ebenfalls nicht abgeneigte Vorsitzende der sozialdemokratischen Regierungspartei SMER-SD, gab auch noch 1000 Euro dazu. Nach Aussagen eines Sprechers wollen auch die Sozialdemokraten die „Sichtbarkeit der Staatssymbole“ erhöhen und den Patriotismus im Lande vertiefen.

          Nationaler Zusammenhalt zeigte sich jedoch vor allem im Hohn und Spott, mit dem die Slowaken den Mast schon vor der Fertigstellung bedachten. Einem Witzbold gelang es, ihn auf Google Maps in „Nationalen Blitzableiter der Slowakei“ umzubenennen. Die Metapher bietet sich schon deswegen an, weil die slowakische Nationalhymne mit den Worten „Über der Tatra blitzt es“ beginnt. Eine Woche vor der feierlichen Eröffnung schlug einem Video zufolge auch tatsächlich ein Blitz im Mast ein. Eine Fotomontage, auf der Danko den Blitz mit dem linken Zeigefinger ableitet, ist noch eine der harmloseren Darstellungen, über die sich Nutzer der satirischen Website Zomri amüsieren. Der Karikaturist Shooty zeichnete, wie der Parlamentspräsident seinem Arzt sagt, sein Blut fließe vom Kopf bis zum Mast.

          Der übergroße Mast war auch eine Steilvorlage für Alojz Hlina, den Vorsitzenden der christlich-demokratischen Oppositionspartei KDH. Mitte August hisste Hlina in einem Wald in Bratislava eine Flagge mit drei Sternen und einem Punkt. Sie gilt in Militärkreisen als Symbol für den Rang eines Kapitäns. Die Aktion bezog sich darauf, dass der Zivilist Andrej Danko im September 2016 vom slowakischen Verteidigungsminister Peter Gajdoš zum „Kapitän der Reserve“ ernannt wurde. Den Spitznamen „Kapitän“ wird er seither nicht los. Dem Parlamentspräsidenten blieb nichts anderes übrig, als sich bei Hlina für die „Werbung“ für seinen, den scheinbar einzig richtigen Mast zu bedanken.

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